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Galerie: Test Renault Koleos dci 175 4x4

Test: Renault Koleos dci 175 4x4

Kolossal kontrovers

23.10.2009

Über Schönheit (wahlweise Aussehen), so sagt man immer, lässt sich nicht streiten. Und da die Geschmäcker verschieden sind, ziemt es sich für einen Motorjournalisten eigentlich nicht, die Optik eines Autos zu bemäkeln. Wie aber soll er sich verhalten, wenn der Wagen förmlich dazu herausfordert? Der Renault Koleos tut genau dies.

Erst 2008, weit nach Toyota RAV4, VW Tiguan, Ford Kuga und vielen anderen, trat Renault mit dem Koleos in den Markt der Kompakt-SUV ein. Schon damals war der SUV-Markt gut gesättigt.

Um trotzdem zu reüssieren, wollten die Renault-Designer etwas Besonderes schaffen. Das ist ihnen gelungen. Allerdings löst ihre Vorstellung von Blickfang eher selten positive Reaktionen aus. Die Kommentare, die man als Koleos-Fahrer einheimst, liegen irgendwo zwischen Ablehnung und Mitlleid.

Koreanische Tugenden

Zu Gute halten muss man dem Koleos, dass er nicht nur wie ein SUV aussieht, sondern auch als solches gelten darf. Schließlich steckt unter dem diskussionswürdigen Blechkleid ein bewährter Offroader: die Plattform stammt vom Konzernbruder Nissan X-Trail. Gebaut wird der Koleos bei Samsung in Südkorea. Der eigentlich als Elektronik-Hersteller bekannte Konzern, der ebenfalls zu Renault gehört, baut auch ein Schwestermodell des Koleos, den QM5, für den koreanischen Markt.

Zahlreiche Ablagen

Galerie: Test Renault Koleos dci 175 4x4Der einfachste Weg, sich dem kontroversen Design zu entziehen, ist einzusteigen. Denn im Innenraum wartet der Koleos mit wohnlichem Ambiente auf. Die Interieur-Designer gingen weitaus weniger mutig ans Werk als ihre Kollegen und ersparen den Insassen kreative Kapriolen, die meist zu Lasten der Bedienbarkeit gehen. Außerdem ist die asiatische Präzision in der Fertigung bemerkbar, alles ist sauber verarbeitet und auch die Materialauswahl kann sich sehen lassen.   

Alle Schalter, Hebel und Tasten sind logisch angeordnet - eine unverständliche Ausnahme bilden die Regler für die Sitzheizung. Die nämlich sind auf der Türseite angebracht - was es den Fahrer fast unmöglich macht, den Sitzwärmer auszuschalten, wenn der Beifahrer dies vorm Aussteigen vergessen hat. Sehr erfreulich ist hingegen das reichhaltige Angebot an Ablagen, in denen allerlei Kram seinen Platz findet; im Fondboden verstecken sich sogar ein paar Geheimfächer.

Eng im Fond

Die stark nach hinten abfallende Dachlinie ist einer üppigen Kopffreiheit im Fond abträglich, und auch das serienmäßige Schiebedach mit einer feststehenden Glasscheibe über der Rückbank schränkt den Platz nach oben ein. Um dies auszugleichen, hat Renault die hinteren, ungleich geteilten Rücksitze tiefer montiert, was aber zu Lasten des Sitzkomforts geht. Dafür lassen sie sich mit Hilfe zweier Hebelchen vom Kofferraum aus umklappen - ein Pluspunkt beim Beladen.

Trotz seiner nur 4,50 Meter Außenlänge bietet der Franzose ein ordentliches Kofferraumvolumen von mindestens 450 Litern; erweitert sind es bis zu 1.380 Liter. Bevor der Platz ausgeht, stößt wahrscheinlich die Zuladung an ihre Grenze: die liegt bei eher geringen 500 Kilogramm. Dafür dürfen aber bis zu zwei Tonnen an die Anhängerkupplung.

Unpraktische Heckklappe

Galerie: Test Renault Koleos dci 175 4x4Ein Wort noch zum Kofferraum: Die Heckklappe ist zweigeteilt, der gläserne Teil schwenkt nach oben, der untere verlängert die Ladefläche. So entsteht zwar zeitgleich eine praktische, überdachte Sitzgelegenheit, doch braucht man schon lange Arme, um an die im hintersten Eck des einen Meter tiefen Gepäckabteils liegende Packerl zu kommen.  

Unter der Haube unserer Testwagen arbeitete, nicht zu überhören, ein Dieselmotor. Zwei davon hat Renault im Angebot, jeweils mit Zwei-Liter-Hubraum und entweder mit 150 PS und wahlweise reinem Frontantrieb oder mit serienmäßigem Allradantrieb und 173 PS. Der Griff zum stärkeren Antrieb erweist sich als gut Wahl, sieht man vom stets präsenten Nageln und dem rauen Lauf des Selbstzünders sowie dem herzzerreißenden Aufheulen des Turboladers einmal ab.

