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Galerie: Test Volvo XC90 T6

Test: Volvo XC90 T6

Der Teufel steckt im Detail

20.10.2015

Lange musste Volvos Schlachtschiff durchhalten, ehe es in den verdienten Ruhestand verabschiedet wurde: Die Rede ist vom XC90, der stolze 13 Jahre und zahlreiche Facelifts auf dem Buckel hatte, ehe er abgelöst wurde. Bei so langer Vorbereitungszeit müsste die neue Generation eigentlich nahezu perfekt geworden sein, doch im Detail offenbart der große Schwede einige Schwächen.

Galerie: Test Volvo XC90 T6Eine mächtige Erscheinung ist er zweifelsohne, der 4,95 Meter lange Volvo XC90. Wie eine Trutzburg baut er sich vor einem auf und steht damit für Volvos Kernkompetenz schlechthin: Sicherheit. Hier drin passiert einem nichts, vermittelt der Koloss, und wirkt er doch dank klarer, skandinavischer Linien nicht plump. Das Gefühl der Geborgenheit bleibt auch nach dem Einsteigen im Unterbewusstsein: Die schweren Türen schließen satt, dickes Glas hält die Unwirklichkeiten der Außenwelt fern und die großen Ledersessel schmiegen sich an den Körper wie eine Lounge-Garnitur; die kleine, angenähte Schwedenflagge an den Sitzen ist ein liebevolles Detail. Selbst im Fond bietet der Nordmann großen Menschen gut Platz und für das Gepäck stehen ordentliche 721 Liter bereit, die sich auf 1.886 Liter erweitern lassen. Auf Wunsch senkt sich der Volvo im Stillstand sogar ab, damit das Be- und Entladen sowie Ein- und Aussteigen aus dem hohen SUV leichter von statten gehen.

Wohlfühl-Ambiente mit Tücken

Galerie: Test Volvo XC90 T6Im Innenraum wechseln sich hochglänzende Oberflächen mit kühlem Aluminium ab und bescheren dem mit reichlich Tierhäuten ausgeschlagenen Cockpit Wohlfühl-Atmosphäre. Mit dem neuen XC90 zieht bei Volvo auch ein neues Infotainment-System ein. Die Mittelkonsole dominiert zukünftig ein riesiger Touchscreen, der ein wenig an Teslas-Kommandozentrale erinnert, und über den vom Navigationssystem über Internetradio bis zur Stopp-Start-Automatik alles geregelt, bedient und eingestellt wird. Das folgt zwar alles einer gewissen Logik, doch um bis in die Untiefen der zahlreichen Menüs vorzudringen, ist etwas Einarbeitung von Nöten. Und wie man eine laufende Routenführung beendet, findet man nur durch den Blick in das Handbuch - oder durch Zufall - raus.

Praktisch: Um das schnell mit Fingerabdrücken übersäte Display reinigen zu können, legt Volvo extra ein Microfasertuch bei, das auch hervorragend zum Brillenputzen zweckentfremdet werden kann. Wer erst gar keine Spuren auf dem Touchscreen hinterlassen will, kann dem Infotainmentsystem seine Befehle auch diktieren, doch sind wir in unserem Test damit nur auf Unverständnis gestoßen. Für das Facelift in ein paar Jahren haben die Ingenieure auf jeden Fall noch ein bisschen was zu tun.

Als SUV zu straff, als Sportler zu schwer

Galerie: Test Volvo XC90 T6Und auch den Fahrwerkstechnikern sei empfohlen, in den kommenden Monaten noch einmal nachzufeilen. Für ein gemütliches SUV ist der Volvo zu straff gefedert und poltert zu ruppig über Querfugen und Gullideckel; für einen Hochleistungssportler vom Schlage eines Porsche Cayenne ist er dagegen zu schwerfällig, die Lenkung zu unpräzise und neigt er sich in Kurven zu sehr zur Seite. Das wird auch im Sportmodus nicht besser, der den XC90 insgesamt noch härter, aber nicht wirklich dynamischer macht.

Neben dem Fahrwerk beeinflussen die Fahrmodi – Performance, Komfort und Öko – natürlich auch den Motor. Im Falle unseres Testwagens ist das das Topmodell, nach der aktuellen Volvo-Nomenklatur T6 heißend. Wie alle Triebwerke des XC90, schöpft auch die Speerspitze ihre Kraft aus nur vier Zylindern, hier werden mittels Turbo und Kompressor stolze 320 PS aus dem 2,0-Liter-Motor gequetscht. Das reicht zusammen mit 400 Newtonmeter Drehmoment für eine Sprintzeit von 6,5 Sekunden und macht das 2,1 Tonnen schwere SUV 235 km/h schnell. Fordert man diese Leistung ein, hört man dem Motor dann allerdings auch an, dass er sich anstrengen muss und er wirkt, bei aller Kraft, die er bereitstellt, nicht so souverän, wie ein Sechs- oder gar Achtzylinder.

