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Galerie: Vergleichstest Alfa Mito Multiair vs. Seat Ibiza FR

Vergleichstest: Alfa Mito Multiair vs. Seat Ibiza FR

Schnellsparer auf Irrfahrt

08.01.2010

Es ist schon interessant, mit welchen Mitteln Autohersteller versuchen, den Spritverbrauch ihrer Modelle zu senken. Drei Ventil-Technik, Direkteinspritzung, variable Ventiltriebe, variable Hubvolumina, Hubraumreduzierung, Turbo, Bi-Turbo, Kompressor oder am besten alles zusammen. Alfa und Seat bieten seit kurzem Paradebeispiele für diesen Hightech-Trend. Aus jeweils 1,4 Liter Hubraum holen sie 135 respektive 150 PS und verweisen trotz der üppigen Leistung auf Verbrauchswerte, die vor Jahren noch leistungsschwachen Dieselmotoren zur Ehre gereicht haben.

Sagenhafte 5,6 Liter geben die Italiener für Ihre Motorenrevolution Multiair an. Multiair bezeichnet dabei eine komplett neue Generation von Ottomotoren im Fiat-Konzern. Alfa Romeo kommt als erster Hersteller in den Genuss der elektrohydraulischen Ventilsteuerung, die die Einlassnockenwelle überflüssig macht.

Nockenwelle minus eins

Galerie: Vergleichstest Alfa Mito Multiair vs. Seat Ibiza FR Der Vorteil: Ist eine Nockenwelle, wie bislang üblich, starr und unflexibel, öffnet sie die Ventile in jedem Motor-Lastzustand identisch weit. Die neue elektrohydraulische Steuerung kann hingegen den Öffnungshub dem tatsächlichen Luftverlangen des Motors anpassen. Aber damit nicht genug: Jeder Zylinder verfügt über eine eigene Steuereinheit und hebt sein Einlass-Ventil individuell an. Dadurch kann das Steuergerät bei jeder Fahr-Geschwindigkeit das tatsächlich benötigte Mengenverhältnis aus Luft und Kraftstoff berechnen, zuführen und damit die Verbrennung optimieren. Theoretisch und auf der Rolle senkt Multiair den Kraftstoffverbrauch und die Abgasemissionen um zehn Prozent bei gleichzeitiger Erhöhung der Motorleistung um den gleichen Prozentsatz.

Seat geht im direkten Vergleich einen traditionellen Weg, zumindest was die Nockenwellensteuerung anbelangt. Alles andere als herkömmlich ist jedoch die Art der Aufladung. Als allgemein gültig gilt: Ein optimales Antriebskonzept erreicht bei niedrigen Drehzahlen das maximale Drehmoment.

Kompressor plus Turbo

Galerie: Vergleichstest Alfa Mito Multiair vs. Seat Ibiza FR Bei kleinen Motoren ist dieses Verhalten nur mit einer Turbo- oder Kompressoraufladung zu schaffen. Im Mito werkelt ein Turbolader und sorgt für Kraft. Seat verwendet für den Ibiza FR gleich beide Luftspender in Kombination. Mit dieser Technologie begann VW Mitte 2006. Dabei sitzt ein mechanisch angetriebener Kompressor vor dem Turbolader und übernimmt ab Standgas die Kraftzufuhr mit 1,8 bar Ladedruck. Ab einer Kurbelwellendrehzahl von etwa 2.500 Umdrehungen gehen Kompressor und Turbolader Hand in Hand. Den Staffelstab gibt das mechanische Ladersystem bei etwa 3.500 Touren gänzlich an den Turbolader ab.

Grund dieser Aufteilung: Turbolader besitzen im unteren Drehzahlbereich ein unvermeidbares Kraftloch. Um also eine homogene Leistungsentfaltung zu erreichen, muss entweder mittels zusätzlichem kleinem Turbolader geholfen werden (Bi-Turbo) oder eben via mechanischem Lader (Kompressor), der vom Zahnriemen angetrieben wird. Ab 1.250 Umdrehungen stehen im FR 220 Newtonmeter Kraft an. Diese bleiben aufgrund des homogenen Übergangs zwischen Kompressor und Turbo bis zu 4.500 Umdrehungen konstant. Da kommt der einfach aufgeladene Mito-Motor nicht mit. Erst ab 2.000 Touren hält er sein Maximalmoment von etwas mehr als 200 Newtonmeter bereit.

Kein Gleichstand

Galerie: Vergleichstest Alfa Mito Multiair vs. Seat Ibiza FR Im Fahrbetrieb macht sich das folgendermaßen bemerkbar: Der Ibiza reißt bisweilen ab Leerlaufdrehzahl so energisch an der Vorderachse, dass die Pneus vergeblich nach Halt suchen und ein Ampelstart hin und wieder unfreiwillig mit einem etwas prolligem Kavalierstart endet. Anders der Mito. Er wirkt im untersten Drehzahlbereich lethargisch, das Gaspedal muss weit durchgedrückt werden und nach 135 PS fühlt er sich dann immer noch nicht an. Zumindest in der Normal-Stellung von DNA.

