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Galerie: Test Toyota Prius+

Test: Toyota Prius+

Versuchs mal mit Gemütlichkeit

27.03.2013

Sieben Fahrgäste, 4,1 Liter Verbrauch – im Pkw-Bereich ist der Prius+ das derzeit effizienteste Modell überhaupt, zumindest wenn man den Pro-Kopf-Verbrauch bei voller Besetzung berechnet. Wir wollten in der Praxis erfahren, wie gut sich der Hybrid-Van als Personentransporter eignet und wie sparsam er sich im Autobahneinsatz fahren lässt.

Nein, eine Schönheit ist der Prius wohl nie gewesen und sein seit Sommer 2012 angebotener XL-Ableger ist in dieser Hinsicht eher eine Verschlimmbesserung. Zwar kommt der Prius+ mit 8,5 Zentimetern mehr Höhe und 16 Zentimetern mehr Länge stattlicher daher, doch lassen diese ausladenderen Proportionen die Karosserie eher plumper erscheinen. Da helfen auch keine LED-Leuchten oder getönten Heckscheiben.

Doch es geht beim + vornehmlich um innere Werte, die in Hinblick auf die Qualitätsanmutung zwar wenig Grund zum Frohlocken bieten, aber trotz der kompakten Karosserie und einer großen Batterie dafür mit vorbildlicher Raumökonomie entschädigen. Der Clou: Statt im Gepäckraum hat Toyota beim Prius+ die Batterie der wuchtigen Mittelkonsole untergebracht. Damit der Stromspeicher kompakter ausfällt, wurde zudem eine Lithium-Ionen- statt einer Nickel-Metallhydrid-Batterie verbaut.

Statt Batterie zwei zusätzliche Sitze

Galerie: Test Toyota Prius+Der Vorteil dieser Mittelkonsolen-Li-Ion-Lösung ist ein besseres Platzangebot im Heck: Aus dem Kofferraumboden lassen sich zwei Einzelsitze herausklappen, auf denen sogar Erwachsene in einer einigermaßen bequemer Haltung mitreisen können. Kopf- und Kniefreiheit sowie der Fußraum sind zwar knapp bemessen, doch ein Weilchen werden es selbst 1,80 Meter große Gäste hier aushalten können.

Parallel können auch noch drei Erwachsene auf der zweiten Reihe Platz nehmen, denn der mittlere der drei Einzelsitze ist dank der Abwesenheit eines Kardantunnels ebenfalls vollwertig. Praktisch außerdem: Die Türen öffnen sich weit und der Einstieg in den Fond ist dadurch sogar einigermaßen komfortabel.

Hochvariabel und geräumig

Galerie: Test Toyota Prius+Alternativ bietet der Prius+ viel Platz für Gepäck. Als Siebensitzer ist der Stauraum 232, als Fünfsitzer stolze 784 und als Zweisitzer sogar 1.750 Liter groß. Hinzu kommen ein 60-Liter-Staufach unterm Kofferraumboden, zwei große Handschuhfächer und weitere kleine Ablagen sowie Getränkehalter.

Etwas zu gut hat es Toyota hingegen mit dem Informations-Overkill in der mittig auf dem Armaturenbrett inszenierten Kommandozentrale gemeint. Auch die vielen verschiedenen Materialien bringen etwas Unruhe in das futuristisch anmutende Arrangement, in dem das betagte Toyota-Navigationssystem mit Touchscreen-Display allerdings schon etwas altbacken anmutet. Aber es gibt auch einige smarte Lösungen, wie zum Beispiel das Head-Up-Display oder den kleinne, feinen Gangwahlhebel des automatischen Getriebes. Dieser Bonsai-Hebel macht deutlich, dass die sonst üblichen Wahlhebel in der Mittelkonsole eigentlich unnötig groß sind.

Fährt sogar rein elektrisch

Galerie: Test Toyota Prius+Wird der Miniatur-Hebel auf D gelegt, kann man mit dem Siebensitzer zunächst lautlos losstromern, im praktisch von uns nicht erreichten Idealfall sogar bis zu zwei Kilometer weit, sofern die Batterie voll ist und man nicht schneller als 45 km/h fährt. Hauptantriebsquelle ist jedoch ein 99 PS starker Benziner, der im Zusammenspiel mit dem E-Motor sogar eine Systemleistung von 136 PS bereitstellen kann.

Ganz so spritzig fühlt sich der Antrieb allerdings nicht an. Im per Knopfdruck aktivierbaren Powermodus spürt man zwar einen kurzweiligen Extrapunch vom E-Motor, doch nähert sich der Prius+ bei Vollgasbeschleunigung mit dröhnendem Benziner eher gemütlich der 100-km/h-Marke. 11,3 Sekunden soll der mit 1,5 Tonnen übrigens erfreulich leichte Doppelherz-Siebensitzer für den Sprint brauchen und maximal beschauliche 165 km/h erreichen. Laut Tacho waren es bei unserem Test sogar 178 km/h.

Gelassene Vortriebsfreuden

Galerie: Test Toyota Prius+Das Hybrid-Antriebssystem empfiehlt sich nicht als Quelle souveräner Vortriebsfreuden, es soll den Fahrer vielmehr beim Spritsparen unterstützen und ansonsten ruhig und komfortabel den Wagen vorantreiben. Wer die gemütliche Gangart bevorzugt, wird von einem überzeugenden und ausgereiften Zusammenspiel von E-Motor, Verbrennungsmotor und Planetengetriebe verwöhnt. Wer sinnig beschleunigt und sich auf vernünftige Reisegeschwindigkeiten beschränkt, kann einen angenehm kultivierten, gleichmäßigen Antrieb genießen, bei dem der Benziner die meiste Zeit akustisch im Hintergrund bleibt und man zudem nicht mit irgendwelcher Schaltarbeit belästigt wird. Das Fahrwerk filtert nebenbei die meisten Unebenheiten recht geschmeidig weg und auch die Windgeräusche bleiben auf niedrigem Niveau.

