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Galerie: Vergleichstest Jaguar XF vs. BMW 525d

Vergleichstest: Jaguar XF vs. BMW 525d

Die Magie des Designs

18.03.2008

Kaum ist er auf dem Markt, schon muss sich der Jaguar XF mit 2,7-Liter-Diesel gegen den Platzhirsch der oberen Mittelklasse, den BMW 525d, im Test behaupten. Was der neue Jag gegen BMWs Allzweckwaffe in der elitären Businessklasse ausrichten kann, lesen Sie hier.

Jaguar-Automobile sind unmodern, haben ein spießiges Design und sind verspielt. So das Vorurteil. Doch auf der Insel ticken die Uhren jetzt anders.

Progressives Styling

Galerie: Vergleichstest Jaguar XF vs. BMW 525dAls Jaguar im Spätsommer letzten Jahres den progressiv gestylten S-Type-Nachfolger namens XF vorstellte, wurde es unter eingefleischten Jag-Fans laut: „ Was ist denn daran noch Jaguar? Der sieht doch aus wie ein Japaner!“ Weitere verbale Abstrafungen musste der neue Gentleman über sich ergehen lassen.

Doch das Design des XF gewinnt mit der Zeit. Es werden Parallelen zu anderen Jaguar-Modellen offensichtlich. Die fließenden Linien verleihen ihm zudem die Aura eines viertürigen Coupés, ohne dass dies extra gesagt werden müsste. Die Front- und die Heckscheibe haben die gleichen Winkel wie beim Sport-Coupé XK, die katzenhafte Dynamik sieht man ihm schon im Stand an.

Altbackene Optik

Galerie: Vergleichstest Jaguar XF vs. BMW 525dGanz anders der BMW. Die Form folgt der Funktion, wenngleich man sich im Falle des Fünfers ganz gut damit arrangieren kann. Klar, nach äußeren Bewertungsmaßstäben sieht der Bayer in direkter Nachbarschaft zum XF alt aus. Sehr alt sogar. Da hilft auch das vor rund zwei Jahren erfolgte Kleinst-Facelift nichts.

Aber es sind eben nicht nur die Äußeren Werte, die zählen. Käufer in diesem Segment möchten neben hochwertigem, zeitlosem Design auch fühlen, schnuppern, sehen, hören und spüren, dass sie in einem Upper-Class-Auto unterwegs sind.

Größenwahn

Beide Fahrzeuge besitzen einen üppig dimensionierten Innenraum. Davon sollte man angesichts der Abmessungen ja ausgehen können. Der Brite misst von Bug bis Heck immerhin 4,96 Meter. Von Kotflügel bis Kotflügel sind es fast 1,90 Meter. Damit schlägt er größenmäßig eine Brücke zur Oberklasse. Ein Lexus LS 460 beispielsweise ist bei identischer Breite nur sieben Zentimeter länger.

Galerie: Vergleichstest Jaguar XF vs. BMW 525dDer bayerische 525d übt sich diesbezüglich in schottischer Sparsamkeit. Zwölf Zentimeter ist er kürzer und vier Zentimeter schmaler als der XF, was er sich im Innenraum nicht anmerken lässt. Das Raumgefühl ist sogar besser. Sitzt man beim BMW an ziemlich gerade aufragenden Seitenscheiben, engt die nach oben hin verjüngende Karosserie des XF die Kopffreiheit etwas ein.

Reinhören

Ein sinnliches Erlebnis bieten die beiden Kontrahenten schon beim Reinsetzen. Leise surren die Elektromotoren beim Anpassen der sanft knautschenden Ledersitze. Das satte Schließen der Türen ist vergleichbar mit dem Schließen einer Panzertür und vermittelt Geborgenheit.

Galerie: Vergleichstest Jaguar XF vs. BMW 525dNach dem Drücken des Startknopfes beginnt in beiden ein dumpfes Grummeln, das daran erinnert, dass bei der Motorwahl Vernunft oberste Priorität hatte. Die Diesel-Triebwerke Nageln vernehmlich. Innen weniger als außen. Vor allem aber in der Beschleunigungsphase heben die Sechszylinder ihre Stimme. Ihre Kontenance verlieren sie jedoch nie. Einen subjektiven Akustik-Unterschied zwischen den Premium-Diesel gibt es auch nicht. Gar nicht Premium ist das XF-Blinkergeräusch. Ein billiges Klacken, das eher zu einem LKW denn zu einem Luxusliner passt.

Wer Musik liebt, wird sich eventuell zum 2.460 Euro teuren Bowers & Wilkins Surround-Soundsystem hingezogen fühlen. Uns konnte die (ebenfalls englische) Hifi-Traditionsmarke jedoch gemessen am Aufpreis nicht vollends überzeugen. Etwas mehr Raumfülle und ein präziserer Klang vor allem im analogen Radiomodus wären wünschenswert.