DNA ändert auf Fahrerwunsch die Kennlinie für Motor und Lenkung. Dabei steht D für Dynamik, N für Normal und A für All Weather und kann per Hebelstellung (vor dem Schaltknüppel) geändert werden. Der D-Modus erweist sich als einzig wahre Lösung, wenn man die Agilität von 135 PS erleben möchte. In D ist das Turboloch gefühlt kleiner und das Ansprechverhalten des Motors deutlich spitzer. An die Dynamik und die Gleichmäßigkeit der Leistungsabgabe des doppelt aufgeladenen Seat-Motors kommt der Alfa dennoch nicht ran. Leider setzt sich DNA nach jedem „Zündung-Aus“ in Normal-Modus zurück.

Galerie: Vergleichstest Alfa Mito Multiair vs. Seat Ibiza FR Gerundet acht Sekunden

Mit einer Sprintzeit von rund acht Sekunden gehören die beiden Kleinen zu den Schnellen auf der Straße. Beim Mito muss die Bestzeit jedoch dem widerspenstigen Fünf-Gang-Schaltgetriebe abgerungen werden, im Seat macht das serienmäßig und lässig ein Siebengang-DSG. DSG hilft jedoch nicht nur zur formidablen Sprintzeit von exakt 7,6 Sekunden, sondern zugleich für eine drehzahlsenkende Fahrweise und eine gehörgangschonende Geräuschkulisse. Da kann der Mito nicht mithalten. Ihm fehlt ein lang übersetzter sechster Gang, zudem nervt schon ab etwa 130 km/h ein latentes Motordröhnen.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Alfa Romeo 1.4 T Multiair   Seat Ibiza 1.4 K/T
Ausstattungsvariante   Turismo   FR (Viertürer)
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.063/1.720/1.453   4.034/1.693/1.428
Radstand (mm)   2.511   2.469
Wendekreis (m)   11   10,5
Leergewicht (kg)   ab 1.260   ab 1.250
Kofferraum (Liter)   270 - 950   284 - 930
Bereifung Testwagen   195/55 R16 Conti WinterContact TS830   215/40 R17 Bridgestone Blizzak LM22
Motor        
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   1.368/4, Reihe   1.390/4, Reihe
Leistung (PS)   99 (135)   110 (150)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   206/2.000   220 zwischen 1.250 - 4.500
Antriebsart   Front   Front
Getriebeart   5-Gang-Handschalter   7-Gang-DSG
Verbrauch        
Krafstoffart   Super   Super
Kombiniert laut Werk (l/100km)   5,6   6,3
CO2-Emissionen (g/km) laut Werk   129 / Euro 5   146 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   7,9   8,5
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   8,4   7,6
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   207   212
Preise        
ab (Euro)   18.800   22.090
         
Empfohlene Extras   Rücksitzbank asymmetrisch teilbar plus dritter Sitzplatz (220 Euro), Windhschutzscheibe unten beheizbar (150 Euro), Scheibenwaschdüse beheizbar (0 Euro), Blue&Me Bluetooth-Freisprecheinrichtung (300 Euro), Bose Soundsystem (550 Euro), Multifunktionslenkrad (150 Euro), Fußmatten (40 Euro), Parksensoren hinten (310 Euro), Tempomat (180 Euro)   Lenkrad-Fernbedienung für Radio plus USB-Schnittstelle und Bluetooth-Freisprecheinrichtung (385 Euro), Tempomat (180 Euro), Scheinwerferreinigungsanlage und beheizbare Schebenwaschdüsen (180 Euro), Technik-Paket mit Parksensoren hinten, automatisch abblendbarem Innenspiegel und Regensensor (180 Euro), Vorhandairbags vorne und hinten (220 Euro)
 
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Galerie: Vergleichstest Alfa Mito Multiair vs. Seat Ibiza FR Dafür nervt aber das Fahrwerk des Italieners weit weniger als das des Spaniers. Zwar ist schon der Mito straff, zappelig und vibriert bereits auf ebener Straße, jedoch ist die Auslegung des FR zu hart. Für das Top-Sportmodell Cupra ist diese Abstimmung passend, für den FR zu viel des Guten. Zudem untersteuert der FR stark, um bei Lastwechseln dennoch zickig mit dem Heck auszuscheren. Etwas weniger untersteuernd durcheilt der Mito enge Kurven. Aber auch sein Heck wird früh leicht und ESP ist hier wie dort oft im Einsatz und bei beiden – wohl aus beschriebenem Grund – nicht deaktivierbar.

Günstiger Verbrauch?

