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Galerie: Vergleichstest Dacia Logan MCV dci 90 vs. Toyota Auris Touring Sports

Vergleichstest: Dacia Logan MCV dci 90 vs. Toyota Auris Touring Sports

Einfache Rechnung

09.12.2013

Kompaktklassekombis liegen im Trend, das hat nicht zuletzt auch Honda dazu bewegt, nach zwei Generationen Pause wieder eine Praktiker-Version des Civic aufzulegen. Und auch Toyota hat der zweiten Auflage des Corolla-Nachfolger Auris nach fünf Jahren wieder eine Nutzwert-Variante zur Seite gestellt. Diese musste sich in unserem Vergleich dem ebenfalls 2013 neu aufgelegten Brot-und-Butter-Kombi Dacia Logan MCV stellen.

Gegenüber seinem Vorgänger wirkt der Logan II nicht mehr wie ein Handwerker-Hochdach-Auto, sondern wie ein klassischer Kompaktklassekombi à la Golf Variant  . Dazu trägt vor allem das im Vergleich zum Vorgänger um fast zehn Zentimeter abgesenkte Dach bei, was aber das Platzangebot für die Passagiere nicht merklich beeinträchtig. Vorne und hinten bietet der 4,49 Meter lange Dacia ausreichend Platz für normalgewachsene Passagiere, und auch wer überdurchschnittlich lang ist, bringt die Beine auf den meisten Plätzen ganz gut unter; die fehlende Längsverstellung des Lenkrads kann große Fahrer allerdings in eine unbequeme Sitzposition zwängen. Von allen Sitzen wird man bei längeren Fahrten wohl gelegentliches Wehklagen vernehmen können, denn sonderlich langstreckentauglich sind die Polster des Rumänen-Kombis nicht.

Galerie: Vergleichstest Dacia Logan MCV dci 90 vs. Toyota Auris Touring SportsIn Sachen Sitzkomfort hat der Toyota die Nase vorne, sein Gestühl passt wie angegossen und es lassen sich auch weitere Reisen damit vergleichsweise komod abspulen. Mehr Platz gibt’s in dem gut sieben Zentimeter längeren Japan-Kombi allerdings nicht; kein Wunder, hat er doch mit 2,60 Metern sogar drei Zentimeter weniger Radstand vorzuweisen als der Dacia. Und sein stärker abfallendes Dach schränkt die Kopffreiheit der Fondpassagiere etwas mehr ein.

Nicht ganz modern

Galerie: Vergleichstest Dacia Logan MCV dci 90 vs. Toyota Auris Touring SportsWas die Inneneinrichtung anbelangt, unterscheiden sich beide deutlich, und wirken doch beide nicht ganz modern. Im Toyota sind es vor allem die grobschlächtigen Lüftungsdüsen und die grün leuchtende Digitaluhr, die an die 90er Jahr erinnern; im aufgeräumten Dacia ist es die Schlichtheit, die eine Reminiszenz sein könnte, an eine Zeit, in der es nun mal nicht mehr zu bedienende Funktionen gab, für die man hätte Schalter und Tasten einbauen können. Anders als dem Logan sind dem Auris immerhin Lenkradtasten nicht fern.

Qualitativ bieten beide im Innenraum ein solides Niveau, offerieren aber auch hier und da Schwächen. Die verwendeten Materialien wirken im Dacia ein wenig günstiger, in Summe aber nicht unangenehm und auch im Toyota finden sich Stellen, die nicht ganz so fein anzufassen sind. Insgesamt wirkt das Logan-Cockpit übersichtlicher und dürften sich gerade ältere Fahrer dort schneller als im Toyota zurechtfinden. Auch das jeweils optionale Navi-und-Entertainmentsystem mit großem Bildschirm in der Mittelkonsole ist im Logan deutlich einfacher zu bedienen als beim Auris; wenngleich dem Dacia-Navi Funktionen wie etwa das beliebige Zoomen fehlen. Ebenso schade: Die Tasten für die elektrischen Fond-Fensterheber sind hinter der Mittelarmlehne und für die Vornesitzenden nur mit Verrenkungen zu erreichen.

