Dem Traumwagen ein Stück näher. Worauf Sie beim Youngtimer achten müssen.
218, 250 oder lieber gleich 280 PS? Die Antwort scheint so leicht, wenn es nur um simple Leistung geht. Doch die drei prominentesten Vertreter der Einstiegs-Sportler sind so unterschiedlich wie ihre Namen. Wir haben Audi TT 3.2 DSG quattro, Chrysler Crossfire und Nissan 350Z einem Eignungstest unterzogen: Auf den endlosen Kurven des Timmelsjochs, hoch auf 2.500 Meter zwischen Österreich und Italien. Denn Kurven lieben alle Drei.
Die Grundzutaten eines Sportwagens sind schnell aufgezählt: Lange Haube, darunter ein starker Motor, kleines Passagierabteil für Zwei und ein knackiges Heck unter dem sich große und bei Bedarf qualmende Reifen befinden.
Annäherung
Und schon tanzt der Erste aus der Reihe, denn der Audi TT ist
von der Frontantriebsplattform des Golf IV abgeleitet. Daher sitzt unter seiner kurzen Haube auch ein
Quermotor, jedoch wie bei der Konkurrenz ein potenter V6. Um seine 250 PS sicher auf die Straße bringen
zu können, erhält der Top-TT namens 3.2 DSG quattro auch gleichnamigen Allradantrieb, der bei Bedarf
über eine Haldexkupplung die Hinterräder zuschaltet.
Puristischer geben sich seine beiden Kombattanten: Sowohl Chrysler Crossfire als auch Nissan 350Z frönen dem Frontmotor/Heckantriebs-Konzept. Dabei markieren sie auch das untere und obere Ende der Leistungsskala unseres Vergleichs: Der 3.2 Liter des Crossfire produziert vergleichsweise bescheidene 218 PS, der Z dagegen saftige 280 PS aus 3,5 Litern Hubraum.
Bumms
Eine andere Reihenfolge ergibt sich aus den Basispreisen: Der
mit Abstand teuerste Teilnehmer ist mit 44.800 Euro der Audi, gefolgt vom Chrysler (37.200 Euro) und
Nissan (Grundpreis 34.900 Euro). Den meisten Bumms fürs Geld (gemessen in PS pro 1.000 Euro) bietet
der Nissan mit 8,0 PS gegenüber 5,9 PS des Chrysler und 5,6 PS beim Audi.
Allerdings fährt der Audi die technisch anspruchsvollste Lösung auf: Sein quattro-Antrieb wird durch das überzeugende Doppelkupplungsgetriebe DSG ergänzt, welches sowohl sanftesten Automatikmodus, als auch schnellste und verlustfreie Schaltwechsel ermöglicht. Damit hat er antriebsseitig das beste Alltagspotenzial, denn er verbindet bei Bedarf komfortables Citycruisen mit sicherem Winterurlaub.
Auftritt
Der Audi TT gilt nicht nur in Ingolstadt als Design-Ikone. Er bleibt auch im direkten Vergleich mit der Konkurrenz der eigenwillige Ästhetiker, dessen gelungene Form sich im Innenraum überzeugend fortsetzt. Als gediegen-sportlich lässt sich der hochwertige und schnörkellose Innenraum mit massiven Aluapplikationen (allein die runden Lüftungsdüsen begeistern jeden Tag) beschreiben. Die Ergonomie ist perfekt und hinter den Sportsitzen finden sich noch zwei umlegbare Notsitze für den bereits oft zitierten mittelgroßen Hund.
Stärke
Ganz anders der Chrysler: Sein Auftritt ist stark und im besten
Sinne amerikanisch: So viel Streamliner-Design lässt einen an die seligen 50er denken, die sehr hohe
Gürtellinie nur noch ein Minimum an Seitenfenstern zu. Im Innenraum kann er nur schwer verbergen, dass
seine Konstruktion auf dem ersten Mercedes SLK beruht. Die Armaturen wurden nur oberflächlich angepasst.
Doch gerade in dieser etwas lieblosen Gestaltung offenbart sich sein American-Spirit. Denn beim allabendlichen
Cruisen interessiert sich keiner für das Lenkrad, sondern für den Auftritt.
