Cabrio-Special 2011
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Galerie: Test Saab 9-3 Cabriolet 2.0 t BioPower

Test: Saab 9-3 Cabriolet 2.0 t BioPower

Nordisch by Nature

20.12.2007

Der Songtitel „Nordisch by Nature“ von Fettes Brot passt gut zum Saab 9-3 Cabriolet 2.0t BioPower. Nordisch ist klar: Saab kommt aus Schweden, dem Land, das von Norwegen und Finnland sanft umschlungen wird. Und Nature gibt es in Schweden massig. Zudem sind die Schweden sehr naturverbunden und haben beschlossen, ab 2020 vom Erdöl unabhängig zu sein. Gründe, weshalb Saab schon früh auf Ethanol als Kraftstoff setzte und mittlerweile vier Leistungsvarianten mit „Alternativ-Sprit“ anbietet. Wir haben uns, zur Jahreszeit passend, das 200 PS starke 9-3 Cabriolet 2.0t BioPower zur Brust genommen.

„Soso, 200 PS soll dieser Saab bringen, und das mit Alkohol?“ Diese Aussage stammt von Sven, einem Freund, den ich zu Beginn meiner Testrunde zufällig in der Stadt treffe. Skeptisch umrundet er den Saab und liest dann auf dem Heck BioPower: „Was soll das denn jetzt? Ich denke, der fährt mit Alkohol? Warum steht das dann nicht hinten drauf?" „Tja“, sage ich, „was hört sich denn wohl besser an: Saab 2.0t BioPower oder Saab 2.0t Alki?“. Die Frage ist damit geklärt. Sven will nun auch mal eine Runde mit dem Benzinverächter drehen. Gesagt, getan.

Der Vierzylinder ist eine Wonne

Schlüsseldreh, bei Saab traditionell und perfekt platziert auf dem Mitteltunnel, und der Turbomotor schnurrt mit E85 im Tank, so wird das Ethanol an den Tankstellen bezeichnet. 85 steht für den Anteil an Alkohl in Prozent, die restlichen 15 Prozent sind Superbenzin.

Galerie: Test Saab 9-3 Cabriolet 2.0 t BioPowerAlso, beim Schnurren waren wir. Das ist nicht einmal übertrieben. „Vier- oder Sechszylinder?“ fragt Sven. „Vier“, sage ich. „Aha, klingt echt sehr dezent.“ so Sven. Richtig Sven, der Zweiliter-Vierzylinder mit Turboaufladung und 1,2 bar Ladedruck surrt tatsächlich selten leise und geschmeidig für einen Vierzylinder. Turbo-Benziner können die Schweden eben bauen, das beweisen sie seit Jahren. Die 200 PS starke Ethanol-Ausführung des mit quadratischen Hubraumverhältnis (Bohrung 86 mm, Hub 86 mm) ausgelegten Zweilitermotors, der in vier Leistungssstufen angeboten wird, ist klasse.

Schiebt gleichmäßig an

Er schiebt schon ab Leerlaufdrehzahl druckvoll an. Gleichmäßig und sanft schraubt er sich das Drehzahlband hinauf. Wellige Leistungsabgabe, wie bei manch anderem Turbomotor? Fehlanzeige. Rauer Motorlauf? Nicht hier. Turboloch? Was ist das?! 225 km/h schafft das Cabriolet in geschlossenem Zustand. Für den obligatorischen Standardsprint benötigt der kühle Schwede 8,2 Sekunden, vorausgesetzt, man ist Schaltprofi und durchpfeilt die störrischen Ebenen in Windeseile. Störend bei schnellen Schaltmanövern ist zudem die Mittelarmlehne, die bei tiefer Sitzposition deutlich zu hoch angebracht ist. Alternativ gibt es aber eine Fünstufen-Automatik.

Sven ist begeistert

Galerie: Test Saab 9-3 Cabriolet 2.0 t BioPowerAch ja, Sven sitzt mittlerweile ganz still auf dem Beifahrersitz. Begeistert von der reduzierten Innenraumarchitektur, spielt er an den Luftausströmern, dem genial konstruierten Getränkehalter unter dem berührungsempfindlichen Navi-Bildschirm und den hochwertigen Ledersitzen mit optional erhältlichem Elektromodus. Die Vordersitze in Integralbauweise sind supergemütlich und einfach clever gemacht. Soll heißen: Der Gurt wurde komplett in die Sitzlehne integriert – kein Gefummel beim Anschnallen, kein lächerlicher Gurtbringer.

„Nightpanel!“, schallt es auf einmal vom Beifahrersitz rüber. „Was ist das denn für ein Druckknopf neben dem Navi?“. „Sorry Sven, das kann ich Dir erst bei Dunkelheit zeigen.“ Erklären kann ich es aber schon jetzt: Die Funktion Nightpanel ist vom Flugzeugbau abgeguckt. Saab hat ursprünglich auch Flugmaschinen für den militärischen Einsatz gebaut. Wird die Taste Nightpanel gedrückt, werden alle Anzeigen bis auf die Geschwindigkeitsanzeige und einige Tasten der Mittelkonsole ausgeschaltet. Fährt man unter 130 km/h, ist nur der Tachobereich bis 140 beleuchtet, fährt man schneller, erstrahlt die Skala bis 260 km/h in kühl grünem Licht. Das soll die Konzentration auf das Wesentliche stärken und den Fahrer in der Dunkelheit weniger ablenken. Bordcomputer oder Navi lassen sich auf Knopfdruck kurzzeitig anzeigen. „Toll!“, sagt Sven. „Find’ ich auch.“, meine ich.

