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Galerie: Vergleichstest Audi S4 vs. Infiniti G37 vs. Opel Insignia OPC

Vergleichstest: Audi S4 vs. Infiniti G37 vs. Opel Insignia OPC

Kompressor, Turbo oder Sauger?

07.05.2010

Philosophie ist ein weites Feld, dort ein Richtig oder Falsch zu finden, wird schwierig. Auto-Philosophen streiten gerne über das perfekte Aggregat: Saugmotor, Kompressor- oder Turbo-Aufladung. Welches Konstrukt bietet das Meiste und macht am Ende das Rennen. Auf dem Papier sehen Audi S4, Infiniti G37 und Opel Insignia OPC ähnlich aus. Wir haben den Unterschied zwischen Papier und Wirklichkeit erfahren.

Schon optisch unterscheiden sich die drei Kontrahenten deutlich. Der Infiniti spielt in diesem Trio den zurückhaltenden Gentleman. Nur wenige Menschen nehmen den unbekannten Japaner auf der Straße überhaupt wahr. Die Masse der Autos verschluckt die knapp 4,80-Meter-Limousine.

Von unauffällig bis aggressiv

Audi S4 vs. Infiniti G37 vs. Opel Insignia OPCDer Audi S4 ist ein unauffälliger Sportler. Ein bisschen Maskerade in Form von sportlich gezeichneten Schürzen, vier Endrohren und silberfarbenen Außenspiegeln, das war’s. Anders der Opel Insignia. Die Sport-Abteilung OPC (Opel Performance Center) hat ihm optische Aggressivität verpasst. Dass er ein Sportmodell ist, trägt er unverhohlen zur Schau.

Im Interieur geht es ebenso unterschiedlich zu. Der Japaner verwöhnt mit breiten Sesseln, die für sportliches Fahren zu wenig Seitenhalt bieten. Immerhin könnte man den „S“ ordern, der bietet neben einem Sportfahrwerk auch Sportsitze und als Besonderheiten eine Visko-Differenzial-Sperre und Allradlenkung. Zu unserem Test trat das komfortablere GT-Modell an. So oder so wirkt das Cockpit aufgrund der flach verlaufenden Windschutzscheibe eng. Platzmangel gibt es objektiv dennoch nicht wirklich. Das Verarbeitungsniveau orientiert sich am guten Opel-Standard, kommt an die Qualität des Audi also nicht heran.

Infiniti G37Der Opel wartet serienmäßig mit exzellenten Recaro-Sportsitzen auf, diese sind sowohl im Langstrecken-Komfort als auch für die Dynamik-Fahrt perfekt. Die aufpreispflichtigen Audi-S-Sitze des Testwagens braucht’s nicht, denn schon die serienmäßigen Sportsitze sind gut. Von der Bedienung her sind alle drei problemlos, wobei im Infiniti die links unten neben dem Lenkrad befindlichen Schalter ungeschickt platziert wurden. Beim Opel dauert es eine Zeit, bis man sich mit der Bedienlogik und den umfangreich verstreuten Tasten arrangiert hat.

Einfuchsen erwünscht

Opel Insignia OPCEinfuchsen muss man sich bei keinem der Wagen, wenn’s ums Fahren geht. Denn eins vorweg: Tückisch, hinterhältig oder unberechenbar verhält sich keiner der Aspiranten. Den Audi gibt es optional mit Sportdifferenzial, Aktivlenkung und Drive-Select inklusive adaptivem Fahrwerk. Netterweise hatten wir ein Modell ohne Schnickschnack. Und die Basis reicht. Denn schon so bewegt sich der rund 1,7 Tonnen schwere Ingolstädter auf einem Niveau, das sich den anderen nie erschließt. Die Lenkung arbeitet perfekt, das Ansprechverhalten der Federelemente ist über jeden Zweifel erhaben und die Bremsen packen vehement zu. Das leichte Schieben über die Vorderachse könnte man mit den genannten Extras eliminieren – es stört aber nicht.

Ähnlich dynamisch wirkt der Vorderachs-poltrige Opel, jedoch sind ihm seine Kilos im Weg, immerhin rund 100 mehr als bei den Mitstreitern. Das adaptive Fahrwerk ist serienmäßig, den Sport-Modus nutzt man aufgrund der brutalen Härte jedoch nie. Anders der Allradantrieb, der ist ein Gedicht und lässt den Opel ungemein neutral, schnell und sicher Kurven durcheilen.

