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Galerie: Vergleichstest Infiniti M35 Hybrid vs. Lexus GS 450h

Vergleichstest: Infiniti M35 Hybrid vs. Lexus GS 450h

Die andere E-Klasse

20.11.2012

Infiniti und Lexus spielen hierzulande so gut wie keine Rolle, vor allem in der oberen Mittelklasse ist der Markt fest in deutscher Hand: Nissans Nobeltochter konnte 2012 bislang knapp 800 Autos absetzen, Toyotas edler Sprössling Lexus kommt immerhin auf 2.300. Mercedes verkauft alleine mehr E-Klassen pro Monat als die beiden Japaner insgesamt zusammen im ganzen Jahr. In der E-lektro-Klasse sind sie mit ihren Hybrid-Limousinen dennoch nicht zu vernachlässigen.

Der Infiniti M35 Hybrid und der Lexus GS 450h treten beide in der gehobenen Knapp-5-Meter-Limousinen-Klasse an, in der mittlerweile auch Audi, BMW und Mercedes mit Hybrid-Modellen von A6, 5er und E-Klasse präsent sind. Was die beiden Japaner von der deutschen Konkurrenz abhebt: Sie sind nicht zuletzt wegen ihrer Seltenheit eindeutig die Hingucker im Straßenverkehr.

Schwülstig oder sportlich

Galerie: Vergleichstest Infiniti M35 Hybrid vs. Lexus GS 450hDer Infiniti besticht mit einer barockartig skulpturalen Form, die Kotflügel sind deutlich höher als die gewölbte Motorhaube, der Kühlergrill steht steil im Fahrtwind und die geschwungene Linie entlang der Flanke schafft es trotzdem, dem M eine gewisse Leichtigkeit zu verleihen. Nicht weniger verschnörkelt, aber deutlich kantiger tritt der Lexus GS auf, dessen Hingucker sicherlich der konkave Kühlergrill und die scharf geschnittenen LED-Scheinwerfer sind. Vor allem in der von uns getesteten F-Sport-Version mit größeren Lufteinlässen und einem Heckspoilerchen fällt der Lexus auf.

Wer beim Wort Hybrid an spartanische Sparmodelle denkt, der täuscht sich. Beide haben einen V6-Motor unter der Haube, der schon alleine reichlich Fahrspaß bescheren könnte. Infiniti holt aus dreieinhalb Litern Hubraum 306 PS, Toyota entlockt seinem gleichgroßen Aggregat 292 Pferdestärken. Das Drehmoment liegt beiderseits bei rund 350 Newtonmeter, allerdings erst jenseits der viereinhalb tausend Umdrehungen.  

Schergewichte

Galerie: Vergleichstest Infiniti M35 Hybrid vs. Lexus GS 450hUnten rum sorgen die E-Motoren für ordentlichen Schub, sie steuern quasi aus dem Stand weg rund 270 Newtonmeter bei. Die zusätzliche Technik lässt allerdings nicht nur die addierte Systemleistung auf 345 (Lexus) beziehungsweise sogar 364 PS (Infiniti) steigen, sondern erhöht auch das Gewicht um gut 100 Kilogramm. 1.855 Kilogramm bringt der leere Lexus mit schwerem Nickel-Metallhydrid-Akku auf die Waage; der Infiniti wiegt trotz kleinerer und leichterer Lithium-Ionen-Batterie mit 1.830 Kilogramm nur unmerklich weniger.

Den in den Akkus gespeicherten Strom nutzen die beiden Vollhybride mit Hinterradantrieb nicht nur als Extra-Power, sondern auch zur rein elektrischen Fortbewegung. Der Lexus teilt sich seine 2,6 Kilowattstunden besser ein und stromert zwar maximal 64 km/h schnell, dafür aber im Idealfall bis zu vier Kilometer. Solange reichen die nur 1,4 Kilowattstunden des Infiniti in keinem Fall, zumal der Nobel-Nissan bis zu 100 km/h schnell elektrisch fahren darf. Immer vorausgesetzt, der Fahrer äußert keinen nachdrücklichen Beschleunigungswunsch.