Galerie: Test Saab 9-3 Cabriolet 2.0 t BioPowerDie Verarbeitung des gesamten Innenraums honoriert Sven mit einem sanften und liebevollen Streichen über fast alle Bauteile. „Schön gemacht.“. „Find’ ich auch.“, sage ich wieder. Zwar spielt dieser Saab nicht in der allerersten Liga, wenn es um Materialauswahl geht. Sehr fein verarbeitet und eine schöne Optik haben die Teile dennoch.

So kann auch die Verdeckkonstruktion eingeordnet werden. Das mehrlagige Textildach ist dick und damit recht leise und im Winter warm. Selbst bei Tacho 200 halten sich Windgeräusche angenehm zurück. Klar, ein Stahldach ist noch leiser, aber edler und der Linie zuträglicher ist immer eine dunkle Stoffhaube.

Komfortabel abgestimmt

Galerie: Test Saab 9-3 Cabriolet 2.0 t BioPower„Der ist ganz schön weich, oder?“, meint Sven nach einigen Kilometern. „Nö.“, sage ich, „eher schön komfortabel“. Das Fahrwerk hat ein sehr passendes Setup bekommen. Cabrioletfahren heißt Cruisen und nicht Heizen. Wer diesem Motto folgt, wird den Saab lieben. Er liegt satt auf der Straße, federt Kopfsteinpflaster lässig weg und läuft stoisch geradeaus. So soll es sein. Ein leichtes Zittern bei mieser Fahrbahn zeigt, dass die rund 170 Kilogramm Zusatzverstrebungsgewicht, die das Cabriolet im Vergleich zur Limousine mit sich rumschleppt, doch nicht der Weisheit letzter Schluss sind. BMW und Mercedes haben das Thema Verwindungssteifigkeit besser im Griff, aber das stört nicht.

Kurz vor Ende der Runde will 1,85-Meter-Sven noch hinten einsteigen, um das Platzangebot des Viersitzers zu checken. „Geht sogar.“, so seine fachlich richtige Aussage. Gleiches gilt übrigens für den Kofferraum im geschlossenen Dachzustand. Dann passen nämlich 325 Liter in das 4,65 Meter lange Cabriolet, oder anders gesagt: Zwei Umzugskartons, was mich wiederum positiv überrascht hat.

Freude beim Tanken

Galerie: Test Saab 9-3 Cabriolet 2.0 t BioPower„Tanken muss ich noch.“, sage ich zu Sven. „Oh ja“, erwidert der, „Alkohol fassen.“ und grinst dabei. „Da vorne ist `ne Shell, da kann ich Punkte sammeln.“. „Vergiss es!“, kontere ich. Zum einen hat Shell kein E85 und außerdem sammeln wir keine Punkte, sondern tanken grundsätzlich da, wo es am billigsten ist. Also auf zur einzigen E85-Tanke in ganz München.

Dort angekommen staunt Sven nicht schlecht. „Geil, nur 99,9 Cent der Liter, das ist ja voll billig!“. Richtig und wieder nicht richtig. Mit Ethanol im Tank verbraucht der Saab-Motor rund 2,5 Liter mehr als mit Superbenzin. Im Test waren es 10,7 zu 13,1 Liter. Damit wird der Preisvorteil zwar nahezu vernichtet, aber egal. Das Gefühl beim Tanken, wenn die Literzahl schneller läuft als der Eurobetrag, ist fantastisch. Das Umweltgewissen wird zudem besänftigt und einen Nachteil hat man ja nicht.  „Das ist aber eigentlich krass!“, sagt Sven. „Was denn?“, entgegene ich. „Na, das es in ganz München nur eine E85-Tankstelle gibt.“.

Tja, so ist das derzeit tatsächlich noch. Gut 100 E85-Tankstellen gibt es deutschlandweit. Damit ist eine Dauernutzung von E85 bei vielen BioPower-Käufern ausgeschlossen. Dennoch lohnt sich die Ethanol-Varianten.

Hoppla

Das Cabriolet kostet mit dem 200-PS-Ethanol-Motor und der umfangreichen Vector-Aussattung mindestens 39.900 Euro. Das E85-Modell reiht sich damit preislich brav zwischen dem 180-PS- und dem 210-PS-Benziner ein. Somit ist die Wahl der E-Version mit keinem finanziellen Nachteil verbunden.

Im Vector serienmäßig sind allerhand Nettigkeiten: Klima, elektrisches Verdeck – das sich während der Fahrt bis 30 km/h bedienen lässt – beheizbare Vordersitze, beledertes Sport-Multifunktionslenkrad und eine feine Lederausstattung gibt es stets. Als Extra empfiehlt sich das Comfort Paket für 1.080 Euro mit Tempomat, Einparkhilfe, elektrisch anklappbaren Außenspiegeln und Bordcomputer. Der schicken Erscheinung wegen sollte ein 17-Zoll-Radsatz für 855 Euro geordert werden.

Fazit

Das Saab 9-3 Cabriolet ist ein offener Viersitzer, der die Chance zum echten Klassiker hat. Ein hoher Wiedererkennungswert und ein perfektes Image sind sowieso garantiert. Auch wenn man nicht als Fotograf, Architekt oder sonst einem „ach so kreativen Job“  sein Geld verdient.

Das Saab Cabrio bringt Freude, der Motor ist erstklassig, das Fahrwerk feinfühlig und das Design typisch skandinavisch und damit sehr zeitlos eben. Sven meinte nach der Runde: „Klasse Auto, aber irgendwie doch nichts für mich.“, sprachs und düste in seinem Passat-Firmenwagen ab.

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