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Galerie: Test VW Up

Test: VW Up

Ganz unten

11.06.2012

So eine Autotester-Seele muss auch wegstecken können. Zum Beispiel neulich in einem Hamburger Parkhaus, als mein VW Up zwischen zwei SUVs eingekeilt zur Witzfigur degradiert wurde und bei der anschließenden Autobahntour das Linksspur-Mobbing der den Feierabend entgegenstrebenden Audi- und BMW-Fahrer groteske Formen annahm. In der Überhol-Hackordnung ist der Up nun mal ganz unten, in der KBA-Zulassungsstatistik dafür bereits kurz nach seiner Markteinführung ganz oben.

Galerie: Test VW UpEin wichtiger Faktor für diesen Erfolg ist das erfrischende Auftreten des 3,50-Meter-VWs. Die Grundform ist zwar Segment-typisch genormt, doch sorgen einige besondere Akzente für eine angenehm freundliche Aura. So wird der auf einen schmalen Schlitz reduzierte "Kühlergrill" von sympathisch dreinblickenden Scheinwerfern flankiert, während die nach hinten keck aufsteigende Schulterlinie ein wenig Schwung ins seitliche Blechkleid zaubert. Der gefälligen Erscheinung zuträglich sind außerdem die gläserne Heckklappe als auch das Unschuldsweiß, welches sogar die Felgen ziert.

Die Farbe Weiß findet sich auch großflächig im Innenraum wieder. Der Trick mit den in Wagenfarbe lackierten Flächen kaschiert die eigentlich einfache Materialwahl im Up, denn hier dominiert hartes Plastik statt feingenarbter Softoberflächen. Immerhin sorgt in der gefahrenen Top-Ausstattung viel Zierrat (Metall-, Klavierlack- und Leder-Akzente) für etwas Abwechslung und einen Hauch Premium-Flair. Das Gestühl ist sogar mit Kunstleder bezogen, welches selbst bei sommerlichen Temperaturen nur mäßigem Schweißfluss auf den Oberschenkelunterseiten provoziert.

Licht und Schatten

Galerie: Test VW UpDer aufgepeppte Innenraum ist aber vor allem eines: funktional und aufgeräumt. Es gibt viele Ablagen, die wenigen Fahrinformationen im Kombiinstrument sind perfekt ablesbar, das Stand-Alone-Navi ist praktisch auf dem Armaturenbrett fest montiert und mit dem Fahrzeug ohne störendes Kabel vernetzt. Zudem gönnt der Up mir ein paar Annehmlichkeiten wie Klimaanlage, Sitzheizung, Notbrems-Assistent, Parkpiepser und Tempomat.

Doch mindestens so lang ist die Liste der Graumsamkeiten: Es gibt vorne keine Mittelarmlehne, die Audio-Akustik ist selbst mit Sound-Plus-Paket kaum besser als die vom anschließbaren iPhone, und das Lenkrad ist nicht in Länge verstellbar, wobei die vorderen Sitze auf sehr langen Schienen ruhen und so hohes Anpassungspotenzial bieten. Weitere Auswüchse der Kostenoptimierung sind die fehlende Beifahrerfensterbedienung auf der Fahrerseite, Ausstellfenster im Fond, in die Lehnen integrierte und damit nicht höhenverstellbaren Kopfstützen, die fehlende Kofferraumbeleuchtung oder das viele nackte Blech im Innenraum. Derartige Sparorgien sind bei Kleinstwagen allerdings die Regel.

Unbedingt mit vier Türen

Galerie: Test VW UpImmerhin kommt im Innenraum des Up keine segmenttypische Beklemmungen auf: Großgewachsene finden in der ersten Reihe problemlos Platz, und sind die Vorderleute keine Riesen, gilt das sogar für die zweite Sitzreihe. Nimmt hinten niemand Platz, lässt sich alternativ die Rückbank umklappen – in der Basisversion nur komplett, sonst asymmetrisch geteilt – und so das respektable Kofferraumvolumen von 251 Litern um 700 weitere Liter ausbauen.

Selbst der Autoalltag für die Familie lässt sich angesichts von Platzangebot und Variabilität einigermaßen souverän bewältigen. Bei der zweitürigen Karosserie ist allerdings der Zugang zum Fond etwas beschwerlich, was beim Festschnallen von Kleinkindern im Kindersitz bisweilen recht lästig werden kann. Die Mehrinvestition (475 Euro) in die Viertürer-Version bedeutet für viele Alltagssituationen eine große Erleichterung.