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Sehr schnell ist der G37 in Kurven nicht, dafür aber vergleichsweise komfortabel. Er federt zwar noch immer straff, aber doch deutlich kommoder als Audi und Opel. Für die Langstrecke wäre er der perfekte Begleiter, wenn sein Geradeauslauf akkurater wäre. Ständige Lenkkorrekturen und bei schneller Kurvenfahrt eine etwas unpräzise Linie stören. Zudem merkt man im Alltag, dass 320 PS an der Hinterachse eher viel sind, denn nicht allein bei Nässe gibt es Haftprobleme zwischen Gummi und Asphalt. Die im „S“-Modell erhältliche Sperre vermisst man schmerzlich.

Audi deutlich schneller

Damit haben Audi und Opel keine Probleme, denn deren Allradsysteme übertragen die PS verlustfrei – allerdings können beim S4 Verspannungen im Differenzial nerven. Ein imposantes Denkmal setzt der S4 bei den Fahrmessungen. In 4,8 Sekunden hüpft aus dem Stand auf Tempo 100, sechs Sekunden später stehen 160 km/h auf der Uhr. Das liegt auf BMW M3-Niveau. Daher ist auch davon auszugehen, dass sich zu den serienmäßig 333 PS ein paar Zusatz-Pferde in den S4-Stall verirrt haben.

Opel Insignia OPCDenn nominell trennen S4, OPC und G37 lediglich 13 PS. Gefühlt liegen jedoch Welten dazwischen. Der Japaner erledigt die Übungen in 6,1 respektive 13,1 Sekunden, der OPC in 6,3 und 14,4 Sekunden. Bei der Endgeschwindigkeit liegt wiederum der Rüsselsheimer deutlich vorn. Offiziell werden zwar alle bei 250 km/h gedrosselt, inoffiziell wird der Opel 265 km/h schnell, Infiniti und Audi halten sich (fast) an die Selbstbeschränkung.

Kompressor, Turbo oder Sauger?

Zur unterschiedlichen Leistungsausbeute gesellt sich auch eine sehr differenzierte Art der Leistungsabgabe. Hier lügt Audi nach den versprochenen 333 PS erneut. Denn ein V6T, wie außen angekündigt, steckt innen nicht drin. Vielmehr verbirgt sich dort ein Roots-Kompressor zwischen den Zylinderbänken des V6. 3,0 Liter Hubraum und 0,8 bar Ladedruck machen 440 Newtonmeter Drehmoment und markieren die Spitze im Trio. Galerie: Vergleichstest Audi S4 vs. Infiniti G37 vs. Opel Insignia OPC

Den Turbo gibt’s im Opel. Die Hessen nutzen den bekannten 2.8 V6 aus Insignia, Saab 9-3 und 9-5 und optimieren die Leistungsausbeute. Interessanterweise wird die Drehmomentcharakteristik der eines Saugmotors nachempfunden, soll heißen: Das maximale Drehmoment von 435 Newtonmeter liegt erst bei 5.250 Touren an und fällt direkt auf die Nennleistung von 325 PS. Eine ähnliche Leistungsentwicklung gibt der Infiniti ab, bei dem ein klassischer 3,7-Liter-V6-Saugmotor im Bug werkelt. Er dreht frei hoch und stellt ebenfalls bei 5.200 Touren das Maximalmoment von (nur) 360 Newtonmeter zur Verfügung; bei 7.000 Touren leistet er 320 PS.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Audi S4   Infiniti G37
Ausstattungsvariante       GT Premium
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.717/1.826/1.406   4.775/1.770/1.450
Radstand (mm)   2.811   2.850
Wendekreis (m)   11,5   10,8
Leergewicht (kg)   ab 1.650   ab 1.709
Kofferraum (Liter)   480   450
Bereifung Testwagen   245/40 R18 Bridgestone Potenza RE050A   VA: 225/50 R18; HA: 245/45 R18 Bridgestone Potenza RE050A
Motor        
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   2.995 / 6, V Kompressor   3.696 / 6, V Sauger
Leistung (PS)   245 (333)   235 (320)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   440 zwischen 2.900 - 5.300   360 zwischen 5.200
Antriebsart   Allrad   Heck
Getriebeart   6-Gang-Handschalter   7-Gang-Automatik
Verbrauch        
Krafstoffart   Super   Super
Kombiniert laut Werk (l/100km)   9,7   10,5
CO2-Emissionen (g/km) laut Werk   225 / Euro 5   246 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   13,9   13,3
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   5,1   5,9
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   4,8   6,1
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   33,6   35,2
AS24-Höchstgeschwindigkeit (km/h)   254   251
Preise        
ab (Euro)   51.400   48.110
 
