Schönes Wetter, offenes Dach - das Cabriofeeling in unserem Special.
Helga Feddersen war wohl Deutschlands erste und vielleicht auch erfolgreichste Ulknudel. Zwei, die Ihr diesen inoffiziellen Titel aberkennen möchten, sind der Daihatsu Materia und der Nissan Cube. Fährt man mit diesen Kanthölzern durch die Gegend, wird gelacht, gefreut und sympathisiert. Aber die zwei Japaner können nicht nur lustig, wie unser Vergleich zeigt.
Denn der optische Auftritt ist nicht das einzige, was die nicht einmal vier Meter kurzen Spaßmobile ausmacht. Nützlich sind sie nämlich auch noch.
So bestechen beide mit einem Innenraumangebot, das Seinesgleichen sucht. Der knapp vier Meter lange Nissan Cube bietet trotz nicht einmal 1,70 Meter Breite, dafür aber stattlichen 1,67 Meter Höhe, wirklich viel Platz. Auf der Rückbank können sich selbst Riesen gemütlich lümmeln.
Im Materia, der nochmals 18 Zentimeter kürzer ist, sieht die Sache gar noch rosiger aus. Das Platzangebot ist gigantisch. Zumindest, wenn die (in beiden Modellen) verschiebbare Rückbank in der hintersten Position arretiert wurde.
Dann verbleibt freilich nicht mehr sonderlich viel Platz im Kofferraum. Für ein Paar Wasserkisten reichen die 260 (Cube) respektive 181 Liter (Materia) Volumen aber dennoch aus. Durch Umklappen lassen sich die Gepäckräume erweitern, wobei dann lediglich der Materia eine ebene Ladefläche bietet. Im Cube entsteht eine hohe Stufe.
Ein nettes Gimmick des Nissan ist die seitlich angeschlagene Hecktür. Sie suggeriert eine nicht vorhandene C-Säule und vermittelt damit optische Leichtigkeit, gleichzeitig erschwert sie aber das Beladen, vor allem in engen Parklücken.
Neue Ideen auch innen
Clever sind dafür viele Details im Cube-Innenraum gelöst. So machen die vielen Ablagen genauso Freude, wie die Spanngurte für Kugelschreiber oder Ähnliches an den Türgriffen und der Flokati-Teppich als Antirutsch-Matte auf dem Armaturenbrett.
Die Verarbeitung ist okay, akzeptables Hartplastik dominiert das Geschehen. Wichtiger ist auch, dass ESP, Bordcomputer sowie CD-Radio mit Aux-Anschluss und Bluetooth-Freisprecheinrichtung serienmäßig an Bord sind. Ja sogar der Tempomat ist in der Basisversion für 18.000 Euro schon enthalten. Als feine Zugabe besitzen alle Cube das große Glasdach, welches in die eine Richtung mit einer an japanische Schiebetüren (Shojis) erinnernden Jalousie zugezogen werden kann und von der anderen Seite auf herkömmliche Art verdunkelt wird.
Keine Nettigkeiten im Daihatsu
Auf all diese Nettigkeiten muss der 17.000 Euro teure Daihatsu Materia 1.5 verzichten. Er war im Jahr 2007 hierzulande einer der ersten Spaß-Minis und das merkt man ihm an. Ist er außen durchaus pfiffig gestylt, vermisst man innen nicht nur den Pepp. Denn auch die Materialauswahl und die Verarbeitung wirkt eine Klasse unter dem, was der neue Cube bietet.
Die Armaturenlandschaft ist trist, das CD-Radio bietet keinen Aux-Anschluss, geschweige denn einen USB-Adapter. Auch gegen Extrabezahlung gibt es weder Bordcomputer noch Tempomat, keine Freisprecheinrichtung und auch kein Glasdach. Dabei sind gerade das Dinge, die junge Autokäufer erwarten. Mit blauen LED-Ringen rund um die Türlautsprecher versuchen die Japaner etwas Juveniles in den Innenraum zu bringen – vergeblich.
Bei der Sitzposition nehmen sich beide nicht viel: Gut ist sie weder hüben noch drüben. Gründe dafür: Die Lenkräder lassen sich lediglich in der Höhe justieren, die Polster sind zu weich, zu kurz und ohne Kontur.
Flotte Maschinchen
Etwas konturlos wirkt auch das Getriebe des Daihatsu. Fünf Gänge bieten beide, im Cube lassen sich diese deutlich exakter sortieren. Der 103-PS-starke Daihatsu hat bei den Fahrmessungen leichte Vorteile, wiegt er doch fast 200 Kilogramm weniger als der 110-PS-Cube. Kurzweilige elf Sekunden gönnen sie sich in etwa für den Sprint aus dem Stand bis Tempo 100. Auch darüber geht’s munter weiter. Die Fahrleistungen reichen objektiv betrachtet, vollkommen aus.
Das kann man von den Trinksitten hingegen nicht behaupten. Verwunderlich ist auch, dass der Materia den Gewichtsvorteil nicht in einen Verbrauchsvorteil ummünzen kann. Mit 8,1 Liter Super braucht er sogar mehr als der Nissan (7,6 Liter). Die hoch aufbauende Form hilft eben definitiv nicht beim Sprit sparen. Werte von unter sieben Liter sind realisierbar, bedeutet bei beiden aber den Verzicht auf Geschwindigkeiten oberhalb von 120 km/h.
Das ist im Prinzip aber nicht sonderlich tragisch. Denn vor allem der Materia wird im oberen Geschwindigkeitsbereich laut und es dringen sowohl Motor als auch Wind vernehmlicher an die Ohren der Insassen, als im ähnlich schnellen Cube. Da merkt man dann, wo zum Teil das Zusatzgewicht hin gepackt wurde.
