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Galerie: Vergleichstest BMW X5 vs. Mercedes ML vs. VW Touareg

Vergleichstest: BMW X5 vs. Mercedes ML vs. VW Touareg

Kommt drauf an, wohin Sie wollen

21.12.2010

Fragt man SUV-Fahrer(innen) wieso sie sich für diese Fahrzeug-Kategorie entschieden haben, lauten die Antworten meist folgendermaßen: so halt, hoch sitzen, Platz und Übersicht haben, sicher fühlen, … Offroad-Fahren steht fast nie auf dem Programm. Zumindest nicht, wenn es sich um BMW X5, Mercedes ML und VW Touareg handelt. Diese Dickschiffe wollen ganz klar Onroad überzeugen.

Fett sind die drei Testwagen, mächtig fett sogar. Bereits das Leergewicht mit Minimalausstattung, also so, wie sie nie beim Kunden ankommen, beträgt im günstigsten Fall (X5) 2.150 Kilogramm. Kommen noch die in dieser Klasse obligatorische Anhängekupplung (alle drei dürfen 3,5 Tonnen ziehen), Soundsystem (2x Harman/Kardon, VW Dynaudio), Navi, Riesen-Schiebedach und ebensolche Aluräder hinzu, steigt das Gewicht schnell um drei, vier Zentner an.

Erstaunlich sparsam – nach Norm

Umso erstaunlicher sind im Hinblick darauf die Verbrauchsangaben. 7,4 Liter geben BMW und VW unisono für ihre Drei-Liter-Diesel an. Respekt. Der Mercedes ML 350 CDI kann da nicht mithalten: 8,9 Liter lautet der Wert für den 2005 erschienenen Oldie des Test-Trios.

Die erstaunlich günstigen Werte erreicht der kürzlich aufgefrischte X5 dank überarbeitetem Reihen-Sechs-Zylinder-Diesel und der neuen Achtgang-Automatik. Das gleiche Hightech-Getriebe besitzt übrigens auch der neue Touareg. Von ZF kommt es und soll aufgrund der feinen Sezierung immer den sparsamsten Drehzahlbereich ermöglichen. Obwohl die technische Basis der beiden Getriebe identisch ist, ist die Auslegung different. Der BMW-Automat ist gierig, agil, schnell und manchmal sogar zu hastig. Die Wandlerüberbrückung greift lediglich im ersten Gang, um das Anfahren komfortabel und sanft zu gestalten. Das VW-Pendant macht alles gelassener, zu langsam aber nie. Mercedes bietet seit geraumer Zeit sieben Gänge an, die sanft aber manchmal etwas träge agieren.

Galerie: Vergleichstest BMW X5 vs. Mercedes ML vs. VW TouaregDer Touareg hat als einziger eine Stopp-Start-Funktion an Bord. Beim Mercedes ist die Abstinenz der viel gelobten, in der Praxis jedoch nur im innerstädtischen Verkehr hilfreichen Spritspartechnik aufgrund des Alters noch irgendwo verständlich, beim Stopp-Start-Pionier BMW hingegen nicht. So genehmigte sich der VW Touareg V6 TDI BlueMotion Technology im Testmittel 11,8 Liter Diesel, der BMW X5 xDrive30d 12,1 und der Mercedes-Benz ML 350 CDI 4Matic 12,3 Liter. Der Realverbrauch zeigt, wie groß die Diskrepanz zwischen Norm und Wirklichkeit ausfällt.

Viele Gänge für den Normverbrauch

Es scheint also so, als sind die Getriebe perfekt auf die Kraftstoff-Zyklus-Messung ausgerichtet, um dort den niedrigsten Wert zu erreichen. In der Praxis werden beispielsweise die Stufen vier und sieben nur selten genutzt. So darf die Frage erlaubt sein: Braucht’s acht Gänge überhaupt? Vor allem angesichts des massiven Motor-Drehmoments von rund 550 Newtonmeter.

Galerie: Vergleichstest BMW X5 vs. Mercedes ML vs. VW TouaregMit 231 PS markiert der ML 350 CDI die untere Grenze, mit 245 PS der X5 die obere. So verwundert es nicht, dass die Fahrleistungen ähnlich flott sind. Mit 7,3 Sekunden ist der knurrige, aber extrem direkt auf Gaspedal-Bewegungen reagierende X5 um zwei Zehntel schneller als der leise und deutlich träger ansprechende ML und um 0,3 Sekunden schneller als der Touareg, der in diesem Vergleich subjektiv am leisesten ist. In der Endgeschwindigkeit trennen die drei vier km/h.

Jedoch werden nur wenige die Topspeed von rund 220 km/h ausnutzen, dann aber merken, dass der X5 satt wie eine große Reise-Limousine liegt. Der Federungskomfort des klassischen Stahlfahrwerks ist straff aber nicht unkomfortabel. Die exakte Aktivlenkung (1.130 Euro Aufpreis) in Verbindung mit dem definiert agierenden Fahrwerk prädestiniert den X5 auch für eine flinke Landstraßentour und – ganz wichtig – für die Fahrt in der Stadt, wo der BMW am übersichtlichsten und handlichsten wirkt.

