Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Drucken Weiterempfehlen   Twitter
Galerie: Test Toyota iQ

Test: Toyota iQ

Die etwas andere Stretch-Limousine

20.05.2009

Smart hat es vorgemacht. Zwar ließ der monetäre Erfolg des kleinen Zweisitzers rund zehn Jahre auf sich warten und zwei Smart-Baureihen sind zwischenzeitlich über den Jordan gegangen, aber jetzt funktioniert’s. Grund genug für Toyota, ähnlichesmit dem iQ zu probieren. Sein Vorteil: Ein vollwertiger Sitz mehr und eine um knapp 30 Zentimeter gestretchte Karosserie.

Ich oute mich: 1998 war ich Daimler-Mitarbeiter und genoss all die Vorteile der großen Firmenfamilie. Unter anderem den Kauf aller Fahrzeuge aus der Modell-Palette zu Sonderkonditionen. Der Smart gehörte dazu. Genau mein Auto, dachte ich. Für die Stadt perfekt (2,50 Meter lang – querparken!), für die Landstraße okay (ausreichend Kraft zum Überholen), für die Autobahn naja (Tacho 140 sind manchmal wirklich zu wenig). Etwa fünf Jahre lang und rund 100.000 Kilometer war er mein Freund, der mich -  abgesehen vom Tausch des Turboladers (inklusive Abgasanlage) - nie im Stich ließ. Mittlerweile gibt es den Smart in der zweiten Generation, und mit dem Toyota iQ hat der im Elsass gebaute, inzwischen 20 Zentimeter längere Mini-Daimler nun den ersten richtigen Konkurrenten bekommen – der zudem alles besser machen will. Schau'n wir mal.

Nicht schön, aber …

Galerie: Test Toyota iQZu allererst fällt auf: Der Toyota ist nicht schön. Die breite Spur, die schmalen Reifen und die Stupsnase wie auch der Unterbiss sind meilenweit vom klassischen Schönheitsideal entfernt. Aber anders kann auch attraktiv sein und zählt in der heutigen Zeit manchmal mehr – wie die freundlich fragenden Gesichter der Passanten beim Vorbeifahren verraten.

Viel wichtiger sind bei solch einem Automobilchen ohnehin die inneren Werte. Und genau dort enttäuscht der Toyota iQ auf den ersten Blick. Über das Interieur-Design kann man noch geteilter Meinung sein. Mir persönlich gefällt weder der klobige Aufbau, in dem das knapp 1.000 Euro teure Navigationssystem (das Bluetooth-Freisprecheinrichtung, USB- und iPod-Anschluss sowie SD-Karte-Schlitz und eine schlechte Menüführung beinhaltet) untergebracht ist noch die Gestaltung des Kombiinstruments mit fummelig zu bedienendem Bordcomputer.

Galerie: Test Toyota iQMiese Materialien

Was im iQ aber wirklich ärgert, ist die miese Materialauswahl. Es fängt schon beim Schlüssel der Basis-Version an, der nach Daewoo und 90er-Jahre aussieht, und es hört bei den empfindlichen Plastik-Oberflächen noch lange nicht auf. Die Flaschenhalter in den Türtaschen bekommen schon bei einmaligem Benutzen irreversible Kratzer; manche Kanten sind schlecht entgratet, und der Gurt bleibt oft zwischen Sitzlehne und B-Säule hängen und klemmt dann beim Zuschlagen zwischen Tür und Türholm. Ergebnis: Die Pforte schließt nicht und Kratzer sind auch hier vorprogrammiert. Als äußerst unpraktisch erweist sich der Minimal-Griff zum Zuziehen der Türen von innen, der bei großen Händen lediglich mit Fingerspitzen zu greifen ist. Zerrt man daran, bewegt sich die gesamte Türverkleidung, so dass man fürchtet, sie gleich aus den Verankerungspunkte zu reißenn.

Zudem wurde der Toyota iQ in Japan als Rechtslenker geplant. Das sieht und merkt man vor allem an der Platzierung des Handbremshebels und der Anbringung des Heckscheibenwischers. Beides sitzt für links platzierte Piloten auf der falschen Seite. Eine prinzipiell gute Idee wurde im iQ schlecht umgesetzt: Der LED-Decken-Lesespot ist ähnlich wie im Flugzeug in viele Richtungen justierbar, lässt das Licht aber eben nur fokussiert raus; alles andere bleibt im Dunkeln. Eine zusätzliche, mittig platzierte Deckenleuchte wäre hilfreich.