Ach ja, fast vergessen: Um den sensationell günstigen Spritverbrauch aufgrund der Hightech-Aggregate ging es eingangs. Nun gut, das relativiert sich in Natura wie erwartet. Mit einem Mito-Durchschnittsverbrauch von 7,9 Litern sollte man bei normal-zügiger Fahrweise (Autobahn zwischen 140 und 160 km/h) rechnen, der Ibiza schluckt auf 100 Kilometer gut einen halben Liter mehr. Und das trotz des schnell in den höchstmöglichen Gang schaltenden DSGs (ab 50 km/h passt der siebte Gang). Beides keine Ruhmwerte für unter 1,3 Tonnen leichte Kleinwagen. Mit ein bisschen Anstrengung ist eine Sechs vor dem Komma erreichbar. Allerdings kaum mit Winterreifen und bei Außen-Temperaturen von deutlich unter 0 Grad Celsius.

Einmal schick, einmal besser

Galerie: Vergleichstest Alfa Mito Multiair vs. Seat Ibiza FR Im Innenraum geht es bei beiden Modellen ähnlich eng zu. Dennoch können hier wie dort vier Erwachsene auch über längere Strecken recht bequem untergebracht werden. Den luftigeren Eindruck macht der Seat, was vornehmlich an den zwei zusätzlichen Türen (900 Euro) liegt. Der Mito kommt immer als Zweitürer. Das ist der Übersichtlichkeit nicht zuträglich, eine Einparkhilfe ist daher Pflicht. Beim Kofferrauminhalt geben sich beide Modelle nichts. Keine 300 Liter passen rein, wenn man die Rückbank umlegt sind‘s rund 950. Beim Italiener muss das Gepäck über hohe Ladekante in den sehr tiefen Kofferraum gewuchtet werden. Tribut an die Crashsicherheit, bei der der Mito nach EuroNCAP-Maßstäben mit fünf Sternen als sicherster Wagen seiner Klasse abgeschnitten hat. Dicht gefolgt vom Ibiza, der ebenfalls fünf Sterne erhielt, aber weniger Gesamtpunkte.

Galerie: Vergleichstest Alfa Mito Multiair vs. Seat Ibiza FR Der Innenraum des Seat versprüht technoiden Charme, der des Mito ist verspielter. Gut arrangieren kann man sich mit beiden. Vorteile bietet die Sitze des FR. Sie sind stark ausgeformt, komfortabel und besitzen in Kombination mit dem Lenkrad einen weiten Verstellbereich. Im Mito stört bei aufrechter Sitzposition vor allem die stets am Kopf anliegende Kopfstütze.

Von der Bedienung macht dem Seat kaum einer was vor. Einzige Wehrmutstropfen: Das Radio hat keine Stationsspeicher-Tasten und es fehlt eine Motortemperaturanzeige. Das kann der Mito besser, hier gibt es beim Radio sechs feste Sendertasten und eine analoge Anzeige für die Wassertemperatur. Ab etwa 80 Grad wird auch das Motor-Stopp-Start-System aktiviert, das funktioniert bis etwa minus drei Grad Außentemperatur. Ein Unding: Die Tankdeckel von Mito und Ibiza müssen mit dem Zündschlüssel manuell auf- und abgeschlossen werden, die 80er Jahre lassen grüßen.

Preis

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Gar nicht 80er-mäßig muten die Grundpreise der beiden Kleinwagen an. 18.800 Euro verlangen die Italiener für den Alfa Romeo Mito 1.4 Multiair in der Ausstattungslinie Turismo. Ein ebenfalls zweitüriger Seat Ibiza FR beginnt bei gut 21.000 Euro, dann allerdings schon mit Siebengang-DSG und guter Ausstattung. Mit sinnvollen Extras landet man beim Ibiza bei knapp 23.000 Euro, für den Mito werden gut 22.000 Euro fällig – ohne Schaltautomat.

Fazit

Somit bleibt die Entscheidung vor allem eine Frage des persönlichen Geschmacks. Wer den auffälligen Ibiza FR wählt, muss sich mit einem harten Fahrwerk arrangieren. Der Motor des FR ist für einen Kleinwagen extrem stark, das hohe Drehmoment kann der Frontantrieb – vor allem bei Nässe und Kälte – nur bedingt in schnellen Vortrieb umwandeln. Enttäuschend ist der Verbrauch von 8,5 Liter. Zwar wird der Wert im Sommer noch um rund einen halben Liter sinken, aber selbst dann darf man, gerade in Kombination mit dem Siebengang-DSG bessere Spritsparfähigkeiten erwarten. Die Verarbeitung ist top, das Platzangebot für ein Vier-Meter-Auto ordentlich.

Der Mito ist der Schönling des Vergleichs. Nicht so aufdringlich, weniger machomäßig. Passenderweise besitzt er das komfortablere Fahrwerk, wenngleich auch dieses nicht uneingeschränkt empfehlenswert ist. Der Motor ist vor allem im D-Modus stark und dennoch vergleichsweise sparsam. An den Normverbrauch von sagenhaften 5,6 Litern kommt man im Alltag freilich nicht ran. Nervig ist das Motordröhnen ab Tempo 130, hier fehlt dem mäßig schaltbaren Getriebe ein sechster Gang, das würde auch den Verbrauch weiter senken. Denn wirklich sparsam sind beide, anders als verlautet, eben nicht.

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