Am ehesten kann der Touareg mithalten. Seine Lenkung ist jedoch grobschlächtiger und man fühlt weniger. Dafür ist die 2.575 Euro teure Luftfederung höhenvariabel und ermöglicht eine Bodenfreiheit von gigantischen 30 Zentimetern (BMW fix 22,2 Zentimeter). So gewappnet stehen kaum Hürden vor dem VW. Dafür ist die Auslegung für die Straße nicht ideal. In der Stellung Comfort sprechen die Luftbälge trotzdem recht steif an, die Seitenneigung ist groß. Die Stellung Normal ist dezent straffer, bringt im Alltag aber keine Vorteile. Die dritte Option lautet Sport, verhilft dem Wolfsburger aber nicht zu sportlichen Fahreigenschaften. Insgesamt ist die Differenzierung zu gering. Wer’s sportlich will, sollte die Sportabstimmung des Stahlfahrwerks wählen (390 Euro), wer’s komfortabel mag bei der Standardversion (und kleinen Rädern) bleiben und wer Gelände will, sollte das Terrain Tech-Paket mit Offroad-Fahrwerk und Sperren für 1.900 Euro wählen – die Luftfederung ist eine nicht zum Leben erweckte Eierlegendewollmilchsau.

Wachablösung folgt

Galerie: Vergleichstest BMW X5 vs. Mercedes ML vs. VW TouaregDen ML gibt es gegen Aufpreis ebenfalls mit einer Luftfederung (maximale Bodenfreiheit 29,1 Zentimeter) und einem Offroad-Paket (komplett 4.150 Euro). Beides zusammen macht auch ihn Querfeldein-Fit. Im Testwagen war jedoch das Standard-Stahl-Fahrwerk installiert, das in Kombination mit den 19-Zoll-Winterreifen sehr steif daherkommt. Die Dämpferelemente sprechen harsch an, bei hohen Geschwindigkeiten bekommt der ML eine Taumelneigung und liegt nicht so satt wie die Konkurrenz. Alles in allem blitzt (auch hier) sein Alter durch. Im Herbst 2011 kommt die Wachablösung.

So wirkt auch das akkurat verarbeitete Interieur keineswegs taufrisch. Bei der Bedienung des 3.050 Euro teuren Command-Navisystems kommt fast Nostalgie-Stimmung auf. In BMW und VW geht es deutlich modebewusster zu. Im Bayer ist das Cockpit knopfreduziert und schlicht. Verarbeitungstechnisch geht kaum mehr. Die Materialien sind exquisit, die Passungen sauber. Zudem überzeugen die unter anderem in der Sitzweite anpassbaren Sportsitze (Option) des BMW. Kaum schlechter sitzt es sich in den weicheren VW-Komfortsitzen (mit Nappaleder für 4.380 Euro), die jedoch weniger Seitenhalt bieten und (schlanke) Körper nicht so vollkommen aufnehmen. Im Schwaben sitzt man irgendwie drauf, nicht drin.

Kein Allesregler

Galerie: Vergleichstest BMW X5 vs. Mercedes ML vs. VW TouaregObwohl der VW jüngster des Trios ist, gibt es bei ihm keinen zentralen Allesregler. Vielmehr hat der Fahrer die Wahl, viele Fahrzeug-, Navi- und Entertainment-Funktionen via berührungsempfindlichen Monitor und via Tasten zu justieren – je nach Geschmack.

Unschön: Konnte man im Vorgänger die Drehschalter für das Luftfahrwerk und die verschiedenen Fahrmodi versenken, stehen sie im aktuellen Touareg fest. Dafür besitzt er als einziger einen altgedienten Gang-Wahlhebel. Im BMW nervt der kurze Wählstummel vor allem beim Rangieren zwischen P, R und D. Zudem legt der Automat selbsttätig „P“ ein, sobald die Fahrertür bei Schritttempo oder darunter geöffnet wird. Letzteres macht der Benz übrigens auch, dessen Wählhebel sich an der Lenksäule versteck.

Kleinstes SUV, größtes Gepäckabteil

Galerie: Vergleichstest BMW X5 vs. Mercedes ML vs. VW TouaregEin Pluspunkt des mit 4,78 Meter Länge und 1,91 Meter Breite kompaktesten SUVs in diesem Vergleich ist das Raumangebot des Mercedes. Maximal passen 2.050 Liter Gepäck in Fond und Kofferraum des ML. Damit überflügelt der Stuttgarter sowohl den Münchner (1.750 Liter) und erst recht den Wolfsburger (1.642 Liter). Für die Passagiere sind die Platzunterschiede vorne wie hinten gering. Der Touareg kann als einziger mit einzeln verschiebbaren Rücksitzen glänzen, die entweder mehr Beinfreiheit oder mehr Kofferraum bieten. Das Umklappen der Rücklehne ergibt überall ein fast ebenes Ladeabteil, beim Mercedes muss zusätzlich die Sitzfläche hochgeklappt werden.