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Noch imposanter ist die Art, wie sich die drei in Bewegung setzen. Der Audi beißt ab Leerlaufdrehzahl gnadenlos zu und dreht nahezu vibrationsfrei hoch. Der Opel müht sich im direkten Vergleich. Vor allem auf der Autobahn muss auch jenseits von Tempo 150 oft das exakt schaltbare Getriebe bemüht werden. Ab 6.000 Touren wirkt er dann wie zugeschnürt. Der Infiniti will ebenfalls gedreht werden, wenn es vorwärts gehen soll. Zudem ist er deutlich lauter als der zumindest innen flüsterleise S4 und der turbogedämpfte aber doch klangpräsente Opel-V6.

Einen saufen gehen

In Sachen Verbrauch gewinnt keiner einen Preis. Der S4 genehmigte sich im durchweg flott gefahrenen Testbetrieb 13,9 Liter. Der Opel 0,6 Liter mehr, zudem verlangt er Super Plus. Und der Infiniti? Er ist mit 13,4 Liter erstaunlicherweise der zurückhaltenste Säufer des Trios. Das bestätigt mal wieder die Erfahrung, dass aufgeladene Motoren bei Leistungseinsatz zum Saufen neigen.

Audi S4Womit wir beim Thema Kosten angekommen sind. Traditionell sind die Japaner in diesem Kapitel recht gut aufgestellt. So auch der Infiniti G37 GT Premium Automatik. Er kostet gut 48.000 Euro und man vermisst nichts. Die sportlichere Variante S Premium mit gleicher Ausstattung plus Allradlenkung, Visko-Sperre und Sportzutaten kostet 50.550 Euro, eine Allradversion gibt es ebenfalls. Die Basisversion mit Heckantrieb und Sechs-Gang-Schaltgetriebe gibt es für schmale 40.200 Euro. Von dem Preis können Audi S4-Käufer nur träumen. 51.400 Euro müssen für den schnellen Ingolstädter hingeblättert werden. 2.450 Euro Aufpreis kostet das Doppelkupplungs-Getriebe S-tronic. Der Opel beginnt bei 45.000 Euro, die Ausstattung ist bereits umfangreich. Eine Automatik gibt es nicht.

Fazit

Keine Frage, der Audi macht in diesem Vergleich das Rennen. In den für dieses Segment wohl wichtigsten Kategorien Antrieb und Fahrdynamik deklassiert er Opel und Infiniti gleichermaßen. Der Motor ist eine Waffe, die Laufruhe für einen V6 einzigartig, die Trinksitten sind gemessen am Vortrieb akzeptabel. Zudem ist der Fahrspaß für eine Limousine gigantisch. Die Verspannungen beim Rangieren passen nicht zum Audi-Anspruch, gehören bei künftigen Allradlern aber der Vergangenheit an.

Opel Insignia OPCDer Opel enttäuscht motorseitig. Erstens ist der 2,8-Liter-Turbo ein Säufer, zweitens ist er (auch aufgrund des hohen Gewichts) kaum schneller als ein 250-PS-Diesel in dieser Klasse, und drittens kann nicht einmal die Kraftentfaltung überzeugen, denn einen Drehmomentverlauf wie bei einem Saugmotor sucht man bei einem Turbo bestimmt nicht. Milde stimmen einen die astreinen Sitze, das gute Platzangebot, der vergleichsweise niedrige Preis und die saubere Abstimmung des Fahrwerks, das allerdings zum Poltern neigt. Der Allradantrieb ist eine feine Sache.

Infiniti G37Der Infiniti ist ein Geheim-Tipp. Er fährt sich wie eine klassische Hecktrieb-Limousine mit traditionellem Hubraum-Motor. Der könnte jedoch etwas leiser sein und vor allem von unten raus mehr Druck bieten. Ihm fehlt im direkten Vergleich dann doch die Aufladung oder noch mehr Hubraum. Ansonsten bietet auch der G37 viel Auto fürs Geld. Was jedoch den zu erwartenden Wiederverkauf und die Händlerversorgung (bislang nur zwei in Deutschland) anbelangt, ist das Angebot (noch) fragwürdig, denn wirklich herausragend ist der Japaner in keinem Kapitel, auch wenn er in diesem Vergleich der Genügsamste ist.

 
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Pariser Autosalon 2014

Wir werfen einen Blick auf die Neuheiten vom Auto Salon in Paris.

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