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Galerie: Test Subaru Levorg

Test: Subaru Levorg

Ein ehrliches Auto

22.03.2018

Zugegeben, auf den ersten Blick wirkt der Subaru Levorg ein bisschen weltentrückt: Boxermotor und Allradantrieb klingen nach Fahrspaß, das CVT-Getriebe verspricht dagegen eher Langeweile; die große Hutze auf der Motorhaube sieht nach Tuning-Zubehör aus und will nicht so recht zum Rest des unaufgeregten Mittelklasse-Kombis passen; und der Name Levorg erinnert eher an apothekenpflichtige Enzyme als an ein Auto. Aber genau das ist der Japaner: ein grundehrliches, solides Auto.

Fangen wir beim Namen an: Was wie in einer Stammtischlaune entstanden klingt, hat System, Levorg ist die Abkürzung für Legacy, Revolution und Touring. Ersteres nimmt Bezug auf den Vorgänger, letzteres steht für den Kombi. Wo allerdings die Revolution statt findet, bleibt unklar. Denn wenn der Subaru eins, ist dann bodenständig. Und das ist gut so!

Galerie: Test Subaru LevorgWährend andere Hersteller mit aller Gewalt ein Smartphone auf Rädern bauen oder den Innenraum in eine Wellness-Oase verwandeln wollen, setzt Subaru auf das, was sich seit Jahren bewährt hat: Klassische Instrumente und echte Tasten und Schalter. Der leider eher an japanischen Maßen ausgerichtete Innenraum des mit 4,70 Metern etwa VW-Passat-großen Levorgs sieht nicht aus, wie aus einer Schöner-Wohnen-Zeitschrift, sondern ist funktional, schlicht und, abgesehen von dem aufgesetzten Infodisplay auf der Mittelkonsole, auch recht übersichtlich. Es gibt reichlich Ablagen, genug USB-Anschlüsse und ein Infotainmentsystem, das sich recht schnell von selbst erklärt.

Praktische Lösungen

Galerie: Test Subaru LevorgDiese automobile Grundehrlichkeit bedeutet aber auch, dass es zum Beispiel im Kofferraum (bis zu 1446 Liter Stauraum) kein Hightech-Gepäckrollo gibt, das von alleine auf- und wieder zufährt, sondern einen eher windigen Sichtschutz, den man von Hand öffnen und schließen muss. Ist nicht so schick wie bei BMW, Audi und Co., erfüllt seinen Zweck aber genau so. Spielereien erlauben sich die Japaner an anderer Stelle: Zum Beispiel spendieren sie dem Levorg eine Rückspiegelkamera. Ist die Sicht nach hinten versperrt, weil die Schwiegermutter mal wieder einen neuen Kühlschrank braucht, zeigt der Rückspiegel per Tastendruck ein Kamerabild des Blicks nach hinten.

Galerie: Test Subaru LevorgDas ganze geht übrigens auch umgekehrt: Auf besagtem Infodisplay kann man sich auch das Bild der Frontkamera anzeigen lassen – und zwar bei jeder Geschwindigkeit. In den meisten Fällen fliegt dann zwar nur die Landschaft vorbei, vor allem in engen Baustellen kann das aber ein praktischer Helfer sein. Noch praktischer wären die Kameras allerdings, wenn sie serienmäßig mit den gegen Aufpreis erhältlichen Parkpiepsern kombiniert wären: die fehlten unserem Levorg leider und wer sich beim Rangieren darauf verlässt, dass das Auto schon rechtzeitig einen spitzen Warnschrei loslässt, erschrickt ziemlich, wenn man plötzlich den Fliegendreck auf dem Kennzeichen des Hintermanns im Kamerabild sieht.

Gewöhnugsbedürftige Mitteilungsfreude

Galerie: Test Subaru LevorgApropos Helferlein: Natürlich bleibt der Levorg von alleine in der Spur, natürlich überwacht er den Toten Winkel und an der Ampel behält er den Verkehr im Blick und gibt Bescheid, wenn es weitergeht. Dass er auch den Abstand zum Vordermann einhält und bei Bedarf bis zum Stillstand bremst, versteht sich fast schon von selbst. Verantwortlich dafür zeichnet vor allem die auffällige Doppelkamera hinter der Windschutzscheibe, die mit Argusaugen nach vorne blickt.