Wer es nicht allzu eilig hat, kann mit dem Prius+ also ganz entspannt auf der Autobahn längere Strecken abspulen und sich dabei noch an niedrigen Verbrauchswerten erfreuen. Wir sind mehrere hundert Kilometer mit maximal 120 km/h gefahren und haben dabei lediglich 5,5 Liter pro 100 Kilometer verbraucht. Alternativ haben wir den adaptiven Tempomat auf einer längeren Autobahnetappe möglichst oft auf 150 km/h gesetzt und so den Verbrauch auf 7,2 Liter getrieben. Bei höheren Geschwindigkeiten relativiert sich also das Verbrauchswunder und der Prius+ ist dann ähnlich effizient wie ein siebensitziger Van mit rund 100 PS starkem Diesel. Wer lieber bulligen Durchzug spüren und möglichst flott auf der Autobahn Strecke machen will, könnte mit einem Kompakt-Van mit Dieselantrieb glücklicher werden.

Spart vorallem auf Landstraßen und im Stadtverkehr

Galerie: Test Toyota Prius+Seinen großen Verbrauchsvorteil kann der Prius+ hingegen auf Landstraßen und im Stadtverkehr ausspielen. Vor allem hier hilft der zusätzliche E-Antrieb dabei, wertvolles Benzin zu sparen, und hat man dann durchaus das Potenzial, dem niedrigen Normverbrauchswert von 4,1 Litern in der Praxis recht nahe zu kommen.

Der Hybridantrieb ist übrigens nicht der einzige Technik-Höhepunkt, den der Prius+ zu bieten hat. Weitere Besonderheiten sind neben dem bereits erwähnten adaptiven Tempomat noch sein gewichtsparendes Panorama-Sonnendach aus transparentem Kunststoff, die LED-Scheinwerfer, ein Einpark-Assistent, ein Head-Up-Display oder das Pre-Crash-Sicherheitssystem. Allerdings sind die meisten dieser Nettigkeiten den höheren Ausstattungsvarianten Life und Tec-Edition vorbehalten.

Gute Ausstattung, fairer Preis

Galerie: Test Toyota Prius+Die Basisversion des Prius+ ist namenlos, bietet aber eine bereits durchaus stattliche Ausstattung. So verfügt die 29.900 Euro teure Einstiegsversion über sieben Sitze, sieben Airbags, LED-Tagfahrleuchten, 16-Zoll-Alus, Regensensor, Klimaautomatik, Lederlenkrad, ein Multimedia-Audiosystem mit 6,1-Zoll-Touchscreen, eine Rückfahrkamera, ein schlüsselloses Start- und Zugangssystem und vieles mehr. Angesichts der umfangreichen Serienausstattung, des sparsamen Doppelherzantriebs mit Automatik-Getriebe und EV-Modus sowie der variablen Siebensitzer-Konfiguration ist der Prius+ ein absolut faires Angebot.

Und für Fahrer mit Spritsparambitionen bietet der potenziell niedrige Verbrauch ein finanzielles Einsparpotenzial. Viele Siebensitzer-Vans mit ähnlich starkem Ottomotor und Automatikgetriebe konsumieren deutlich mehr Benzin. Da könnte man hochgerechnet auf die Fahrzeuglebensdauer mit dem Prius+, sofern man das Sparpotenzial konsequent nutzt, durchaus einige tausend Euro bei den Spritkosten wieder reinfahren. Langfristig kann sich die Investition in die Hybridtechnik also durchaus lohnen, zumal sich Toyotas Hybridmodelle beim Wiederverkauf einer besonders hohen Wertstabilität erfreuen .

 
Fazit

Mario Hommen

Mit einigen Clever-Lösungen und einer leicht vergrößerten Karosserie hat Toyota aus dem Prius einen vollwertigen und hochvariablen Siebensitzer gemacht. Die Raumökonomie überzeugt, denn auf den sieben Einzelsitzen können sogar sieben Erwachsene gleichzeitig mitreisen. Alternativ ist Platz für bis zu 1.750 Liter Gepäck. Ob als Siebensitzer oder Möbeltransporter – diese beiden und alle anderen Zwischen-Konfigurationen lassen sich im Handumdrehen einrichten.

Die zweite Stärke des Prius+ ist sein auf höchste Effizienz hin optimierter Antrieb, der allerdings nur sparsam ist, wenn man den Wagen sinnig bewegt. Ein Temperamentsbolzen ist der Hybrid-Van ohnehin nicht und die gelassene Fahrweise sorgt selbst auf der Autobahn bis Richtgeschwindigkeit für ein entspanntes und sparsames Vorankommen. Linksspur-Jünger dürften hingegen weniger Freude am Hybridantrieb haben.

Ein weiteres Argument für den Prius+ sind die Kosten. Der Anschaffungspreis ist angesichts des Gebotenen absolut fair, der Wiederverkaufswert zudem besonders hoch. Und wer dann noch das Effizienzpotenzial des Hybridantriebs möglichst konsequent nutzt, wird auch bei den Spritkosten im Vergleich zu den meisten Mitbewerbern viel Geld sparen können.
 
 

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