Galerie: Vergleichstest BMW X5 vs. Mercedes ML vs. VW TouaregDer X5 besitzt eine zweigeteilte Heckklappe, die das Einladen von Getränkekisten und Kinderwagen erleichtern soll. Konventionell schwingen die Riesen-Pforten in Niedersachsen und Baden-Württemberg auf – bei allen drei auf Wunsch auch elektrisch angetrieben. Eine weitere obligatorische Ausstattung lassen sich die drei Hersteller ebenfalls fürstlich bezahlen. Xenonlicht: Zwischen 1.430 (VW) und 1.856 Euro (Mercedes) kosten die Bi-Xenon-Brenner die sich bei Mercedes und VW an die Geschwindigkeit und Umgebung situation anpassen und damit eine sichtbar bessere Leistung abgeben als die BMW-Lampen (1.680 Euro).

Technische Daten
 
Marke und Modell   BMW X5 xDrive 30d   Mercedes ML 350 CDI
         
Motor        
Hubraum (ccm) / Bauart   2.993 / Reihe 6   2.987 / V6
Leistung (kW / PS)   180 / 245   170 / 231
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   540 / 1.750 - 3.000   540 / 1.600 - 2.400
Antriebsart   Allrad   Allrad
Getriebeart   8-Gang-Automatik   7-Gang-Wandler-Automatik
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.857 / 1.933 / 1.776   4.781 / 1.911 / 1.815
Radstand (mm)   2.933   2.915
Wendekreis (m)   12,8   11,6
Leergewicht (kg)   ab 2.150   ab 2.135
Kofferraum (Liter)   620 - 1.750   551 - 2.050
Bereifung Testwagen   255/55 R18 Goodyear Ultra Grip   255/50 R19 Dunlop Winter Sport 3D
Verbrauch        
Krafstoffart   Diesel   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   7,4   8,9
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   195 / Euro 5   235 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   12,1   12,3
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   7,6   7,6
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   7,3   7,5
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   40,7   40,9
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   222   220
Preise        
ab (Euro)   54.500,00   55.751,00
Empfohlene Extras   Metallic-Lackierung (980 Euro), Innovationspaket mit Head-Up-Display, Aktivlenkung, Bi-Xenonlicht und schlüssellosem Zugang und Motorstart (4.700 Euro), 19-Zoll-Aluräder (1.210 Euro), Zwei-Zonen-Klimaautomatik (800 Euro), Standheizung (1.490 Euro), Notrad (140 Euro), Anhängekupplung mit Schwenkkopf (1.260 Euro), Dachreling (270 Euro), Einparkhilfe (810 Euro), USB-Schnittstelle (300 Euro), Freisprecheinrichtung (820 Euro)   Metallic-Lackierung (870 Euro), Ledersitze mit Sitzheizung (3.270 Euro), Standheizung (1.630 Euro), Kofferraummanagement (280 Euro), Fußmatten (ab 90 Euro), Airmatci Luftfederung ( 2.020 Euro), 19-Zoll-Aluräder (1.093 Euro), Freisprecheinrichtung (464 Euro), Einparkhilfe (869 Euro), Bi-Xenonlicht inklusive LED-Tagfahrlicht und LED-Rückleuchten (1.856 Euro), beheizte Scheibenwaschanlage (202 Euro), Anhängekupplung mit Schwenkkopf (1.083 Euro)
 
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Fazit

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Der BMW macht trotzdem das Rennen. Er ist am besten verarbeitet, bietet die souveränste Straßenlage, den dazu passenden Antrieb und ist technisch auf der Höhe der Zeit. Dass ihm die Stopp-Start-Technik fehlt, ist unverständlich aber kein Beinbruch. Dass der Drei-Liter-Diesel der knurrigste im Feld ist, passt zu Gesamtkonzept. Dass es bei ihm keine Luftfederung gibt, ist gut, ins Gelände will ja sowieso niemand.

Der VW ist der günstigste, doch bei einem Preis von annähernd 70.000 Euro mit passender Ausstattung zieht das Argument nicht mehr richtig. Auf das Luftfahrwerk kann man verzichten und nochmals gut 2.500 Euro sparen. Bei der Verarbeitung, der Innenraumanmutung und den Platzverhältnissen gibt es keinen Grund zur Klage. Zudem überzeugt der Touareg V6 TDI mit geschmeidigem und leisem Motorlauf und irgendwie ist VW gleich Familie, was sich wiederum gut vorm Kindergarten macht.

Der starke Sechs-Zylinder-Diesel ist das Sahnestück des ML 350 CDI. Er ist laufruhig, leise und harmoniert gut mit der Automatik. Der Benz verströmt außen noch immer am meisten Noblesse, das können die Schwaben halt. Sein Manko ist jedoch sein (spürbares) Alter. Man merkt es beim bockigen Stahlfahrwerk, der zu leichtgängigen und unexakten Lenkung, den straffen und konturlosen Sitzen (es gibt nur eine Variante) und der teils komplizierten Bedienung. Sein Vorteil: Er hat’s bald überstanden, der Nachfolger wird all das besser machen.

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