Fühlen

Benchmark in Sachen Verarbeitung und Kunststoffauswahl ist BMW. Zu Meckern gibt es hier nichts. Da hat es jeder Konkurrent schwer. Der Jaguar zieht sich aber ganz beachtlich aus der Affäre. Sauber vernähtes Leder, griffiges Kunststoff und angenehmes Holz zeugen von Qualität. Detailverliebtheit beweisen die Engländer mit den beschrifteten Bedienstegen der Lüfterdüsen. „JAGUAR“ wurde dort „eingraviert“, damit man auch ja nicht vergisst, in welchen Schoß man sich begeben hat.

Dennoch fallen Pedanten einige schlecht entgratete Kunststoffteile und das Billigplastik am hinteren Doppel-Getränkehalter auf.

Sitzen

Galerie: Vergleichstest Jaguar XF vs. BMW 525dBewundernswert gut sind die Sitze im BMW. Allerdings kostet das im Testwagen montierte Komfortgestühl 2.010 Euro Aufpreis. Hier kann der Fahrer unter anderem die Schenkelauflage verlängern, die Seitenwangen an den Körper anpressen, die Rückenunterstützung verstärken und den Winkel der Sitzfläche verstellen. All das geschieht elektrisch und wird auf Wunsch gespeichert. Als Schmankerl lassen sich die Kopfstützen seitlich etwas einklappen. Eine Reminiszenz an Omas Ohrensessel und einfach saugemütlich.

Galerie: Vergleichstest Jaguar XF vs. BMW 525dUnd der Jaguar? Der hat serienmäßig elektrisch verstell- und beheizbares Ledergestühl. Seitenhalt ist vorhanden und eine ordentliche Sitzposition lässt sich auch hier flux finden. Man hat im direkten Vergleich allerdings das Gefühl, dass man im Jaguar auf den Sitzen hockt und im BMW mittendrin. Mit den BMW-Seriensitzen sieht die Sache wieder anders aus.

Hinten geben beide übrigens ein ähnliches Sitzbekenntnis ab: Die Fünfsitzer sind eigentlich nur Viersitzer, eine fünfte Person reist hier wie dort stiefmütterlich.

Knopflos

Wenig Verwandtschaft gibt es bei der Gestaltung der gesamten Armatureneinheit. Über das BMW i-drive muss kaum mehr eine Zeile verloren werden. Man hasst es oder man liebt es – letzteres jedoch erst, wenn man sich denn mal eingefuchst hat. Zugegeben, die Eingewöhnungsphase dauert lang, sehr lang sogar und die Erklärungen im Bordbuch zu diesem Thema sind dick, sehr dick sogar. Ebenso gewöhnungsbedürftig ist die Bedienung des aufpreispflichtigen Tempomats.

Galerie: Vergleichstest Jaguar XF vs. BMW 525dAnders im modern und klar gestylten XF. Die wichtigsten Bedienelemente verteilen sich traditionell platziert im mittleren Bereich des Armaturenbretts. Neu ist zusätzlich die Bedienung via Touch-Screen in dem auch das aufpreispflichtige Navigationssystem untergebracht ist. Ein Studium des Bordbuches ist netterweise nicht notwendig.

Geniales Bedienelement

Galerie: Vergleichstest Jaguar XF vs. BMW 525dSehr genial ist die Umsetzung des „Automatikwählhebels“. Schaltkulisse adé heißt es bei Jaguar von nun an. Ein silberner Drehknauf fährt sanft und verspielt aus der Mittelkonsole heraus, sobald die Zündung eingeschaltet wird. Die Bedienung ist superlogisch. Manuelle Schaltmöglichkeiten ermöglichen die Kunststoff-Schaltpaddles hinter dem Lenkrad.

Kleines Highlight im Wortsinne erlebt man beim Einschalten der XF-Innenbeleuchtung. Ein sanftes Vorbeistreichen, kein Berühren, der Innenleuchte reicht zum Ein- und Ausschalten des Lichts. Das ist elegant gelöst und erhöht die Sicherheit, da im Dunkeln das Suchen des Schalters entfällt.

Leistungsträger

Galerie: Vergleichstest Jaguar XF vs. BMW 525dDieselmotoren sind in der Businessklasse angesagt wie nie. So wird Jaguar nach eigenen Aussagen voraussichtlich 70 Prozent aller XF-Modelle als 2,7-Liter-Diesel ausliefern. Das Aggregat leistet mittels Biturbo-Aufladung 207 PS und beschleunigt den Briten auf 230 km/h.

Der 525d holt aus seinem Dreiliter-Selbstzünder nominell zwar nur 197 Pferde, dennoch reichen die aus, um an einem XF mit Vmax noch mit Schrittgeschwindigkeit vorbeizuziehen.

Drücken

Galerie: Vergleichstest Jaguar XF vs. BMW 525dGleich vorweg. Rund 200 Diesel-PS sind für diese Fahrzeugklasse perfekt. Hinzu kommt das Drehmoment von 435 Newtonmeter im XF respektive 400 im 525d, das in beiden Fällen bestens mit den Sechsgang-Automaten harmoniert.

