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Galerie: Test VW Beetle Cabrio 1.6 TDI

Test: VW Beetle Cabrio 1.6 TDI

San Francisco ist nicht weit

14.05.2013

Mit Blumen in den langen Haaren fuhren sie im offenen Käfer von San Francisco zum Big Sur, um dort am Strand mit mantraartigen Gesängen eine bessere Welt heraufzubeschwören. Mehr als vier Jahrzehnte später sind die Blumenkinder Geschichte, ihr treuer Begleiter von damals aber feiert ein glorreiches Comeback.  

Das neue Beetle Cabrio wurde in eine andere Welt hineingeboren - zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick hat sich gar nicht so viel verändert; nicht an der Welt, und auch nicht am Volkswagen. Die Zeiten wurden schneller, doch Frieden auf Erden ist noch lange nicht eingekehrt. Immer noch regieren Herrschsucht, Gier und Neid das globale Geschehen, als wurden alle Bemühungen der Blumenkinder vom Winde verweht wie der Rauch ihrer Joints.

Umso schöner, dass er seinen Prinzipien treu geblieben ist. Der Beetle verteidigt seinen Standpunkt wie ein Fels in der Pazifikküste. Er steht, damals wie heute, für Glück und Freude, für ein unbeschwertes Lebensgefühl und harmonisches Miteinander. Und macht mit seinen unbeirrbar lächelnden Kulleraugen deutlich, dass er von diesem Standpunkt erst gedenkt abzuweichen, wenn der letzte Baum gerodet wurde - frühestens.

Das Gefühl von Freiheit

Galerie: Test VW Beetle Cabrio 1.6 TDISicher, auch an ihm gingen die Jahre nicht spurlos vorbei. Während die Blumenkinder von damals heute aber mehr Falten haben und die langen Haare dünn und grau sein dürften, hat der Volkswagen eine Verjüngungskur genossen und steht gestraffter den je für seine Ideen ein. Ein dezentes Fitnesstraining hat ihm zu mehr Muskeln verholfen, die Schultern wurden breiter, der Hintern etwas flacher. In seinem Herzen aber ist er der gleiche geblieben; Verwechslungsgefahr ausgeschlossen. Der Beetle ist so einzigartig wie eh und je.   

Vor allem das Cabrio steht immer noch für die große Freiheit. Einsteigen, Dach auf - das faltet sich mittlerweile per Knopfdruck in unter zehn Sekunden klassisch hinter den Rücksitzen zusammen - und genießen. Aus der Fender-Soundanlage ermahnt uns Scott McKenzie noch, bitte daran zu denken, Blumen in den Haaren zu tragen, wenn wir nach San Francisco kommen - doch in Gedanken sind wir schon längst da.

Mit Käferfach, aber ohne Blumenvase

Galerie: Test VW Beetle Cabrio 1.6 TDIDer Münchner Odeonsplatz wird zur Haight-Ashbury, die Isarauen zur San Franciso Bay und aus Gründwald wird vor dem geistigen Auge Monterey. Freiheit und Unbeschwertsein sind die steten Beifahrer im Beetle Cabrio. Und sie lassen uns vergessen, dass der VW auch heute noch kein Paradebeispiel für beste Qualität ist. Wer sich umschaut, findest sicher hochwertigere Kunststoffe und bessere Verarbeitung. Aber dann in irgendeinem Auto. Und nicht in einem Käfer.

Und sind wir mal ehrlich: Viel zu meckern gibt es nicht. Das Platzangebot ist ordentlich und anders als bei den meisten Cabrios hängen Fahrer und Beifahrer nicht mit der Stirn an der A-Säule, sondern können wahres Offenfahr-Feeling genießen. Ablagen hat es reichlich - inklusive des traditionellen Käferfachs über dem eigentlichen Handschuhfach. Das ist übrigens eine der Reminiszenzen, die es - neben dem kräftigen Luftzug - in die Gegenwart geschafft haben. Der Blumenvase neben dem Lenkrad blieb dies verwehrt; hier schafft der Zubehörhandel Abhilfe.