Sattere Straßenlage beim Nissan Cube
Die Pfunde spürt man übrigens auch beim Fahren, denn der Nissan Cube liegt deutlich satter auf der Straße, das Fahrwerk ist ruhiger und federt angemessen komfortabel; lediglich bei schneller Fahrt und sanften Anregungen neigt er zum hoppeln. Der Daihatsu ist wendiger, poltert bei Straßenschäden aber unschön und wirkt auf der Autobahn zerbrechlicher.
Bei der Sicherheit gibt es erst einmal kaum Differenzen. Beide Fahrzeuge stehen nach kurzen 38 Metern, besitzen ab Werk sechs Airbags und ABS; nur ESP kostet im Daihatsu saftige 650 Euro extra. Im Nissan ist der Lebensretter serienmäßig an Bord. So kommt es, dass der Preisunterschied für die Basisversionen der beiden Kontrahenten nur noch 350 Euro beträgt.
Technische Daten |
| Marke und Modell | Daihatsu Materia 1.5 | Nissan Cube 1.6 | |||
| Ausstattungsvariante | |||||
| Abmessung und Gewicht | |||||
| Länge/Breite/Höhe (mm) | 3.800/1.690/1.635 | 3.980/1.695/1.670 | |||
| Radstand (mm) | 2.540 | 2.530 | |||
| Wendekreis (m) | 9,8 | 10,2 | |||
| Leergewicht (kg) | ab 1.035 | ab 1.230 | |||
| Kofferraum (Liter) | 181 - 294 | 260 - 460 | |||
| Bereifung Testwagen | 185/55 R15 Bridgestone | 195/55 R16 Toyo | |||
| Motor | |||||
| Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart) | 1.495 / 4, Reihe | 1.598 / 4, Reihe | |||
| Leistung (PS) | 76 (103) | 81 (110) | |||
| Drehmoment (Nm) / Umdrehungen | 132 bei 4.400 | 153 bei 4.400 | |||
| Antriebsart | Front | Front | |||
| Getriebeart | 5-Gang-Handschaltung | 5-Gang-Handschaltung | |||
| Verbrauch | |||||
| Krafstoffart | Super | Super | |||
| Kombiniert laut Werk (l/100km) | 7,2 | 6,6 | |||
| CO2-Emissionen (g/km) laut Werk | 169 / Euro 4 | 151 / Euro 5 | |||
| AS24-Verbrauch (l/100km) | 8,1 | 7,6 | |||
| Fahrleistungen | |||||
| Werksangabe 0-100km/h (s) | 10,8 | 11,3 | |||
| AS24-Sprint 0-100km/h (s) | 10,9 | 11,2 | |||
| AS24-Bremstest 100-0km/h (m) | 38,5 | 37,9 | |||
| AS24-Höchstgeschwindigkeit (km/h) | 183 | 175 | |||
| Preise | |||||
| ab (Euro) | 16.990 | 18.000 | |||
| Empfohlene Extras | ESP (650 Euro), Metallic-Lack (390 Euro) | Metallic-Lack (450 Euro) | |||
|
Vergrößern
Verkleinern
|
|||||
Fazit
Der Kauf von Nissan Cube oder Daihatsu Materia ist meistens nicht rational begründbar. Man kauft einen der Ulknudeln, weil man auf das Aussehen steht. Womit die Entscheidung extrem subjektiv getroffen wird und meist schon im Voraus fest steht.
Sollten rationale Aspekte mit einspielen, überzeugen beide Kandidaten mit einem tollen Platzangebot und vertretbaren Preisen. Aber: Der Nissan Cube ist das deutlich modernere Auto mit besserer Ausstattung und einzigartigen Details. Das hat wohl auch Daihatsu bemerkt, denn seit Kurzem und bislang nur als Aktion bis zum 30.06.2010 angekündigt, gibt es für „ausgesuchte und sofort verfügbare“ Materia einen Preisvorteil von bis zu 2.900 Euro. Daihatsu würde gut daran tun, diesen Preis als allgemeingültig festzusetzen, denn sonst wird ihm der Cube die paar wenigen Kunden in Zukunft auch noch abgreifen. Denn der Nissan ist nicht nur moderner sondern auch ein bisschen ulkiger.
Alfa Romeo Aston Martin Audi Auto und Recht Bentley BMW Cadillac Chevrolet Chrysler Citroën Dacia Daihatsu Dodge Ferrari Fiat Ford Honda Hyundai Infiniti Jaguar Jeep Kia Lada Lamborghini Lancia Land Rover Lexus Lotus Maserati Mazda Mercedes-Benz Mini Mitsubishi Nissan Opel Peugeot Porsche Renault Rolls Royce Saab Seat Skoda Smart SsangYong Subaru Suzuki Toyota Volkswagen Volvo
Cabrios Carsharing Erstkontakt Erlkönige Elektromobilität Frühjahr Gebrauchtwagen Geld Grenzbereich Messen Motorrad Neuheiten Offroad Ratgeber Kommentare Recht Reise Reifen Specials Sicherheit Sportwagen SUV Technik Tests Tuning Umwelt Vergleichstests Winter
24.05.2012
Bericht: AMI Leipzig 2012 - Allerlei aus Leipzig: Die Leipziger Automesse ist 2012 die größte Branchenschau in D... http://t.co/2DgaeUEX
24.05.2012
Kaufberater: Youngtimer-Cabrio BMW 3er - Der Sommer Deines Lebens III: Lust auf Sommer und Frischluft-Vergnügen?... http://t.co/cbjQ5Qa5
Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen
Sie sicher mit unseren Tipps.