Schönes Wetter, offenes Dach - das Cabriofeeling in unserem Special.
BMW M6 gegen Corvette Z06: Da freut man sich auf über 1.000 PS in nur zwei Autos, auf das Knacken der 300 km/h-Marke und auf einsame Bergstraßen. Die Realität sieht dann etwas anders aus. Denn das echte Leben hält auch Unangenehmes bereit, zum Beispiel den „Zoo-Effekt“ - das ständige beglotzt werden. Denn wenn ein M6 und eine Z06 gemeinsam vorfahren hat das in etwa die Wirkung, als würden Außerirdische vor dem Brandeburger Tor landen.
Egal ob Landeshaupt- oder Kleinstadt, ein blauer M6 zieht die Blicke auf sich. Bei einer gelben Corvette vergessen die Leute ihren Anstand. Von wegen „mit dem nackten Finger zeigt man nicht auf fremde Leute“. Schlagen nun aber beide Fahrzeuge gleichzeitig auf, kennt das Umfeld kein Halten mehr. Besonders witzig gestaltet sich die Vorbeifahrt an mittäglich gut gefüllten Trambahnhaltestellen. 15 Köpfe folgen dem M6, dann kommt der schnelle Schwenk zurück zur Corvette und die kollektive Blickverfolgung beginnt von Neuem. Ganz großes Tennis.
Flucht vorm Verfolgungswahn
Will man da keinen Verfolgungswahn entwickeln, hilft nur die Flucht in dünn besiedelte Gefilde. Der Weg dahin: Die Autobahn. Die Fahrt: Ein einziges Erlebnis. Tief bollernd schiebt der zehnzylindrige M6 auf und davon, wird nie laut, selbst bei Tacho 270 (offiziell ist bei 250 km/h Schluss) herrscht ein angenehmes Geräuschniveau im mit feinem Leder ausgeschlagenen Interieur.
Ganz anders fühlt sich das in der Corvette an. Sie ist lauter, wilder und schneller. Wenn der BMW die Segel streicht, steht bei ihr die Drehzahlnadel gerade einmal auf Halbmast. Gibt man dann Vollgas, brüllt der 7,0-Liter-V8 auf und schiebt die nur 1,4 Tonnen leichte Kunststoffkarosse weiter bis Tempo 320. Dreihundertzwanzig! Eine dreispurige Autobahn schrumpft hier auf Feldwegbreite.
Zusammen zwölf Liter Hubraum
Das die beiden Boliden verdammt schnell sind, ist bereits angesichts der Leistungsdaten klar: Der M6 hat einen hochdrehenden 5,0-Liter-Zehnzylinder, der seine 507 PS (mit gedrückter Power-Taste; sonst 400 PS) erst bei 7.750 Touren erreicht und ein maximales Drehmoment von 520 Nm bei hohen 6.100 U/min bereitstellt. Der Renn-Ami folgt der anderen Philosophie: 7,0-Liter Hubraum verteilt auf acht Zylinder, 512 PS bei 6.300 U/min und ein fettes Drehmoment von 637 Nm bei 4.800 Umdrehungen.
Zwei, die vor lauter Kraft nicht mehr laufen können? Von wegen. Auf zu den kurvigen und welligen Landstraßen! Erster Eindruck: Beide sind echte Supersportwagen, die Geschwindigkeiten jenseits der normalen Vorstellungskraft - und ganz weit über dem Erlaubten - ermöglichen.
Elektronik gegen Handarbeit
Der mit Elektronik vollgestopfte M6 entpuppt sich als der absolute Souverän: Das Fahrwerk mit der elektronischen Dämpferkontrolle (von komfortabel bis bretthart), die Stabilitätskontrolle mit M Dynamic Mode (lässt sehr viel Spielraum) und die extrem
feinfühlige Lenkung Servotronic bescheren dem 1,8-Tonner superagile Handlingeigenschaften.
Schalten kann man lassen, das 7-Gang-SMG bietet verschieden schnell arbeitende Automatik-Modi, wobei lediglich der mit den kürzesten Schaltzeiten zur Charakteristik des Wagens passt.
Beste Lösung: Selbst die Gänge wechseln mittels der Wippen am Lenkrad.
SMWas? Der Z06-Pilot greift zum ultrakurzen Schaltknauf und sortiert seine sechs Gänge von Hand. Aberwitzig: der Erste reicht bis Tempo 100 - so kommt man auch auf den unglaublichen Beschleunigungswert von 3,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 (M6: 4,6 Sekunden).
Von Burnout bis Donuts
Die Corvette-Lenkung ist direkt, wenn auch nicht ganz so genau wie die des M6. Hervorragend gelungen ist das völlig unamerikanische Fahrwerk, das ohne Einstellmöglichkeiten
auskommt und trotzdem sowohl höchste Dynamik als auch einen Rest an Komfort bietet. Und ESP ist auch an Bord. Trotzdem ist Vorsicht geboten im Umgang mit dem Gaspedal: der Small Block hat bereits kurz über Leerlaufdrehzahl dermaßen viel Saft, dass stets mit einem zuckenden Heck zu rechnen ist.
Dringend empfehlenswert, wenn man dem Spieltrieb freien Lauf lassen will: ein abgesperrtes Gelände. Fahrhilfen ausschalten und schon kann es losgehen. Beim Burnout zeichnen M6 und Z06, eingehüllt in weißen Rauch, nimmer enden wollende schwarze Striche auf den Boden. Donuts? Kein Problem: Leicht einlenken und ein bisschen Gas, schon drehen sich die Boliden auf der Stelle im Kreis. Und Driften? Richtig: Geht ganz wunderprächtig - hier wie da ist die Power an der Hinterachse einfach übermächtig.
Fazit
Ein Ufo mit kleinen grünen Männchen drin würde kaum mehr Aufsehen erregen als ein BMW M6 und eine Corvette Z06 im Doppelpack. Auch das Fahrerlebnis der 500-PS-Boliden ist außerirdisch. Kaum ein Auto ist so ehrlich und schnell wie die fette Vette, kaum eines bei höchster Beanspruchung so souverän wie der M6. Anders als die puristische Ami-Flunder bietet der bayerischen Hightech-Heizer neben den galaktischen Fahrleistungen auch edelste Innenraummaterialien und alle nur erdenklichen Komfortfeatures. Hier kommt dann auch der Preisunterschied ins Spiel: Die gelben 500 PS sind ab rund 80.000 Euro zu haben, die (weiß)blauen kosten satte 110.000 Euro.
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