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Galerie: Test Renault Latitude dCi 175

Test: Renault Latitude dCi 175

Der Renault ohne Preis

30.08.2011

Seit dem Ende des ebenso charismatisch wie erfolglosen VelSatis spielte Renault nicht mehr in der oberen Mittelklasse mit. In die Liga, in der Mercedes E-Klasse, Audi A6 und Fünfer-BMW den Ton angeben, sind die Franzosen jetzt mit dem Latitude zurück gekehrt. Allerdings mit fraglichen Erfolgsaussichten.

Den Gedanken, der Renault Latitude könnte der Premium-Konkurrenz aus Stuttgart, München oder Ingolstadt auch nur einen Kunden streitig machen, verwerfen wir ganz schnell und auch der VW Passat hat nicht viel Unheil zu befürchten; auch wenn die Limousinen der deutschen Hersteller deutlich teurer sind. Bleiben vor allem die Mitbewerber aus dem eigenen Land, also Peugeot mit dem 508 und Citroëns C6, mit denen der Renault um das verschwindend kleine Importeurs-Stück des Oberen-Mittelklasse-Kuchens buhlen muss.

Doch mit auffälliger Optik, wie etwa der Citroën, versucht der Latitude jedenfalls nicht, die Gunst der Kunden zu erobern. Dass das 4,90-Meter-Schiff mit derart schlichter, ja fast schon langweiliger Karosserie antritt, überrascht in Anbetracht der sonst eher weniger brav gezeichneten Renaults. Dafür gibt es aber eine einfache Erklärung. Der Latitude ist gar kein Renault.

Korea-Import

Galerie: Test Renault Latitude dCi 175Freilich, auf dem Kühlergrill prangt die Raute des französischen Herstellers, doch entwickelt und entworfen hat ihn die koreanische Konzerntochter Samsung. Dort, in Fernost, wo er als SM5 beim Händler steht, wird der Latitude auch für den europäischen Markt gebaut; doch wird er den hiesigen Ansprüchen nur leidlich gerecht.

Eins muss man ihm allerdings lassen: das Platzangebot ist vorzüglich und deutlich besser als bei den meisten Mitbewerbern. Selbst wenn der Vordermann großgewachsen ist und den serienmäßig elektrisch betriebenen Sitz ganz nach hinten fährt, bleibt auf der Rückbank reichlich Beinfreiheit.

Nicht geborgen

Galerie: Test Renault Latitude dCi 175Auf den eigentlichen Sitzkomfort hat dies allerdings wenig Auswirkung; so sind vor allem die straffen Vordersitze zwar keinesfalls unbequem, doch hat man nicht das Gefühl, von ihnen geborgen zu sein. Der nur geringe Verstellbereich des Lenkrads erleichtert es zudem nicht, die optimale Sitzposition zu finden. Dafür ist das Gestühl ab Werk beheizbar und bringt eine mehrstufige Massagefunktion mit; überhaupt wird sich die Ausstattung des Latitude noch als ein schwerstes Pfund erweisen.

Auf den ersten Blick wirkt das Cockpit recht ansehnlich, die großen Rundinstrumente sind hübsch gezeichnet, es gibt reichlich Kunst–Leder, Chromdekor und sogar eine auf Hochglanz polierte Pseudo-Holzeinlage für den Lenkradkranz. Allerdings schwindet dieser Eindruck beim ersten Befühlen und setzt sich der Latitude erst einmal in Bewegung, knarzt der Kunststoff hier und da.

Kein Kultivierter

Im Falle des von uns gestesteten Vier-Zylinder-Diesels mit 173 PS dürften diese Geräusche in der Regel allerdings vom Motor übertönt werden. Zwar läuft der Selbstzünder im Schiebebetrieb durchaus leise, doch schon beim kleinsten Stupser am Gaspedal macht er keinen Hehl mehr aus seinem Brennverfahren, klingt rau und beginnt beim stärkerer Leistungsabfrage kräftig zu knurren.

Galerie: Test Renault Latitude dCi 175173 PS, sollte man meinen, sind ausreichend für eine 1,7 Tonnen schwere Limousine, zumal das Datenblatt auch ein sattes Drehmoment von 360 Newtonmeter ausweist, das für kraftvollen Durchzug sorgen müsste. Allerdings ist der Latitude auf Gedeih und Verderb mit einer Sechs-Gang-Wandler-Automatik der alten Schule verbunden, die sich erstmal einen Teil der Leistung und damit des Temperaments des Motors einverleibt, ehe sie die Kraft an die Vorderräder weiterleitet.

Die Gangwechsel selbst erfolgen bei moderater Fahrt durchaus sanft, ruft man allerdings spontan erhöhte Leistung ab, wird der Automat beim Sortieren der Gänge leicht hektisch und vergreift sich hin und wieder. Und: Da das Getriebe die Kraftentfaltung hemmt, ist man geneigt, mehr Gas als eigentlich nötig wäre zu geben, was den Verbrauch gut neun Liter steigen lässt; fast drei Liter mehr als der Hersteller angibt.