Vor allem zackige Zwischensprints machen dem Vierzylinder zu schaffen. Wo größere Aggregate in den Tiefen Ihrer Brennkammern Leistungsreserven mobilisieren, muss der T6 sein Automatikgetriebe um Hilfe bitten. Das allerdings ist ein vorbildlicher Assistent und wählt aus den acht verfügbaren Gängen in Windeseile den richtigen aus. Auf den Verbrauch wirkt sich das allerdings nicht sonderlich positiv aus: Gibt sich der XC90 mit 8,0 Litern Normverbrauch auf dem Papier noch recht bescheiden, sind in unserem Test gut zwölf Liter Benzin pro 100 Kilometer verbrannt worden.

Viele Helferlein

Galerie: Test Volvo XC90 T6Seinem Sicherheitsanspruch wird der Volvo natürlich nicht nur durch sein massiges Äußeres gerecht, sondern auch durch eine Vielzahl an Helferlein, die in allen passenden – und manchmal – auch unpassenden Momenten eingreifen. So meint der Notbremsassistent hin und wieder Hindernisse zu erkennen, die eigentlich gar keine Gefahr darstellen, und legt zum Erschrecken des Fahrers eine Vollbremsung hin. Driftet der XC90 in Richtung Fahrbahnmarkierung, greift der Spurhalteassistent etwas ruppig ins Lenkrad und schubst das SUV gern auf die andere Seite des Fahrstreifens. Und der Abstandstempomat? Der hat in unserem Testwagen leider alle paar Meter seinen Dienst quittiert – ohne erkennbaren Grund.

Einwandfrei arbeitet dagegen der Staufolgeassistent, der bei bis zu 50 km/h dem vorausfahrenden Auto folgt und so den Fahrer deutlich entlastet. Der Einparkassistent funktioniert tadellos und manövriert das Dickschiff wie von Zauberhand sicher in die Lücke. Und der Cross-Traffic-Alert hat so manches Malheur beim Rückwärtsausparken verhindert, in dem er den Querverkehr im Auge behält und bei Bedarf den Volvo bremst. Außerdem bieten die Voll-LED-Scheinwerfer einen Fernlichtassistenten, der nur einen Teil des Lichtkegels abdeckt, um den Gegenverkehr nicht zu blenden, bei möglichst hoher Lichtausbeute.

Viele Extras für viel Geld

Galerie: Test Volvo XC90 T6All die Unterstützung gibt es natürlich nicht umsonst. Im Basispreis von mindestens 57.700 Euro für den XC90 T6 sind zwar City-Notbremsassistent, Müdigkeitsalarm und Spurverlassenswarner an Bord, doch für den Rest muss man extra zahlen. Wie auch für die zahlreich angebotene Extra-Ausstattung: Das Bowers-&-Wilkins-Soundsystem (3.280 Euro), das den XC90 in eine zugegeben beeindruckende Kopie des Göteborger Konzerthauses verwandelt, das LED-Licht (1.750 Euro), Luftfahrwerk (2.560 Euro) oder die dritte Sitzreihe (1.500 Euro) – vieles gibt es nur gegen Bezahlung, so dass der Preis schnell auf über 70.000 Euro ansteigt. Immerhin: Das Infotainment-System mit Internetzugang (über ein gekoppeltes Smartphone) ist immer an Bord.

 
Fazit

Jan Menno Schmidt

Der neue Volvo XC90 ist ein schönes Auto, keine Frage. Die Designer haben den massigen Koloss elegant verpackt, trotzdem vermittelt er schon von außen das Volvo-typische Sicherheitsgefühl. Auch der Innenraum ist ausgesprochen wohnlich und das Platzangebot überzeugt. Der Teufel steckt allerdings im Detail: So ist der Vierzylinder-Benziner zwar kraftvoll, doch wirkt er leicht angestrengt. Das Fahrwerk ist zu straff, die Bedienung gewöhnungsbedürftig und manche Assistenzsysteme sind nur bedingt zuverlässig. Hoffen wir, dass Volvo diese Kinderkrankheiten in den Griff kriegt und die Ingenieure noch ein wenig an der Abstimmung schrauben – dann wird aus dem guten XC90 ein perfektes SUV.
 
 

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