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Galerie: Test Quadro 350 D

Test: Quadro 350 D

Schön schräg

02.08.2013

Frischer Wind um die Nase, das Beschleunigungsgefühl oder auch hautnahes Erleben von Technik – es gibt einige Gründe, Motorrad zu fahren. Doch das eigentliche Salz in der Suppe ist die Schräglagen-Gaudi. In diesen Genuss können auch Inhaber eines Pkw-Führerscheins mit dem Dreirad-Scooter Quadro 350D kommen. Er bietet den Kick, der Biker in Ekstase versetzt, und der ohne Motorradführerschein erlebbar ist.

Auf den ersten Blick möchte man meinen, der Quadro sei ein Piaggio MP3, doch werden Kenner bereits am Design einige klare Unterschiede ausmachen. Und ein genauer Blick offenbart außerdem noch eine andersartige Radaufhängung an der Vorderachse. Denn obwohl es sich wie beim MP3 um eine Vorderachse mit zwei recht eng beinander liegenden Rädern handelt, werden diese über ein komplizierteres hydraulisches Neigungssystem auf die Straße gedrückt. Doch dazu später mehr ...

Ein Zulieferer geht seinen eigenen Weg

Galerie: Test Quadro 350 DQuadro Tecnologie, so der vollständige Herstellernamen, ist übrigens ein Tochterunternehmen des bei Mailand beheimateten Zweiradtechnik-Zulieferers Marabese Design, der unter anderem an der Entwicklung der rein mechanischen Parallelogramm-Aufhängung an der Vorderachse des 2006 in den Markt eingeführten Piaggio MP3 beteiligt war. Für den Quadro 350D hat Marabese später ein technisch feineres, hydraulisches Pendant zum MP3-System weiterentwickelt und sich mit dem taiwanesischen Rollerhersteller Aeon zusammengetan, um den 350D zu produzieren.

Während Aeon unter anderem die Antriebstechnik liefert, kommt von Quadro das Vorderachssystem. Dank der 550 Millimeter breiten Vorderachse und einer auf alle drei Räder wirkenden Fußbremse – parallel gibt es auch klassische Handbremshebel – wird der 350D als mehrspuriges Fahrzeug zugelassen. Und genau dieser Umstand erlaubt es, das Dreirad mit Führerscheinklasse B zu pilotieren.

Single für alle Lebenslagen

Galerie: Test Quadro 350 DBeim Aeon-Triebwerk handelt es sich um einen wassergekühlten Einzylinder, der aus 313 Kubikzentimeter Hubraum erkleckliche 21 PS heraus kitzelt. In Verbindung mit der stufenlosen Variomatik bietet dieser Single ein für alle Lebenslagen ordentlichen Vortrieb. Mit kräftigem Schnattern legt der Viertakter nach leichter, getriebebedingter Anfahrschwäche ordentlich los und kann man beim Ampelstart die meisten Pkw locker abhängen. Selbst bei Überland- und Autobahnfahrten schwimmt der 350D noch gut mit. 120 km/h ist das offizielle Limit, der Digitaltacho zeigte bergab auch schon mal 130 km/h an. Verbrauch: vier bis fünf Liter Benzin, was Reichweiten von 200 bis 300 Kilometer erlaubt.

Insofern ist der 350D sogar ein langstreckentaugliches Fahrzeug, doch so richtig wohl und souverän fühlt man sich auf der Autobahn nicht, denn jenseits der 100 km/h ist der Geschwindigkeitszuwachs eher zäh. Und bei längeren Dauervollgas-Etappen kann aus thermischen Gründen die Höchstgeschwindigkeit zwischenzeitlich zudem leicht gekappt werden. Schließlich ist das Dreirad etwas windempflindlich und sorgt der Motor im Dauerdrehzahlhoch beim Fahrer für ordentliches Vibrations-Kitzeln in den Händen.

Reichlich Stauräume

Ansonsten ist der 350D aber ein bequemer Roller, auf dem man gut sitzen kann und der zudem noch ordentlichen Windschutz bietet. Außerdem hat der routiniert jedoch im Detail nicht sonderlich edel verarbeitete Scooter ein paar praktische Staufächer. Unter der Sitzbank passen bis zu zwei Jethelme oder der Einkauf, während unterm Lenker in der Verkleidung zwei weitere Staufächer die Möglichkeit bieten, Brieftaschen, Pausenbrot oder das Handy zu verstauen. Letzteres lässt sich über die 12-Volt-Steckdose sogar aufladen.