Sparsamer Antrieb

Deutlich moderner als damals geht es unter der Haube zu. Statt luftgekühlter Boxermotoren im Heck und Hinterradantrieb gibt es moderne Triebwerke, die ihre Kraft an die Vorderachse schicken; in unserem gelben Testwagen den 1,6-Liter-Konzern-Diesel. Das 105-PS-Triebwerk ist kein Sportmotor, aber für den nur rund 1,3 Tonnen schweren Beetle mehr als ausreichend. Trotz der 250 Newtonmeter Drehmoment bei nur 1.5000 Umdrehungen muss Durchzug zwar hin und wieder mit Runterschalten erzwungen werden, doch läuft der Beetle so bestückt problemlos 180 km/h und eignet sich nicht nur für die Landpartie entlang der Küste, sondern auch für längere Autobahnetappen.

Und er ist sparsam, schont den Geldbeutel und die Natur und tut damit etwas für eine bessere Welt: 4,5 Liter hat man im europäischen Normtest ermittelt, in der Praxis pendelte sich der Wert zwischen fünfeinhalb und sechs Litern ein. Das entspricht einer Reichweite von rund 800 Kilometern - einem ordentlichen Stück auf dem Weg nach San Francisco. Auch ein sechster Gang, den man in der Regel nie vermisst, könnte den Verbrauch nicht mehr deutlich senken.  

Mehr schön als praktisch

Galerie: Test VW Beetle Cabrio 1.6 TDIWie im Summer of Love sollte man übrigens auch heute auf übermäßig viel Kleidung verzichten. Der Kofferraum schluckt offen wie geschlossen 225 Liter und durch die enge Luke geht in der Tat mehr rein, als man auf den ersten Blick annehmen möchte, doch sollten die einzelnen Gepäckstücke nicht allzu groß sein, um sich im Vertikal-Tetris-Verfahren besser schichten zu lassen. Für das optionale Windschott gibt es im Kofferraum eine praktische Halterung, die die Lademöglichkeiten aber noch ein wenig mehr einschränkt.     

Banalitäten, über die sich in den 60ern sicher keiner Gedanken gemacht hätte. Und auch über den Preis musste man seinerzeit sicher nicht so sehr grübeln wie heute. Denn mittlerweile ist das Cabrio alles andere als ein Schnäppchen. Mindestens 21.350 Euro müssen heutige Blumenkinder zusammensparen, um offen fahren zu können. Und mit dem 1.6-TDI-Motor, Soundanlage, Navi und noch ein, zwei weiteren Annehmlichkeiten kratzt der Oben-ohne-Käfer schon fast an der 30.000-Euro-Marke. An die „Free everything“-Mentalität der 60er Jahre scheinen sich der Beetle beziehungsweise seine Erschaffer nicht mehr zu erinnern...

 
Fazit

Michael Gebhardt

1967 wurde die Hippiekultur in Monterey zu Grabe getragen, als Protest dagegen, dass die Menschen das Hippiesein nur noch imitierten, aber nicht mehr fühlten. Diese Kritik muss man gelten lassen; auch wenn das neue Beetle Cabrio den Summer of Love ein Stück weit zurückbringt, sind es heute doch Banker, BWL-Studentinnen und Charity-Leute, die sich gern mit dem offenen Käfer-Ahn zeigen.  

Trotzdem: Der Beetle macht immer noch gute Laune. Sein freches, unverwechselbares Design lässt über die ein oder andere Verarbeitungsschwäche hinwegsehen, der Wind in den Haaren lässt die Gedanken fliegen und wenn aus dem Radio Janis Joplin erklingt, ist San Francisco nicht mehr weit. Allerdings muss man sich das Gefühl von Freiheit heute ziemlich teuer erkaufen...
 
 

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