Eco- und Sportmodus

Galerie: Vergleichstest Infiniti M35 Hybrid vs. Lexus GS 450hIn der Regel wird der Verbrenner schon wenige Meter nach dem Losfahren angeworfen, wer sich aber darauf konzentriert, kommt durchaus ein paar Blöcke weit, ohne einen Tropfen Benzin zu verbrauchen. Dabei helfen soll beiderseits ein Eco-Modus, der dem Gaspedal die Sensibilität nimmt sowie ein EV-Modus, der das elektrische Fahren erzwingt, solange es möglich ist.

Das Gegenteil vom Öko-Betrieb ist bei beiden der Sport-Modus; Lexus-Fahrer können in Verbindung mit dem adaptiven Fahrwerk sogar Sport+ wählen, was zu einer strafferen Abstimmung und deutlich mehr Spaß in Kurven führt als beim Infiniti, dem hohe Querbeschleunigung nicht ganz geheuer ist. Während der Infiniti eine eher unpräzise Lenkung bietet, überträgt der F-Sport den Richtungswunsch des Fahrers sogar an alle vier Räder; das sorgt für ein deutlich direkteres Einlenken und mehr Spurstabilität.

Wandlerautomatik gegen stufenlose Getriebe

Galerie: Vergleichstest Infiniti M35 Hybrid vs. Lexus GS 450hMit dem Sportmodus ändert sich beim Lexus auch das linke der drei Rundinstrumente von einer Leistungs-Abfrage-und-Akku-Lade-Anzeige zu einem klassischen Drehzahlmesser. Die Auswirkung aufs Fahrverhalten sind dagegen bei beiden gleich: Beide sprechen schneller an, beide verzichten darauf, den Benziner zwischenzeitlich abzuschalten. Das nämlich passiert sonst beim gemütlichen Dahingleiten, wenn die Kraft des E-Motors ausreicht, um die Geschwindigkeit zu halten.

Fordert man den sportlichen Ehrgeiz heraus und lässt man E-Motor und V6-Benziner Hand in Hand gehen, schnellt der M35h in 5,5 Sekunden auf Tempo 100. Für kraftschlüssige Schaltvorgänge sorgt dabei eine Siebengang-Wandlerautomatik, die ihrem Job gewissenhaft nachgeht, hin und wieder aber die Gänge etwas ruppig einlegt. Im Lexus übernimmt die Arbeit ein stufenloses Getriebe, das keinen großen Wert auf hohe Drehzahlen legt und die Kraft so dosiert, dass der GS in nur geringfügig langsameren 5,9 Sekunden die 100er-Marke erreicht. Die gleichbleibend sonore Klangkulisse irritiert dagegen etwas.

Äußerst elastisch

Galerie: Vergleichstest Infiniti M35 Hybrid vs. Lexus GS 450hÄhnlich beeindruckend wie der rasante Ampelstart und mindestens genauso schlecht für die Verbrauchswerte ist die Elastizität, die die Kombination aus E-Motor und Benziner an den Tag legt. Selbst bei 200 km/h quittieren beide den Wunsch nach noch mehr Tempo mit spürbarer Beschleunigung. Auch der klassische Zwischensprint von 80 auf Tempo 120 ist kurzweilig; knapp unter vier Sekunden dauert er beim Infiniti, 4,1 Sekunden braucht der Lexus.

Das macht so viel Spaß, dass man den zuvor mit behutsamem Streicheln des Gaspedals nahe an die Norm gedrückten Durchschnittsverbrauch schnell aus den Augen verliert und dieser dann gerne auch mal in den zweistelligen Bereich steigt. Vor allem beim Infiniti, der mit 6,9 Litern schon im europäischen Testzyklus einen Liter mehr konsumiert als der Lexus, ist die zehn vor dem Komma keine Seltenheit.     