Der Nissan ist der Einzige im Bunde, der eine Geschichte hat. Und die verpflichtet, denn die Z-Modelle, vom 240Z über den 260Z bis zum 300Z, galten dem Fan seit den 70ern als reinrassige Sportwagen den weichgespülten 280Z einmal ausgenommen. Dementsprechend forsch ist auch seine Formgebung: Tiefgezogene Schürzen rundum verleihen ihm eine Saugnapfoptik, als wollte er die Straße geradezu aufsaugen. Wie der Chrysler ist er als reiner 2-Sitzer konzipiert, der knappe Kofferraum wird durch eine dominante Domstrebe zerstückelt, die sagt "Nutzwert? Du hast es mit einem Sportwagen zu tun!". Der Innenraum präsentiert sich ohne viel Schnickschnack, aber auch ohne viel Liebe zum Detail. Die aufgesetzten Rundinstrumente dagegen versöhnen wieder, denn die hatte der Ur-Z auch.
PS
Um den wahren Charakter dieser 748 PS leistenden Sportwagen
zu erfahren, sollte man sie auf die richtige Piste lassen. Wir zirkelten also die drei Boliden über
die Garmischer Autobahn und den Fernpass in Richtung österreichisches Ötztal und über das Timmelsjoch
wieder hinab gen Meran auf der italienischen Seite.
Auf der Autobahn trennte sich allsgleich der Allrounder von den Spezialisten. Der komfortable Audi bietet mit dem sanft säuselnden V6 und DSG im Automatikmodus den besten Langstreckenkomfort bei hohen Durchschnittstempi.
Der Chrysler-Fahrer dagegen schaltet zwar auch behände in den
sechsten Gang - jedoch nur, um bei gemütlichen 180 gen Alpen zu gleiten: Seine straffe Dämpfung leitet
Unebenheiten ungefiltert an die Passagiere weiter. Am schlechtesten jedoch hat es der Nissan-Pilot erwischt,
denn er möchte nach den ersten ultrakurzen Schaltvorgängen, begleitet vom hemmungslosen Auspuffsound,
am liebsten gleich wieder auf die Landstraße abbiegen. Dennoch bietet der Nipponsportler noch fühlbaren
Restkomfort, so dass auch längere Autobahnetappen nicht zur Qual werden.
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei allen Dreien bei 250 km/h. In diesen Sphären bietet der Nissan den besten Kontakt zur Straße und vermittelt eine Sicherheit, die der Audi nur durch seinen Komfort parieren kann. Der Crossfire kann zwar auch schnell, doch ist das seine Sache nicht. Das unausgewogene Fahrwerk in Verbindung mit dem 35er Querschnitt seiner Reifen lässt ihn jeder Querrille willigst nachlaufen.
Kurven
Auf der gewundenen Passstraße hinauf zum Timmelsjoch auf gut
2.500 Meter Höhe bietet sich wiederum ein anderes Bild. Schnell gruppieren sich die Tester um den Z
und den Crossfire doch aus ganz unterschiedlichen Gründen. Der TT ist hier in den Bergen dank seines
permanenten Allradantriebs - eigentlich zu Hause. Doch seine sture Neutralität in Verbindung mit der
überragenden Traktion beraubt ihn schließlich des puren Fahrspaßes wenn man beherzte Drifts dazuzählen
möchte. Seine potenten 250 PS weiß er gekonnt und souverän in Vortrieb umzuwandeln, dem Effizienz-Fanatiker
ist er der liebste Begleiter hier. Denn geht es darum, auf der Ideallinie die zahllosen Haarnadelkurven
zu umrunden, ist der TT der perfekte Partner. Lastwechsel weiß der versierte Fahrer zu vermeiden, indem
er am Kurveneingang die korrekte Geschwindigkeit und den passenden Gang anliegen hat. Danach geht es
neutral in die Kurve hinein und ohne Gripverlust unter maximaler Beschleunigung wieder hinaus.
Sexy
Doch Perfektion kann auch unsexy sein, wie es der Amerikaner
im Bunde zeigt. Der Crossfire schlägt dabei Kapital aus seinem etwas krude abgestimmten Fahrwerk: Seine
deutlichen Lastwechselreaktionen in Verbindung mit dem überdämpften Fahrwerk fordern den Kenner nur
dazu heraus, eben jene Lastwechsel zu provozieren, die dem TT-Piloten ein Graus sind: Untermalt vom
heiseren Auspuff-Sound glitscht dem Chrysler lustvoll die Hinterachstraktion weg, während der Pilot
beherzt gegenlenkt und sich klammheimlich freut, dass das ESP sehr großzügig regelt.
