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Galerie: Vergleichstest Daihatsu Terios vs. Jeep Grand Cherokee

Vergleichstest: Daihatsu Terios vs. Jeep Grand Cherokee

Was der eine gerne hätte ...

11.01.2011

Es ist doch oft so: Man möchte gerne haben, was man nicht hat. Das ist vielleicht ein Urtrieb des Menschen und der lässt sich nur selten abstellen – in unserer Gesellschaft zumindest. Ein Paradebeispiel sind der Daihatsu Terios und Jeep Grand Cherokee. Beide gehören in die Kategorie Geländewagen. Der eine winzig, der andere gewaltig, der eine günstig, der andere teuer, der eine … Alles zusammen klappt eben meist nie.

Der im Frühjahr 2010 geliftete Daihatsu Terios 1.5 Top S 4WD ist ein echter Mini-Geländegänger. Er sieht so aus wie man sich einen kleinen Offroader (4,09 Meter lang) vorstellt. Kurze Überhänge, Kotflügelverbreiterungen aus Kunststoff, das Ersatzrad außen am Heck, schmal gebaut (1,69 Meter), hoch gewachsen (1,73 Meter) und damit auch irgendwie ein bisschen unförmig.

Das genaue Gegenteil davon ist der Jeep Grand Cherokee V6. Er sieht nicht nur imposant aus, er ist es mit 4,82 Meter Länge, 1,94 Meter Breite und 1,78 Meter Höhe auch. Seine Überhänge sind nicht mehr ganz so Offroad-perfektioniert wie die des Terios, dafür aber kann er mit einer Untersetzung (4WD Low) und verschiedenen Fahrmodi auftrumpfen, die je nach Untergrund die Kraftverteilung des Allradantriebs und die Willigkeit von Automatikgetriebe und Gaspedal verändern.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Daihatsu Terios 1.5   Jeep Grand Cherokee 3.6 V6
    Top S 4WD   Overland
Motor        
Hubraum (ccm) / Bauart   1.495 / R4   3.604 / V6
Leistung (kW / PS)   77 / 105   210 /286
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   140 / 4.400   347 / 4.300
Antriebsart   Allrad   Allrad
Getriebeart   manuelles Fünf-Gang-Getriebe   Fünf-Gang-Automatik
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.095 / 1.695 / 1.730   4.822 / 1.943 / 1.781
Radstand (mm)   2.580   2.915
Wendekreis (m)   10   11,6
Leergewicht (kg)   ab 1.235   ab 2.266
Kofferraum (Liter)   380   782 - 1.554
Bereifung Testwagen   235/60 R16 Semperit   265 / 50 R20 Nokian
Verbrauch        
Krafstoffart   Benzin   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   7,7   11,4
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   179 / Euro 5   265 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   8,5   12,5
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   12,4   9,1
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k .A.   k .A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k .A.   k .A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   160   206
Preise        
ab (Euro)   22.990,00   52.850,00
Empfohlene Extras   Metallic-Lackierung (410 Euro)   Metallic-Lackierung (800 Euro)
 
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Kraxeln, sperren, verschränken und wühlen

Die Low-Range genannte Funktion fehlt dem Daihatsu, der justierbare Allradantrieb selbstverständlich auch. Er kann lediglich das Mittendifferenzial sperren – auf Knopfdruck –, was ihm in gewissen Situationen (weiter-) helfen soll. Der Grand Cherokee kann alle Register des Geländefahrens ziehen, was ihm in dieser Hinsicht einen Vorsprung, auch mit klassenähnlichen Fahrzeugen, gibt. Erstaunlich ist aber dennoch, wie der kleine Daihatsu kraxelt, sperrt, verschränkt und wühlt. Irgendwie erinnert das an einen Terrier – passt ja zum Namen.

Galerie: Vergleichstest Daihatsu Terios vs. Jeep Grand CherokeeDiese Fähigkeiten besitzt der Grand Cherokee auch, doch seine Verschränkung ist geringer, ein Rad hängt früher in der Luft und so muss oft die Regelelektronik weiterhelfen, was ihr in den allermeisten Fällen klaglos gelingt.

Keine Elektronik gibt es hingegen bei den Fahrwerken. Terios und Grand Cherokee V6 vertrauen auf mechanische Handwerkskunst in Form von Stoßdämpfern, Stahlfedern und Stabilisatoren. Die gewählte Abstimmung der Bauteile ist sowohl beim Daihatsu als auch beim Jeep straff ausgefallen. Der Terios hoppelt auch aufgrund seines kurzen Radstandes oft unruhig vor sich hin. Dank seines Allradantriebs fühlt er sich bei Kurvenfahrten sicher an und bleibt gut beherrschbar, bevor in Notsituationen das serienmäßige ESP eingreift. Der Schleuderschutz ist deaktivierbar und wird beim Einschalten der Mittelsperre (Taste links neben der Spiegelverstellung) automatisch ausgeschaltet.

Kein Schaukeln, kaum Wanken

Galerie: Vergleichstest Daihatsu Terios vs. Jeep Grand CherokeeDer Jeep gibt sich ebenfalls verbindlich. Das Schaukeln und Wanken von damals existiert beim Neuzeit-Modell, das auf dem aktuellen Mercedes ML aufbaut, nicht mehr. Der Jeep Grand Cherokee 2011 ist fast schon sportlich, wenngleich sein Gewicht stets zu spüren ist. Ein Geheimnis seiner – unter SUV-Maßstäben vorhandenen – Agilität liegt aber auch in seinen mächtigen 20-Zoll-Reifen begründet. Die 265-Millimeter-Nokian-Hakkapeliitta Winterpneus verbeißen sich dabei in den kalten Asphalt und lassen hohe Querkräfte mit gutem Fahrgefühl zu.