Zu straff

Galerie: Test Renault Latitude dCi 175Ganz und gar nicht von alter, französischer Schule ist dagegen das Fahrwerk des Latitude. Denn wer sich bei der Limousine aus der fünften Republik auf eine etwas schwammige, senftenhafte Abstimmung, die höchsten Komfort verspricht, freut, wird enttäuscht. Viel zu ernst hat man den angeblich „europäischen Geschmack“ genommen und den Latitude derart straff ausgelegt, dass er mit seiner hölzern wirkenden Federung, vor allem bei moderatem Tempo, über kleinste Unebenheiten hinwegpoltert. Die wenig direkte Lenkung hingegen passt wiederum nicht zu dieser strammen Abstimmung.

Doch wollen wir nicht nur meckern, der Latitude kann, neben seinem üppigen Platzangebot mit noch etwas punkten: seiner Ausstattung, die immer komplett ist und neben Standards wie Klimaautomatik und elektrischen Fensterhebern zum Beispiel auch die genannten Massagesitze umfasst. Und das ist noch längst nicht alles.

Alles an Bord

Galerie: Test Renault Latitude dCi 175So gibt es im Fond serienmäßig Sonnenrollos, die für die Seitenscheiben aber leider zu klein sind und manuell bedient werden müssen. Links und rechts geht das noch problemlos, an der Heckscheibe führt es aber zu halsbrecherischen Verrenkungen. Es sind aber auch weitaus praktischere Extras an Bord, wie zum Beispiel das Navigationssystem, das schlüssellose Zugangssystem, ein Tempomat, die mitlenkenden Xenon-Scheinwerfer ein Bose-Soundsystem und die zwecks der eingeschränkten Übersicht nach hinten äußerst praktische Rückfahrkamera; dafür verlangen die Mitbewerber teils deftige Aufschläge.

In Anbetracht der Ausstattung überzeugt der Latitude erst recht mit seinem Preis, obwohl er offiziell gar keinen hat. Richtig gelesen: Renault bietet die Limousine in Deutschland gar nicht zum Kauf an, sondern, damit niemand auf einem unverkäuflichen Gebrauchtwagen sitzen bleibt, nur zum leasen. Das dafür aber bereits für günstige 489 Euro im Monat für den von uns getesteten Diesel, ohne Anzahlung. Das ist deutlich weniger als etwa für einen Peugeot 508 oder erst recht eine Mercedes E-Klasse. Wer auf den Benziner zurückgreift, zahlt gar nur 399 Euro.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Renault Latitude
Motor / Ausstattung   dCi 175
Motor    
Hubraum (Kubikzentimeter / Bauart)   1.995 / R4-Turbo
Leistung (kW (PS) / U/min)   127 (173)/ 3.750
Drehmoment (Nm / U/min)   360 / 2.000
Antriebsart   Frontantrieb
Getriebeart   6-Gang-Automatik
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.897 / 1.832 / 1.483
Radstand (mm)   2.762
Wendekreis (m)   11,2
Leergewicht  (kg)   4.695
Kofferraum (Liter)   477
Serienbereifung   225/45 R 18
Verbrauch    
Krafstoffart   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   6,5
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   170 / Euro5
AS24-Verbrauch (l/100km)   9,2
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   9,9
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   205
Preise    
ab (Euro)   ab 489 Euro monatliche Leasingrate
Ausgewählte Extras (Euro)   den Latitude gibt es nur komplett ausgestattet
 
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Ominöser Ionisator

Galerie: Test Renault Latitude dCi 175Und dann ist da noch etwas, dass den Latitude einmalig macht: Der so exklusive wie ominöse Ionisator. Gut, dass das System einen Duft versprühen kann, ist kein Hexenwerk und kann man beim Latitude sogar zwischen zwei Geschmacksrichtungen – rote Beeren und Kräutertee – und drei Intensitäten wählen.

Außerdem soll der Ionisator auch, per Tastendruck einstellbar, entweder die Luft reinigen und von Keimen befreien oder aber durch die Abgabe von Ionen ein angenehmes Raumklima herstellen. Nette Idee, nur gemerkt haben wir jedenfalls nichts davon.

Fazit

Ob man den Ionisator nun braucht oder nicht, eins muss man dem Latitude zu Gute halten: Seine Ausstattung ist wirklich vorbildlich. Hinzu kommt ein üppiges Platzangebot und eine unschlagbar günstige Leasingrate – und leider auch viele Fehler im Detail. Und ob die verwöhnte Käuferschaft der oberen Mittelklasse über die hinweg sehen mag, ist fraglich. Bis August 2011 wurden jedenfalls erst 112 Latitude in Deutschland zugelassen. Die meisten wohl von Renault-Händlern...

 
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