Durchzugsstark

Galerie: Test Renault Koleos dci 175 4x4Den Fahrleistungen tut dies keinen Abbruch: Die maximal 360 Newtonmeter Drehmoment garantieren nach einem kleinen, dank der kurzen Übersetzung des ersten Gangs aber schnell überwundenen Turboloch kraftvollen Durchzug und bringen den 1,7 Tonnen schweren Franzosen in unter zehn Sekunden auf Landstraßen-Tempo.

Auch die anderen Zahnräder des serienmäßigen Sechs-Gang-Getriebes sind gut abgestuft; allerdings wünscht man sich etwas mehr Präzision und Leichtgängigkeit beim Schalten. Und an den etwas undefinierten Schleifpunkt der Kupplung muss man sich auch erst gewöhnen, will man nicht anfahren wie ein Fahrschüler. Der höchste Gang ist als reine Sparmaßnahme auf der Autobahn zu verstehen, von Elastizität ist dann nicht mehr viel zu spüren, und schon kleinste Beschleunigungen erfordern den Wechsel in den fünften.

Manierliche Trinksitten

Galerie: Test Renault Koleos dci 175 4x4Dafür haben die Techniker dem Aggregat tatsächlich manierliche Trinksitten beigebracht. Nur siebeneinhalb Liter Diesel laufen pro 100 Kilometer in seine vier Zylinder - nach EU-Norm gemessen. In der Praxis erzielten  wir einen Durchschnittswert von gut neun Litern, was in Anbetracht des keineswegs aerodynamischen Zuschnitts der SUV-Karosserie und der hohen Leistung immer noch als sparsam gelten darf.

Anders als viele Mitbewerber, die ihren SUV mittlerweile eine übertrieben Sportlichkeit antrainieren, sprich, die Fahrwerke immer härter auslegen und damit dem für dieses Segment ursprünglich typischen Komfort den Garaus machen, ist Renault mit dem Koleos der französischen Bequemlichkeit treu geblieben. Zwar ist die Federung durchaus straff, was Unebenheiten mitunter durchschlagen lässt, doch wird das meiste von den weichen Dämpfern relativiert. Der Preis dafür ist eine stärkere Seitenneigung.

Immer mit Allrad

Galerie: Test Renault Koleos dci 175 4x4Der Top-Diesel fährt stets mit Allrad-Antrieb vor, der dem Fahrer allerdings die Wahl lässt, ob die Kraft wirklich an alle vier Räder geleitet werden soll, oder ob er spritsparend nur mit Frontantrieb fahren will. Doch selbst im 4x4-Modus wird das Drehmoment (maximal 50 Prozent) erst dann an die Hinterachse geleitet, wenn vorne Schlupf auftritt. Wer mit dem Koleos ins Gelände fährt, kann die paritätische Drehmomentverteilung zwischen den Achsen bis Tempo 40 auch erzwingen. An sonstigen Offroad-Hilfen ist nur noch ein Bergabfahrassistent an Bord, sieht man von dem Kompass und dem Höhen- und Neigungsmesser einmal ab.  

Typisch für Allradler, zeigt auch der Koleos eine Neigung zum Untersteuern und schiebt bei etwas schnelleren Manövern gern, aber auch gut kontrollierbar, über die Vorderräder. Das ESP greift relativ spät ein, dafür aber mit der nötigen Härte. Auch die Bremsen packen fest zu und gebieten dem Franzosen Einhalt.

Komplett ausgestattet

Preislich zeigt sich der 173-PS-Koleos selbstbewusst und will mit mindestens 34.000 Euro bezahlt werden. Die fast 5.000 Euro Aufpreis zum schwächeren 150-PS-Triebwerk erklären sich vor allem durch die bessere Ausstattung, denn der Top-Motor ist nur in der Top-Version Luxe lieferbar. Mit CD-Radio und Bose-Soundsystem, Klimaautomatik, Tempomat, Parksensoren, umklappbaren Beifahrersitz, Lederpolstern mit Sitzheizung, Bi-Xenon-Scheinwerfern mit Kurvenlicht und dem Panoramadach erfüllt aber diese Version die meisten Wünsche.

Als Option bleiben letztendlich nur der 500 Euro teure Metallic-Lack und für 1.500 Euro das DVD-Navigationssystem, das über Tasten auf dem Mitteltunnel gut für Fahrer und Beifahrer zu bedienen ist. Wer diese beiden Optionen ordert, bekommt für 36.000 Euro ein komplett ausgestattetes SUV. Deutsche Premium-Hersteller rufen für ein vergleichbar motorisiertes Fahrzeug locker 15.000 bis 20.000 Euro mehr ab.  

Fazit

Schade, dass das Design bei vielen Kaufentscheidungen eine wichtige Rolle spielt. Denn hier verspielt der Renault Koleos viele wichtige Punkte. Wer darüber hinweg sieht, erhält mit dem Franzosen ein solides, komfortables SUV, dass mit dem 170-PS-Diesel auf der Straße flott unterwegs ist und sich mit zwei Tonnen Anhängelast auch als Zugtier verdingen kann. Und mit dem intelligenten Allradantrieb lassen sich selbst kleinere Geländeaufgaben durchaus bewältigen.

Galerie: Test Renault Koleos dci 175 4x4

 
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