Head-up-Display oder Waldluft

Galerie: Vergleichstest Infiniti M35 Hybrid vs. Lexus GS 450hAber auch zum spritsparenden, gemütlichen Dahingleiten eigenen sich beide Limousinen vortrefflich. Mit seiner komfortableren Federung und seinen nur 18 statt 19 Zoll großen Rädern sticht der Infiniti hier den Lexus sogar noch aus; letzterer stolpert gern mal über kurze Anregungen. In beiden herrscht gediegenes, ruhiges Ambiente, vor allem wenn die Hybriden dahinsegeln, wird es richtig leise und auf den großen Lederpolstern lässt es sich entspannen.

Galerie: Vergleichstest Infiniti M35 Hybrid vs. Lexus GS 450hGewöhnen müssen sich hiesige Fahrer allerdings an die typisch japanische Flut von Schaltern, die jeweils die Mittelkonsole und das Lenkrad einnehmen; und an die futuristische, aber etwas umständliche Bedienung des Lexus-Navigations-Systems per Joystick. Die Touchscreen-Methode im Infiniti ist intuitiver. Moderne Sicherheitsfeatures wie Abstandtempomat oder Totwinkel-Warner gibt es bei beiden, der Lexus bietet als Highlight ein Head-up-Display, der Infiniti einen Luft-Ionisator mit Waldduft.

Wenig Platz

Galerie: Vergleichstest Infiniti M35 Hybrid vs. Lexus GS 450hWas man allerdings in Kauf nehmen muss, sind etwas beengte Verhältnisse auf der Rückbank und relativ kleine Kofferraume, denn die höher auf der Hinterachse platzierten Batterien nehmen Platz weg - im Infiniti mehr als im Lexus. Der M35h wartet mit kleinen 350 Litern Platz auf, in den GS 450h passen immerhin 482 Liter. Umklappen lässt sich die Rückbank bei beiden nicht.

Galerie: Vergleichstest Infiniti M35 Hybrid vs. Lexus GS 450hDer geringe Stauraum ist aber nicht das einzige Opfer, das Hybrid-Fahrer bringen müssen. Sie müssen auch tiefer in die Tasche greifen. Gegenüber dem normalen M kostet der 55.490 Euro teure 35h rund 5.000 Euro mehr. Beim Lexus (ab 54.750 Euro) beträgt die Differenz zum allerdings deutlich schwächeren Nur-Verbrenner fast zehntausend Euro.

In der getesteten, quasi komplett ausgestatteten Linie GT Premium schlägt der Infiniti mit 61.590 Euro zu Buche; diesem Ausstattungsniveau entspricht in etwa der Lexus GS 450h Executive Line für 61.500 Euro. Wer allerdings die Option auf das riesige 12,3-Zoll-Display für das Navigation- und Entertainmentsystem haben will (1.150 Euro), muss zur Luxury Line greifen oder gleich zu der von uns gefahrenen F-Sport-Version - inklusive der adaptiven Dämpfer, Allradlenkung, sportlichen Anbauteilen und Voll-LED-Scheinwerfer kostet der GS dann stolze 71.800 Euro.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Anders sind sie beide: Schon optisch fallen Lexus GS und Infinit M aus der Reihe, der eine ist eher sportlich, der andere fast schon schwülstig. Was die Außenhaut verspricht, hält das Fahrverhalten ein: Der Lexus ist der agilere, der sich nicht zuletzt dank Allradlenkung schnittiger um die Kurve bewegen lässt, der Infiniti bietet dafür den höheren Komfort.

Die Leistung der beiden Doppelherzen liegt auf dem gleichen Niveau, dass der Infiniti beim Standardsprint eine Sekunde schneller ist, merkt man im Alltag nicht. Bei beiden beeindruckt die Elastizität, also der nachdrückliche Schub, den sie auch beim Beschleunigen aus hohen Geschwindigkeiten heraus noch an den Tag legen. Beide bedienen sich dann allerdings kräftig am Spritvorrat. Den Normwert erreichen sie nur mit Mühe, insgesamt ist der Lexus mit stufenlosem Getriebe aber etwas sparsamer als der Infiniti mit ruppiger Siebengang-Automatik. In der höchsten Ausstattung kostet der GS allerdings auch zehntausend Euro mehr.
 
 

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