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Galerie: Vergleichstest BMW 116d vs. Volvo V40 D2

Vergleichstest: BMW 116d vs. Volvo V40 D2

Weißwurst oder Knäckebrot

17.07.2012

Gleich drei neue Premiumkompakte feierten auf dem Genfer Auto Salon im Frühjahr 2012 ihre Premiere und haben damit das Angebot im Segment verdoppelt. Teilten früher Audi A3 und 1er BMW den Kuchen unter sich auf, buhlen nun auch die neue Mercedes-Benz A-Klasse und der Volvo V40 um die Gunst der zahlungswilligen Kundschaft. Wir haben den neuen Schweden gegen den Altmeister aus München antreten lassen.

Nur wenige Zentimeter ist der 4,37 Meter lange Volvo in alle drei Dimensionen größer als der 1er BMW und doch wirkt der V40 größer,  wuchtiger und trotzdem dynamischer als der Münchner Kompakte, bei dem in zweiter Generation die Proportionen immer noch nicht so recht stimmen wollen. Doch geht das Design beim Volvo zu Lasten des Platzangebots: Der Schwede ist nicht geräumiger als der BMW und beim Kofferraumvolumen hat der 1er mit besser beladbaren 350 Litern sogar die Schnauze vor dem 335 Liter fassenden Gepäckabteil des V40. Bei umgeklappter Rückbank bietet der V40 dagegen mit 1.408 Liter für fast 100 Liter mehr Platz.

Gute Qualität

Galerie: Vergleichstest BMW 116d vs. Volvo V40 D2Bei der Innenraumgestaltung setzt Volvo im neuen V40 auf die schwebende Mittelkonsole; den schwer zugänglichen Ablageplatz dahinter dürfte aber kaum jemand nutzen. Da sind die Fächer zwischen Mittelkonsole und Schalthebel im BMW besser geeignet um Kleinkram aufzunehmen. Dafür ist der Gangwähler im Volvo beleuchtet und die optional nur noch als Display ausgeführten Instrumente können individuell angepasst werden; im Einser gibt es klassische Rundinstrumente.

Galerie: Vergleichstest BMW 116d vs. Volvo V40 D2Qualitativ liegen die beiden Kompakten auf hohem Niveau, der Volvo ist aber noch präziser verarbeitet und glänzt mit den edleren Materialen. Die Bedienung ist gleichermaßen simpel und beide verfügen über einen großen Bildschirm für Radio, Navigation und weitere Funktionen; allerdings ist das iDrive-System von BMW mit Drehschalter auf dem Mitteltunnel kaum zu schlagen.

Gleich stark, nicht gleich schnell

Galerie: Vergleichstest BMW 116d vs. Volvo V40 D2Zum Vergleich traten die beiden rund 1,4 Tonnen schweren Einstiegsdiesel an, die mit 115 PS (Volvo) beziehungsweise 116 PS (BMW) nahezu gleiche Leistung bereitstellen. Erstaunlicherweise entwickelt das mit zwei Litern größerer Triebwerk im 116d nur 260 Newtonmeter und damit zehn weniger als der 1,6-Liter-Vierzylinder im Volvo. Noch erstaunlicher aber, dass sich der Schwede diesen Vorteil nicht zu Nutze machen kann. Im Gegenteil: Den Standardsprint erledigt der BMW in 10,3 Sekunden und damit exakt zwei lange Sekunden schneller als der V40 und läuft diesem auch auf der Autobahn mit 200 gegenüber 190 km/h davon.

Seinen Vorsprung schafft sich der 1er mit einer spürbar direkteren Gasannahme und einem sportlicher abgestuften Sechsgang-Getriebe. Der Volvo wirkt insgesamt verhaltener und weniger auf Sportlichkeit, denn auf Energieeffizienz optimiert. Das wiederum spiegelt auch der Normverbrauch wieder: Mit nur 3,6 Litern nimmt sich der Schwede auf dem EU-Prüfstand deutlich weniger Diesel als der BMW, der auf 100 Kilometer mindestens 4,3 Liter verbrennt. Da nützt dem BMW auch sein per Tastendruck anwählbarer Eco-Pro-Modus nichts, der auch den Münchner aufs Spritsparen trimmen soll und zwischen den Instrumenten anzeigt, wieviele zusätliche Kilometer Reichweite man durch nutzen dieser Betriebsart schon dazugewonnen hat.

Mehr Komfort im Volvo

Galerie: Vergleichstest BMW 116d vs. Volvo V40 D2Am anderen Ende des sogenannten Fahrerlebnisschalter wartet übrigens der Sportmodus, der je nach Ausstattung Einfluss auf Motor, Getriebe, Lenkung und Dämpfer nimmt. Beim Volvo hingegen lässt sich maximal die Lenkraftunterstützung einstellen, beim Rest müssen die Käufer mit dem Standard-Setup vorliebnehmen, was allerdings den meisten leicht fallen dürfte. Der Volvo zeigt sich betont sportlich, ohne zu hart zu sein. Der BMW wirkt zwar straffer und steifer und bietet dem Fahrer den direkteren Kontakt zur Straße, reicht aber gerade mit der Hinterachse Unebenheiten im Asphalt gerne an die Passagiere weiter.