Nicht für Sitzriesen

Galerie: Test Toyota iQEbenfalls sinnvoll wären eine Lenkrad-Weiten- und vor allem eine Sitzhöhenverstellung, wenigstens auf der Fahrerseite. Das Haupthaar streicht nämlich nicht nur bei Sitzriesen oft am Dach entlang. Beim Ampel-Gucken heißt es entweder sich ducken und den Kopf nach vorne recken oder rund vier Meter vor der Haltelinie stoppen - von wegen, der iQ ist hauptsächlich für die Stadt gemacht: Denn die Windschutzscheibe beginnt zu weit vorne und ist zu schmal geraten. Zudem sind die A- und B-Säulen so breit, dass die Übersichtlichkeit leidet. Der Schulterblick endet nicht selten direkt an der B-Säule – je nach Sitzeinstellung. Recht brauchbar sind hingegen die vorderen Sitze und erstaunlicherweise der rechte Fondsitz, den selbst ich (193 Zentimeter lang) gut entern und über 200 Kilometer problemlos „bewohnen“ kann.

Super Fahrwerk

Galerie: Test Toyota iQRichtig klasse sind das griffige Lenkrad, die ziemlich direkte Lenkung, das komfortabel-agile Fahrwerk, der sanft schnurrende Dreizylinder-Benziner, die niedrigen Windgeräusche und der Fahrspaß im Allgemeinen. Des Weiteren beeindrucken die Spritzigkeit und der rekordverdächtige Wendekreis von nur 8,4 Metern. So bereiten Stadtgewusel und der flotte Ritt über die Landstraße gleichermaßen viel Spaß. Lediglich bei Nässe ist das Grip-Vermögen der 175er-Bridgestone-Ecopia-Reifen begrenzt. Und auch bei Vollbremsungen kommen die Öko-Schmalspur-Pneus in Verbindung mit dem recht grob regelnden ABS an ihre Grenzen. Ein Bremsweg von 41,4 Metern (Bestwert) ist nicht zeitgemäß.

Galerie: Test Toyota iQGewöhnungsbedürftig ist das sehr exakt schaltbare, jedoch extrem lang übersetzte Fünfgang-Getriebe. Der zweite Gang reicht bis kurz über 100 km/h. Im vierten wird die Höchstgeschwindigkeit erreicht, was bedeutet. dass sich der 68-PS-Dreizylinder laut GPS-Messung nach ewigem Anlauf auf immerhin 163 km/h schleppt und am Drehzahlbegrenzer schnuppert. Das aber ist nicht die bevorzugte Gangart des iQ.

Bei Vollgasetappen im vierten Gang müssen Heizer mit acht Liter Superbenzin rechnen. Artgerecht bewegt, und damit ist keineswegs eine extreme Öko-Fahrweise gemeint, genehmigt sich der Kleine rund sechs Liter. Ein brauchbarer Wert, wenngleich mein `98er-Smart auch nicht mehr schluckte. Ein Manko des iQ: Er erreicht nur die Abgaswerte nach Euro-4-Norm.

Galerie: Test Toyota iQSicher ist sicher

Neun Airbags, ESP und ein mäßig regelndes ABS besitzt der iQ ab Werk. Leichtmetallräder, ein klangstarkes Audio-System, eine manuelle Klimaanlage, ein Lederlenkrad, elektrisch verstellbare und beheizbare Außenspiegel sowie der Bordcomputer gehören ebenfalls immer dazu. Kostenpunkt 12.700 Euro. Billiger geht es beim iQ nicht, teurer ist unnötig. Ein vergleichbar ausgestatteter 71-PS-Smart kostet übrigens 14.200 Euro.Den von Toyota alternativ angebotenen 90-PS-Diesel braucht’s nicht, der benötigt nach Norm nur 0,3 Liter weniger Sprit, kostet aber bei identischer Ausstattung gleich 2.200 Euro mehr.

Fazit

Der Toyota iQ verkörpert ein cleveres Konzept mit guten Ideen, aber nur teilqweise vernünftiger Umsetzung. Drei Personen können ohne Weiteres transportiert werden, sogar auf längeren Strecken, denn Platzangebot und Fahrkomfort sind ausgezeichnet. Der kleine Drei-Zylinder begeistert mit hervorragender Laufruhe und ausreichend Leistung. Allerdings sollte er weniger trinken und die Euro-5-Einstufung erreichen. Das lang übersetzte, sehr exakt schaltbare Fünf-Gang-Getriebe dämpft sein Temperament.

Größter Minuspunkt des iQ: Die miese Materialqualität. Sie passt nicht zum propagiertem Premium- und Coolness-Faktor des Kleinen. Auch nervig: Die schlechte Übersichtlichkeit und die Fahrersitz-Ergonomie. Beim Preis enthalten wir uns einer Meinung, denn der iQ kostet zwar eine ordentliche Stange Geld, ist aber günstiger als der Smart, der sich gut verkauft. Und ob er mir lieber wäre als mein Ur-Smart? Ich denke mal drüber nach.

Galerie: Test Toyota iQ

 
4
298

Gebrauchtwagen-Kaufberater

Sie suchen einen Gebrauchten? Unsere Kaufberater sagen Ihnen, worauf Sie bei Ihrem Traumwagen achten müssen.

Suche nach Angeboten

Marke
Model
Fahrzeugrückruf
Hier verpassen Sie keinen Rückruf vom Hersteller mehr. Wir informieren Sie sofort per E-Mail.
Zum Rückrufservice

Frage der Woche

ServiceWelten

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.