So gewappnet rollen die 1,7-Tonner in rund acht Sekunden vom Stand auf 100 Sachen. Im direkten Vergleich hat der BMW allerdings stets seine Niere vorne. Egal in welchem Tempobereich, der eigentlich leistungsstärkere Jag kann nicht mithalten. Da jedoch der Fünfer laut Tacho mühelos die 250 km/h-Schwelle durchbricht, tun sich bei uns Zweifel auf, ob sich unter der Motorhaube des Presse-Testwagen nicht einige Pferdchen mehr als offiziell angekündigt, versammelt haben.

Sparen

Den Verbrauch gibt BMW mit 6,5 Liter Diesel an. Jaguar sagt, 7,5 Liter reichen dem XF für 100 Kilometer. Angeben ist das Eine, erfahren das Andere. Mit einem aerodynamisch günstigen CW-Wert von nur 0,28 durchschneidet der XF den Wind. Im Testmittel genehmigte er sich 9,1 Liter. Eigentlich ein echt guter Wert. Der BMW konnte dank teilweise vorhandener Efficient-Dynamics-Maßnahmen (Start-Stopp-Automatik gibt es für den 525d nicht) und einem Luftwiderstandsbeiwert von nur 0,27 mit asketischen 8,0 Liter glänzen.

Federn

Galerie: Vergleichstest Jaguar XF vs. BMW 525dEin etwas unfairer Vergleich bahnt sich beim Thema Fahrkomfort an. Der XF reiste mit aufpreispflichtigen 19-Zoll-Felgen und 245er-Reifen zum Termin an, der BMW stand auf Vergleichsweise mickrigen 225/50 R17 Rädern (Serie 16 Zoll). Das bedeutet schon mal, dass der BMW die besseren Voraussetzungen in punkto Komfort hat.

Galerie: Vergleichstest Jaguar XF vs. BMW 525dDer grundsätzlich straffe Bayer dämpft so, wie man es von einem BMW erwartet: sportlich komfortabel. Ähnliches versuchten auch die Jaguar-Ingenieure ihrem Beau anzueignen. Allerdings leidet der Langsamfahrkomfort unter den großen Rädern – etwas hölzern stakst er über Unebenheiten. Auf der Autobahn ist eine gewisse Stuckerneigung der Vorderachse zu spüren, die aber nicht stört und nur im direkten Vergleich zum BMW auffällt. Das Ergebnis kann also gerade unter dem Gesichtspunkt der Megabereifung durchaus überzeugen. Und serienmäßig rollt der XF ja auf schicken 17-Zöllern über die Straßen.

Unter sportlichen Aspekten lässt sich der Jaguar, wie schon viele seiner Vorfahren, flott um die Kurven bewegen. Die Lenkung agiert sehr leichtgängig und präzise. Wie am Strich gezogen eilt er neutral über kurvenreiche Landstraßen und bietet echten Fahrspaß. Der BMW ist hecklastiger ausgelegt und übersteuert auf ausdrücklichen Wunsch des Fahrers gerne mal. Doch das ESP wacht stets über all zu rüdem Treiben.

Spüren

Galerie: Vergleichstest Jaguar XF vs. BMW 525dZu spüren bekommt man den Luxus beider Fahrzeuge bei der Rechnung, die am Ende aufgemacht wird. Im Falle des XF werden wenigstens 49.370 Euro fällig, beim BMW mit Automatik sind es erst einmal günstige(re) 44.160 Euro.

Um das Ausstattungsniveau des Bayern allerdings auf das des Briten zu heben, müssen noch Einparkhilfe, Regensensor, Multifunktionslenkrad, Tempomat, Ledersitze inklusive Sitzheizung, schlüsselloses Zugangs- und Motorstartsystem und Bluetooth-Schnittstelle sowie getrennt umklappbare Lehnen der Rückbank geordert werden. Summiert man all das, ergibt sich ein kleiner Preisvorteil zugunsten des Jag. Wer hier wie dort noch Navigation, Bi-Xenon-Licht und andere Annehmlichkeiten hinzufügt, wird schnell die 60.000-Euro-Marke erreichen. Ein Preis, für den es vor nicht einmal zehn Jahren einen gut ausgestatteten BMW 730d mit knapp 200 PS und Automatik gab.

Fazit

Galerie: Vergleichstest Jaguar XF vs. BMW 525dJaguar hat – mal wieder – eines der schönsten und elegantes Fahrzeuge erschaffen, das mit ungewohnt progressivem Design gerade Neukunden zum Kauf animieren wird. Der Glühkerzen-Motor passt hervorragend in das Gesamtbild, wenngleich der Verbrauch geringer ausfallen sollte. Das Fahrverhalten ist agil, der Komfort trotz 19-Zoll-Megabereifung okay, empfehlenswerter sind 18-Zöller. Das Platzangebot im Innenraum ist generös, die Bedienung ist innovativ und selbsterklärend. Die Verarbeitung könnte hier und dort Feinschliff vertragen.

Der alte Haudegen 525d kann aus rationalen Gesichtspunkten das Meiste besser. Das i-drive und die Tempomat-Bedienung sind gewöhnungsbedürftig. Designtechnisch wirkt er neben dem XF jedoch schon altbacken. Und genau das ist die Chance des neuen Jaguars.

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