Beim Jeep ist das ESP übrigens trotz vorhandenem Knopf nicht wirklich abschaltbar. Der Schleuderwächter bleibt stets im Hintergrund aktiv, lässt aber im „Off-Modus“ dezente Driftwinkel zu und erleichtert damit das Fahren abseits befestigter Wege. Dennoch hat die Elektronik die Oberhand. Gleiches gilt für das von Mercedes entliehene automatische Fünf-Gang-Wandlergetriebe des Jeep.

Zu lang

Galerie: Vergleichstest Daihatsu Terios vs. Jeep Grand CherokeeAuf der Autobahn nervt die viel zu lange Übersetzung, die bei Tacho 160 nur bergab oder bestenfalls auf ebener Fahrbahn den fünften Gang zulässt. Meist juckelt der Grand Cherokee im vierten, an leichten Steigungen sogar im dritten Gang umher. Da hilft dann auch das manuelle Schalten in den nächsthöheren Gang nichts, die „intelligente“ Automatik überstimmt den dummen Fahrer. Warum? Nun, das ist einfach erzählt.

Der fein surrende V6-Motor hat schlicht und ergreifend zu wenig Kraft. Zwar stehen knapp 290 PS Leistung parat, auf der Drehmomentseite sind es jedoch nur 347 Newtonmeter, die erst ab hohen 4.300 Umdrehungen abgerufen werden können. Nicht viel für mehr als 2,3 Tonnen US-Metall inklusive menschlicher Materie. So merkt man auch beim Beschleunigen, dass nicht Leistung alleine zählt. Die Kehrseite der Medaille: Ein Testverbrauch von 12,5 Liter bei Geschwindigkeiten unter 140 km/h und 17,5 Liter bei moderatem Tempo um 160 km/h; 206 sind möglich.

Galerie: Vergleichstest Daihatsu Terios vs. Jeep Grand CherokeeDie ganz andere Schiene fährt, wie sollte es anders sein, der Daihatsu Terios. Sein 1,5-Liter-Vier-Zylinder-Benziner hängt fein am Gas, die 105 PS sind ausreichend, um den 1.235 Kilogramm leichten Allradler in gut zwölf Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen und den Zwerg bei Bedarf echte 160 km/h schnell zu machen. Theoretisch, denn in der Praxis ist es kein Vergnügen, Geschwindigkeiten von 130 km/h und mehr zu fahren. Das manuelle Fünf-Gang-Getriebe ist bei ihm deutlich zu kurz übersetzt, die Drehzahl dadurch zu hoch, die Lautstärke fast ohrenbetäubend. Die Zähne, die im Jeep-Getriebe zu viel vorhanden sind, könnte der Terios gebrauchen. Immerhin begnügt sich der Kleine auch so mit 8,5 Liter Super im Testmittel.

Günstig, zumindest sieht es so aus

Galerie: Vergleichstest Daihatsu Terios vs. Jeep Grand CherokeeDass der Terios keine Granate für Langstrecken ist, sollte klar sein. Seine Sitze sind Stühle; wahrhafte Ergonomie sucht man vergebens. So ist die Sitzverstellung gering, die Lenkrad-Variabilität auf ein Minimum beschränkt (hoch-runter-fertig) und so passt alles nicht wirklich gut. Immerhin gibt es ausreichend Platz für normalgewachsene Mitteleuropäer.

Bei der Ausstattung muss sich Daihatsu gar nicht verstecken. In der Top S-Version gibt es unter anderem Sitzheizung, Klimaautomatik, Lenkradfernbedienung, sechs Airbags sowie ESP, ein MP3-CD-Radio und beispielsweise Alufelgen und Nebelscheinwerfer. 23.000 Euro rufen die Japaner für ihren Luxus-Terios auf.

Galerie: Vergleichstest Daihatsu Terios vs. Jeep Grand CherokeeIm serienmäßig voll ausgestatteten, exakt 30.000 Euro teureren Jeep Grand Cherokee V6 sieht die Sache mal wieder komplett anders aus. Er ist wohnlich, luxuriös, echt schick und hat viel Platz – vorne wie hinten. Gut verarbeitet ist er mittlerweile auch und die Bedienung bis auf wenige Ausnahmen intuitiv. Als störend erweisen sich lediglich einige Funktionen des Navigationssystems und das Fehlen der Tipp-Funktion für einmaliges Betätigen des Scheibenwischers. Der Bedienhebel stammt übrigens – wie der Zündschlüssel, der in der Hosentasche verweilen kann – von Mercedes.

Fazit

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Hü oder hott, Flop oder Top, teuer oder billig, gut oder schlecht, Daihatsu Terios oder Jeep Grand Cherokee? Niemand wird sich diese Frage wirklich stellen, zu groß sind die Unterschiede zwischen den Autos. Alle, bis auf einen. Beide Fahrzeuge bringen Ihre Insassen vernünftig, trocken, sicher ans Ziel, auch wenn dieses deutlich abseits befestigter Wege liegen sollte. Der eine eben luxuriöser, der andere deutlich günstiger.

Wahrscheinlich werden aber dennoch mehr Terios-Insassen bewundernd zum Grand Cherokee heraufschauen, als dass Jeep-Fahrer sich den Verbrauch und den Kaufpreis des Terios herbeisehnen. An der Tankstelle tut der Jeep aber – je nach Gasfuß – echt weh.

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