Nicht ohne Stufe

Geht es darum, Kleinkram am Arbeitsplatz des Fahrers zu verstauen, gewinnt ebenfalls der Dacia. Er bietet mehr und leichter zugängliche Ablagen und wartet mit einem zusätzlichen, offenen Fach auf dem Armaturenbrett auf. Zwar spiegelt sich alles in der Scheibe, was man reinlegt, doch wer sich daran nicht stört, wird dort gerne Schlüssel, Handy und Co. unterbringen.

Galerie: Vergleichstest Dacia Logan MCV dci 90 vs. Toyota Auris Touring SportsWichtiger als die kleinen Fächer im Cockpit ist bei einem Kombi freilich der Laderaum, und hier warten beide mit ordentlichen Volumina auf; der Dacia noch mehr als der Toyota. In den Rumänen gehen standardmäßig stolze 573 Liter rein, der Auris schluckt nur 530 Liter. Doch schlägt die Stunde des Japaners, wenn es um die Praktikabilität geht. Die beschränkt sich beim Dacia nämlich auf das geteilte umklappen der Sitze (nicht in der Basis), wobei eine störende Stufe bleibt. Um die weitgehend zu vermeiden, muss zuvor das immer ungeteilte Sitzpolster der Rückbank hochgeklappt und selbst dann bleibt noch eine kleine Schwelle.

Fernentriegelung und ebener Boden

Beim Auris hingegen reicht ein kurzer Zug an Hebelchen an der Kofferraumseitenwand und die Rückenlehnen der geteilten Fondbank legen sich vollautomatisch flach. Damit steigt die Transportkapazität hinter der niedrigen Ladekante auf 1.658 Liter an, was knapp 170 Liter mehr sind als beim Dacia. Hinzu kommt eine doppelter Ladeboden, unter dem sich noch einiges verstauen lässt und ein serienmäßiges Gepäcktrennnetz, für das bei Dacia 160 Euro extra bezahlt werden müssen. Zusatzfächer an der Seite runden die vorbildlichen Transporteigenschaften des Toyotas ab.

Anders als im Cockpit fällt beim Toyota-Kofferraum auch eine deutlich höherwertige Verarbeitung auf als beim Logan. Während so manche Verkleidung beim Dacia wie von Kinderhand ausgeschnitten wirkt, sitzt beim Toyota alles korrekt. Das die Rumänen sparen müssen, um den konkurrenzlos niedrigen Preis halten zu können, merkt man noch an weiteren Stellen. So verdienen die etwas wackeligen Plasteplatten nicht wirklich den Namen Türgriff, für den Tankdeckel muss man umständlich den Schlüssel bemühen und die weit aufschwingende Kofferaumklappe wartet noch mit einem konventionellen Reindrück-Schloss zum Entriegeln auf.

Dacia verbraucht etwas weniger

Galerie: Vergleichstest Dacia Logan MCV dci 90 vs. Toyota Auris Touring SportsUnter der Haube werkelten bei unseren Testwagen jeweils 90 PS starke Vierzylinder-Dieselmotoren; bei Dacia ist es der einzige Selbstzünder, Toyota hat noch eine stärkere Variante im Angebot. Dass der Japaner mit 1,4 Litern 100 Kubikzentimeter weniger Hubraum hat, merkt man am Drehmoment, dass mit 205 Newtonmeter etwas unter dem des Logans liegt (220 Newtonmeter, beiderseits bei rund 1.800 Touren). Das bisschen mehr Kraft und 130 Kilogramm weniger Leergewicht (1.165 zu 1.295 Kilogram) sorgen dafür, dass der Dacia nach zwölf Sekunden und damit eine knappe Sekunde schneller als der Toyota Tempo 100 erreicht.