Peitsche
Der Z dagegen will gepeitscht werden. Sein bärenstarker Motor
wird durch das gekonnt sportlich abgestimmte Fahrwerk komplettiert. Sein selbst sperrendes Hinterachsdifferienzial
weiß die Power an beide Hinterräder auch in engsten Kurven souverän zu verteilen. Dabei bauen die 235er
Schlappen vor allem warm gefahren erstaunlich viel Grip auf. Doch der haltslose Reiter sei gewarnt:
Der Grenzbereich des Nissan ist der schmalste im Vergleich. Reißt bei ihm die Traktion ab, ist man bereits
so schnell in der Kurve, dass man besser Übung darin haben sollte einen drohenden Dreher abzufangen.
Kontakt
Die Lenkung des Nissan 350Z ist sehr direkt und befähigt den
Fahrer, seinen Untersatz millimetergenau um die Ecken zu werfen. Der Crossfire gibt sich dagegen eher
unverbindlich, denn das große Lenkrad in Verbindung mit der indirekten Auslegung verhindert einen optimalen
Kontakt zur Straße. Dennoch ist er erfreulich wenig untersteuernd ausgelegt. Gerade wenn man einen Lastwechsel
in der Kurve provoziert also den Fuß vom Gas nimmt leitet sich ein sanftes Übersteuern ein.
Audis TT ist der ruhende Pol zwischen diesen Beiden. Seine Lenkung ist auch angenehm direkt, jedoch ohne die Präzision des 350Z zu erreichen. Betont leichtgängig ausgelegt, vermittelt sie dem Puristen etwas zu wenig Rückmeldung alle anderen werden sich nicht beklagen.
Orgien
Beschleunigungsorgien lassen sich mit allen Dreien machen. Im
Vergleich lässt sich der Crossfire als schwächster im Feld noch am meisten Zeit, doch unterbietet auch
er, dank 1.450 Kilo Leergewicht, die 7-Sekunden Marke - wenn auch nur knapp. Etwas flotter geht der
TT zur Sache, der bei knapp 1.600 Kilo Startgewicht noch 6,6 Sekunden für den Standardsprint von Null
auf Tempo 100 realisiert.
Das Schwergewicht aus Japan (gut 1.800 Kilo) dagegen kann mit seiner schieren Kraft sogar die 6-Sekunden Marke unterbieten. Während der TT dank DSG - den sanften Schub favorisiert, lädt der Z zu beherzten Gangwechseln mit seinem superkurzen Knüppel ein. Den Chrysler dagegen plagt sein unpräzises Schaltwerk, das jedoch mit kurzen Schaltwegen zu versöhnen weiß.
Fazit
Am Ende gibt es drei Sieger. Der Audi TT ist der alltagstaugliche Sportler für den Technik-Freak und mal eben zwischendurch, während der Crossfire durch seinen ungehobelten Protz den Extrovertierten überzeugen kann. Nissans 350Z dagegen gefällt durch seine überzeugend ausgewogene Sportlichkeit, die allein durch das hohe Gewicht ein wenig an Stringenz vermissen lässt.
Mein Favorit: Chrysler Crossfire.
Der Chrysler
ist einfach geil. Amerikanisch bis ins Mark, vermittelt er ungehobelten Fahrspaß. Man fühlt sich an
James Dean erinnert und an unsere wilden Jahre. Perfekte Autos gibt es doch schon genug.
Sascha
Brauer
Mein Favorit: Audi TT 3.2 DSG quattro.
Sicher
und schnell, das ist der Audi TT. Im Winter auf die Piste und gerne auch mal von München nach Berlin
ist der TT der perfekte Gentleman für Stunden zu zweit. Nicht zu vergessen seine 8-fache Sitzheizung.
Jillian
Fiedler
Mein Favorit: Nissan 350Z.
Das perfekte Package
ist der Z. Brachiale Motorkraft, glaubhaft sportliches Fahrwerk und martialischer Look sind für knapp
35.000 Euro ein echtes Wort unter Männern.
Alex Diegelmann
Dem Traumwagen ein Stück näher. Worauf Sie beim Youngtimer achten müssen.
Schöne Autos, Motorsport und was sonst noch dazu gehört.
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