Ausreichend flott, auf der Autobahn jedoch gemobbt

Galerie: Test VW UpFür den Vortrieb sorgte im Testwagen die starke Variante des Ein-Liter-Dreizylinders, die mit ihren immerhin 75 PS aber nur 95 Newtonmeter Drehmoment für nahezu alle Lebenslagen ausreichend flotten Vortrieb ermöglicht. Richtige Fahrfreuden lässt der Antrieb aber nicht aufkommen und auf der Autobahn das Durchzugsvermögen sogar zu wünschen übrig. 13,2 Sekunden dauert der Sprint, begleitet von einem kernigen Motorsound, der sich irgendwann auf dem langen Weg in Richtung Endgeschwindigkeit unter den allgemeinen Fahrgeräuschen verliert. Eigentlich qualifizieren die maximal 170 km/h den Up auch für den souveränen BAB-Einsatz, doch scheinen viele Hintermänner das Weiße in den Augen des Up-Fahrers sehen zu wollen, um dann nicht selten nach rüden Blendversuchen auch noch rechts zu überholen.

Technische Daten
 
Marke und Modell   VW Up, Dreitürer, White Up
Version / Ausstattung   1,0l (75 PS) 5-Gang
Motor    
Hubraum (ccm) / Bauart   999 / R3
Leistung (kW / PS)   55 / 75
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   95 / 3.000 - 4.300
Antriebsart   Frontantrieb
Getriebeart   Fünf-Gang-Schaltung
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   3.540 / 1.641 / 1.489
Radstand (mm)   2.420
Wendekreis (m)   9,8
Leergewicht (kg)   929
Kofferraum (Liter)   251 - 951
Bereifung Testwagen   185/60 R 16
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   4,7
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   108 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   7,6
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   13,2
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   171
Preise    
ab (Euro)   14.300,00
Empfohlene Extras   Drive Pack Plus (Parksensoren, Tempomat, Notbrems-Assistent) für 590 Euro
 
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Abgesehen von der mangelnden Elastizität ist der kleine Up aber ein durchaus respektabler Langstreckengleiter, liegt der kleine Wolfsburger dank des langen Radstands satt auf der Straße und vermittelt damit ein erwachsenes Fahrgefühl. Doch wer vornehmlich flott auf den Schnellwegen unterwegs sein will, wird dem Up auch einen erwachsenen Verbrauch abnötigen. Man kann mit einem bescheidenen Fünf-Liter-Wert unterwegs sein, "flotte" Autobahnfahrten werden jedoch mit Werten um acht Liter quittiert. Der kleine Motor mit dem an sich gut abgestuften Fünf-Gang-Getriebe kann nicht anders als sich dann im Drehzahlhoch einen kräftigeren Schluck aus dem Benzintank zu gönnen.

Wenig Auto fürs Geld

Galerie: Test VW UpIm Stadtverkehr bleiben die neurotischen Linksspur-Anfeindungen aus, kann man mit dem unten rum durchaus quirligen Up gut mitschwimmen und diesen auch reuelos flott ums Eck scheuchen: ESP sei Dank, fährt immer ein Schutzengel mit. Auch die vielen unterschiedlichen Pflasterungszustände pariert das Einstiegsmodell von VW fast wie ein Erwachsener, gehört der Spar-VW zu den komfortabelsten Minis überhaupt. Hoppeliges Kleinwagen-Feeling kommt da kaum auf. Großes Kino ist zudem bei der Parkplatzsuche angesagt, denn selbst in "Problemvierteln" wie der Münchener Au freue ich mich über die eingebaute Parkplatzgarantie.

Das positive Kleinwagen-Feeling vermisse ich leider bei der Preisgestaltung: In der besseren Ausstattung Pure White sind bereits 14.300 Euro angesagt, mit Leatherette-Packet, Drive-Paket, Sound-Plus und den unbedingt empfehlenswerten vier Türen ist man bei gut 16.000 Euro angekommen. Kurz nachdem ich den Test-Up wieder zurückgegeben habe, fahre ich den neuen Siebensitzer Dacia Lodgy mit kräftigem Dieselmotor und vielen Nettigkeiten ausgestattet für das gleiche Geld - in der Schnäppchen-Liga ist der Up also nicht angesiedelt.

 
Fazit

Mario Hommen

Wie viel Auto man braucht, muss letztlich jeder für sich entscheiden. Abgesehen vom beengten Fondzugang und dem schleppenden Durchzug habe ich den Up im Praxistest als absolut ausreichend erlebt. Selbst für eine Kleinfamilie bietet VWs Mini ausreichend Platz und Variabilität. Zudem macht der Autozwerg eine optisch gute Figur, und es sind einige Nettigkeiten optional bestellbar, wie zum Beispiel die unbedingt empfehlenswerten Fondtüren. Auf eine stärkere Motorvariante, muss man allerdings noch ein Weilchen warten.

Relativ betrachtet bekommt man mit dem Up allerdings nur mäßig viel Auto fürs Geld. Zumindest in der begehrenswerten aber auch gut 16.000 Euro teuren Top-Version ist man auf einem Preisniveau angelangt, welches bei anderen Herstellern schon für richtig erwachsene Modelle reicht.
 
 

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