Nur: Anders als beim Einparken hat der Japaner während der Fahrt ein großes Mitteilungsbedürfnis und zeigt seine Freude darüber, dass er einen anderes Fahrzeug auf seiner Bahn entdeckt hat, nicht nur durch ein grünes Licht am Armaturenbrett an, sondern piept auch jedes Mal ganz aufgeregt. Das ist auf den ersten ein-, zweihundert Autobahnkilometern ziemlich nervig; irgendwann gewöhnt man sich aber dran. Abschalten lässt sich der Hinweis-Ton dagegen nicht – zumindest ist es uns ohne Komplett-Studium der Subway-Sandwich-Dicken Bedienungsanleitung nicht gelungen.

Entspannter Antrieb

Galerie: Test Subaru LevorgFür Entspannung während der Fahrt sorgen dagegen Motor und Allradantrieb: Der turbogeladene 1,6 Liter große Boxer mit 170 PS und 250 Newtonmeter – übrigens das hierzulande einzig verfügbare Aggregat – geht seiner Arbeit so nach, wie man es von einem Boxer erwartet: Kräftig, ruhig und kultiviert. Von dem flachen Triebwerk, das den 1,6 Tonnen schweren Subaru mühelos anschiebt, ist kaum etwas zu hören und würde ihn die stufenlose Automatik beim Beschleunigen nicht zu hohen Touren zwingen, merkte man gar nicht, das er da ist. Vom CVT-Getriebe selber kann man halten, was man will: Ja, es hemmt die Dynamik ein bisschen, und ja, ein Wandler der mit flinker Hand durch die Gänge schaltet bringt noch mehr Komfort. Aber: Der Levorg ist kein Sportwagen, sondern ein Alltags-Begleiter. Und bei normaler Fahrweise verhält sich das CVT absolut unauffällig.

Das gilt auch für den bei Subaru obligatorischen Allradantrieb: Die permanente Kraftverschiebung zwischen den Achsen sorgt für ausgesprochene Souveränität, der Levorg liegt, nicht zuletzt auch dank des tiefen Schwerpunkts, satt und sicher auf der Straße und setzt ruhig und unaufgeregt alle Befehle um, die von der feinfühlig arbeitenden Lenkung kommen. Nur der ansich kommod abgestimmte Unterbau könnte ab und an noch ein bisschen zarter agieren, vor allem bei niedrigem Tempo wissen Federn und Dämpfer manchmal nicht so recht, wie sie mit Trambahnschienen und Frostschäden im Asphalt umgehen sollen.

Drei Ausstattungspakete

Galerie: Test Subaru LevorgSo einfach es Subaru den Kunden bei der Wahl des Motors macht, so einfach ist auch die Auswahl der Ausstattung: Der Levorg startet in der Basisausstattung bei 29.990 Euro, die mittlere Version kostet 32.990 Euro und das Top-Modell 37.200 Euro – Extras gibt es nicht wirklich, neben der erwähnten Einparkhilfe stehen nur der Metallic-Lack und die Leder-Ausstattung zur Wahl. Alles andere ist in den drei Paketen gebündelt und wer zur höchsten Ausstattung greift, bekommt für unter 40.000 Euro ein Rund-um-sorglos-Paket.   Nicht vergessen sollte man allerdings die nicht gerade günstigen Tankkosten: So ruhig der Motor ist, so durstig ist er auch: Auf dem Papier laufen zwar nur 7,2 Liter Benzin durch die Kraftstoffleitung, in der Praxis aber näherte sich der Verbrauch ganz stark der Zehn-Liter-Marke.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Ob einem der Subaru gefällt, oder nicht, ist Geschmacksache. Auffallen tut er auf jeden Fall, schon allein wegen der lustigen Hutze auf der Motorhaube, die den Turbolader mit kühler Luft versorgt. Und wegen seiner Seltenheit: Gerade mal 446 Kunden konnten sich 2017 für den Japaner erwärmen; so viele Passats verkauft Volkswagen in anderthalb Werktagen. Wer sich für den Levorg entscheidet, bekommt für sein Geld allerdings ein ordentliches, gut ausgestattetes Auto: Die Verarbeitung ist tadellos, die Materialauswahl ok, das Cockpit praktisch, der Boxer kräftig und leise, das Fahrwerk ausgewogen. Eine stylische Lounge-Atmosphäre darf allerdings keiner erwarten, der Levorg ist genau das, als was er sich gibt: ein ehrliches Auto.
 
 

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