Galerie: Vergleichstest Dacia Logan MCV dci 90 vs. Toyota Auris Touring SportsMit 173 zu 175 km/h Höchstgeschwindigkeit liegen dagegen beide gleich auf und eignen sich damit auch für flottere Autobahnritte. Sein sechster Gang verhilft dem Toyota allerdings bei hohem Tempo zu mehr Ruhe im Innenraum; der Dacia kommt mit nur fünf Übersetzungsstufen. Einen Verbrauchsvorteil beschert die feinere Abstufung dem Auris dagegen nicht, im Gegenteil: Mit 4,2 Litern liegt sein Normverbrauch 0,4 Liter über dem des Logan. In der Praxis pendelte sich der Dacia bei fünf bis fünfeinhalb Litern ein, der Sports Tourer zwischen fünfeinhalb und sechs.

Fahrwerksseitig bietet der Dacia eine auf Komfort getrimmte Abstimmung, die die meisten Unwirtklichkeiten der Straße wegfedert. Die Lenkung ist ausreichend präzise, sportliche Talente offenbart der Logan jedoch nicht. Dafür ist er gut berechenbar und schiebt bei zu flotter Kurvenfahrt leicht kontrollierbar über die Vorderräder; serienmäßig unterstützt nun eine ESP den Fahrer. Auch der Toyota neigt um Untersteuern, allerdings wesentlich später, und sein Feder-Dämpfer-Setup erlaubt auch eine etwas dynamischere Gangart. Beim Geradauslauf auf der Autobahn erweisen sich beide Kombis als sichere und ruhige Gleiter.

Über 6.000 Euro Unterschied

Galerie: Vergleichstest Dacia Logan MCV dci 90 vs. Toyota Auris Touring SportsDer größte Unterschied zwischen den beiden Kombis zeigt sich erwartungsgemäß beim Preis. Toyota ruft für den Auris Sports Tourer 1.4-l-D-4, wie er mit vollen Namen heißt, 19.100 Euro in der Basisversion auf, die außer elektrischen Fensterhebern rundum und einem höhenverstellbaren Fahrersitz kaum nennenswertes bietet; Parksensoren gibt es gegen Aufpreis, Klimaautomatik und Radio dagegen erst in höheren Varianten.

Der Dacia hingegen fährt als dCi90 bereits in der dritten von vier Ausstattungsstufen vor und hat das Radio an Bord, allerdings müssen die elektrischen Fensterheber hinten dazu bestellt werden. Für 500 Euro ist sogar eine Klimaautomatik erhältlich und auch Tempomat, Parkpiepser und das mit 180 Euro unschlagbar günstige Navi kann man ordern. Das Beste: Das alles gibt es zum Preis von nur 12.890 Euro. Dafür müssen sich Logan-Käufer in Verzicht üben, wenn sie zum Beispiel ein Schiebedach oder Kopfairbags wollen; beides ist nicht erhältlich.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Die Rechnung ist einfach: Wer einen Kompaktklasse-Kombi mit ordentlich Stauraum sucht, aber wenig Ansprüche an praktische Lösungen stellt, sollte zum Dacia greifen. Dort bleibt zwar nach dem etwa umständlichen Umklappen der Rückbank immer eine kleine Stufe, doch stört das bei den meisten Transportaufgaben nicht wirklich. Billig-Lösungen wie die altbackenen Schalentürgriffe, die schlichte Verarbeitung im Kofferraum oder das unpraktische Schloss zum Entriegeln der Heckklappe macht der Dacia mit einem ausreichend kräftigen und sparsamen Motor, dem übersichtlichen Cockpit und vor allem seinem unschlagbaren Preis wieder wett.

Wer dagegen elegant vom Kofferraum aus die Sitze fernentriegeln will, wer Wert auf Langstreckentauglichkeit legt und generell gerne etwas dynamischer Unterwegs ist, dem sei der Toyota empfohlen. Sein 90-PS-Diesel muss sich – trotz Sechsgang-Getriebe – dem Dacia-Aggregat bei Fahrleistung und Verbrauch zwar geschlagen geben, doch wartet das Japan-Fahrwerk mit mehr Talenten auf und sitzt es sich im Auris auf Dauer deutlich angenehmer.
 
 

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