Doch kommen wir zum eigentlichen Höhepunkt: der zweirädrigen Vorderachskonstruktion. Das hydraulisch gesteuerte Neigungssystem wird wie bei einer Luftfederung im Lot gehalten. Ein öl- und gasgefüllter Zylinder an jedem Rad sowie ein Ausgleichselement dazwischen sorgen für Stabilität. Dieses hydraulische System bietet sogar die Möglichkeit, beim Ampelstopp aufrecht stehen zu bleiben, ohne dass man dabei die Füße auf dem Boden setzen muss. Das erfordert ein gewisses Feingefühl, doch wenn man den Bogen raus hat, kann man sich mit einem netten Balancespielchen die Zeit bei Ampelstopps etwas verkürzen.

Parken ohne Ständer

Galerie: Test Quadro 350 DAußerdem ermöglichen die zwei Räder vorne ein Abstellen des Rollers ohne Ständer. Dieser ist zwar grundsätzlich vorhanden, doch gibt es auf der Verkleidungsinnenseite einen großen Hebel, mit dem sich zum sicheren Parken eine Hydrauliksperre aktivieren lässt. Ist diese aktiviert, kann der Quadro bereits sicher stehen und geparkt werden.

Doch der eigentliche Spaß der vorderen Zweiradkonstruktion macht sich in Kurvenfahrten bemerkbar: Der Fahrer kann mit reichlich Schräglage (bis zu 40 Grad sind möglich) durch Kurven fegen und so das wahrhaftige Motorrad-Feeling auf sogar gehobenes Spaßniveau treiben. Allerdings fällt das Dreirad nicht von selbst in Kurven und muss man es schon mit aktiven Impulsen hineindrücken. Für Biker ist das ein zunächst ungewohntes Verhalten.

Übung macht den Meister

Galerie: Test Quadro 350 DEntsprechend muss man sich an diese Eigenart zunächst gewöhnen und sukzessive an größere Schräglagen herantasten. Hat man im Wortsinn den Bogen raus, gewinnt man mehr und mehr Vertrauen und wird die Kurve schnell vom Feind zum Freund. Mit Suchtpotenzial, denn der Quadro vermittelt dabei noch eine überaus stabile Kurvenlage und lassen sich so erstaunlich saubere Kurvenstriche zirkeln. Besonders viel Vertrauen erwecken auch die Bremsen, die dank der zwei Scheiben vorne besonders gute Verzögerung ermöglichen.

Allerdings ist der 220-Kilo-Scooter nicht so leichtfüßig und wendig wie ein einspuriges Fahrzeug, welches vor allem auch im Stadtverkehr Vorteile bietet: Denn mit dem Quadro 350D tut man sich schwer, an Ampeln am stehenden Autoverkehr vorbeizuschlängeln. Gefühlt ist das Dreirad dann doch etwas breit. Aber wenn man sich danach wieder herrlich lustvoll in Kurven werfen kann, mag man diese Unzulänglichkeit gerne verzeihen.

Auf die Sichtweise kommt es an

Allerdings verlangt der Importeur MSA für diesen Spaß ein durchaus stolzes Sümmchen: Rund 6.495 Euro (plus 195 Euro Nebenkosten) muss man für den 350D investieren. Zum Vergleich: Einspurige Mitbewerber der 300-Kubikzentimeter-Roller-Klasse sind der Honda NSS300 Forza (ab 5.300 Euro) oder ein Aprilia SR Max 300 (ab 4.300 Euro). Doch diese darf man nicht mit Pkw-Führerschein fahren: Die wahren Konkurrenten des Quadro-Dreirads sind der Piaggio MP3 300 (ab 7.300 Euro) oder der Peugeot Metropolis 400i (ab 8.500 Euro). In diesem direkten Wettbewerbsumfeld ist der Quadro so gesehen durchaus ein Schnäppchen.

Immer wieder hört man von Autofahrern, sie würden sich überlegen, einen Motorradführerschein machen zu wollen. Das besondere Motorradfeeling ist ja fraglos verlockend. Doch die Hürde eines zeitaufwändigen und teuren Führerscheinerwerbs könnte man sich auch sparen und stattdessen in den mit besonderer Fahrwerkstechnik gesegneten Quadro 350D investieren. Dieser bietet echte Zweiradgaudi auf drei Rädern, auch für Inhaber eines Pkw-Führerscheins.

Die spezielle Vorderradaufhängung verlangt allerdings auch nach einer ordentlichen Mehrinvestition. Für Inhaber eines Motorradführerscheins wäre also ein günstigerer Einspur-Roller oder ein klassisches Motorrad die bessere Alternative. Zumal der Quadro ein gewöhnungsbedürftiges Fahrverhalten bietet und nicht ganz so wendig wie ein normales Zweirad ist. Immerhin generiert die besondere Technik des 350D Aufmerksamkeit und schauen viele Passanten interessiert zu, wie man auf diesem Dreirad mit atemberaubenden Schräglagen um Ecken fegt. Auch was wert.

 
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