Allerdings hat der Münchner noch einen weiteren Dynamik-Trumpf im Ärmel: seinen Heckantrieb. Während im Volvo die Vorderräder sowohl die Längs- als auch die Querbeschleunigung auf den Asphalt übertragen müssen, teilt der BMW die beiden Aufgaben zwischen den Achsen auf. So lassen sich Kurven noch sportlicher nehmen und das ESP muss kaum gegen Untersteuerungstendenzen ankämpfen; allerdings zeigt sich auch der Volvo lange Zeit sehr neutral, ehe er beginnt sachte über die Vorderräder zu schieben. Im Alltagseinsatz dürften den meisten Fahrern die Unterschiede nicht besonders auffallen, zumal die Kraft der Einstiegsmotoren nicht so hoch ist, dass sie beim Volvo unschöne Einflüsse auf die Lenkung ausüben würden. Unabhängig davon ist die Volvo-Lenkung aber nicht so direkt wie die des Einsers.

Technische Daten
 
Marke und Modell   BMW 116d   Volvo V40 D2
Motor / Ausstattung       1.4 Turbo
Motor        
Hubraum (Kubikzentimeter / Bauart)   1.995 / R4-Turbo   1.560 / R4-Turbo
Leistung (kW (PS) / U/min)   85 (116) / 4.000   84 (115) / 3.600
Drehmoment (Nm / U/min)   260 / 1.750 - 2.500   270 / 1.750 - 2.500
Antriebsart   Heckantrieb   Frontantrieb
Getriebeart   6-Gang-Schaltgetriebe   6-Gang-Schaltgetriebe
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.324 / 1.765 / 1.421   4.369 / 1.802 / 1.445
Radstand (mm)   2.690   2.647
Wendekreis (m)   10,6   10,8
Leergewicht  (kg)   1.380   1.357
Kofferraum (Liter, nach DIN)   350 - 1.305   335 - 1.408
Serienbereifung   195/55 R 16   195/65 R 15
Verbrauch        
Krafstoffart   Diesel   Diesel
EU-Zyklus (l/100km)   4,3   3,4
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   114 / Euro 5   94 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k. A.   k. A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   10,3   12,3
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k. A.   k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k. A.   k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   200   190
Preise        
ab (Euro)   25.950,00   24.980,00
Ausgewählte Extras (Euro)   Klimaautomatik (700), Tempomat (400), Parksensoren (750), Multifunktionslenkrad (180), Sitzheizung (330), Tempolimit-Erkennung (320), Xenon-Licht (890). Regensensor (130), Navigationssystem (ab 1.590)   Navigationssystem (ab 1.150), Tempomat (320), Xenonlicht (1.130), Tempolimit-Erkennung inkl.Fernlichtassistent (830), Parksensoren hinten (360), Sitzheizung (310)
 
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Sicherheits-Plus beim Volvo

Galerie: Vergleichstest BMW 116d vs. Volvo V40 D2Preislich unterscheiden sich die beiden Modelle um knapp eintausend Euro, wobei der Volvo mit 24.980 Euro der Günstigere ist. Die Basisausstattung ist nahezu identisch und umfasst beiderseits elektrische Fensterheber und ein CD-Radio mit Aux-Eingang; im BMW gibt es zudem eine manuelle Klimaanlage während sich der V40 mit seiner serienmäßigen Klimaautomatik einen weiteren Preisvorteil in Höhe von 700 Euro verschafft. Ein optional für den 1er zur Verfügung stehendes Automatikgetriebe gibt es beim D2-Volvo hingegen nicht.

Abgesehen davon lassen sich beide reichlich mit Sonderausstattung bestücken, nicht zuletzt mit Fahrerassistenzsystemen und Sicherheitsextras, wobei vor allem das grell-rote Licht, dass im V40 hinter dem Lenkrad davor warnt, dass man zu dicht auffährt, im Stadtverkehr schnell nervig werden kann. Sehr sinnvoll dagegen ist der Fußgänger-Airbag, der sich im Falle eines drohenden Crashs mit einem Passanten über die A-Säulen und einen Teil der Windschutzscheibe entfaltet und so den Aufprall abfangen soll; das hat der Volvo dem BMW voraus.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Die etablierten Premium-Kompakten müssen sich warm anziehen, denn mit dem Volvo weht ihnen kalter Wind aus dem Norden entgegen. In Sachen Qualität und Materialauswahl hat der V40 den 1er BMW übertroffen, optisch ist der Schwede auf jeden Fall extravaganter als der Münchner und sparsamer ist sein Einstiegsdiesel auch noch.

Allerdings ist das BMW-Basis-Aggreagat trotz gleicher Leistung spürbar spritziger und der 1er absolviert den Standardsprint ganze zwei Sekunden schneller als der Volvo. Außerdem wirkt der Münchner insgesamt ein wenig straffer und fahrdynamischer. Nichtsdestotrotz hat auch der Volvo - ganz ohne adaptives Fahrwerk - sportliche Qualitäten und bietet dazu noch den höheren Fahrkomfort. Und in der Basis ist er rund 1.000 Euro günstiger bei besserer Ausstattung.
 
 

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