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Galerie: Vergleichstest Lamborghini Superleggera vs. Mercedes CLK Black Series

Vergleichstest: Lamborghini Superleggera vs. Mercedes CLK Black Series

Denn für Tempo sind sie gemacht

29.11.2007

Es ist früh am Morgen in Norditalien. Genauer, in der Nähe von Brescia. Noch genauer, auf dem Autodromo di Franciacorta. Nebel liegt über der Rennstrecke und es ist beruhigend still. In der Boxengasse parken bereits die Protagonisten des Tages, der Mercedes CLK 63 AMG Black Series und der Lamborghini Gallardo Superleggera. Zwei Höllenmaschinen mit jeweils mehr als 500 PS. Der Vergleich des Ballermanns gegen die Kreischmadame kann also beginnen.

Ein Sportmodell von Mercedes-Benz? Naja, versucht haben es die Schwaben des Öfteren, wirklich gelungen ist es ihnen nie. Zumindest bei den Modellen, die auch eine Straßenzulassung erhalten haben. Unterstützung bekommt Mercedes schon seit Jahren aus Affalterbach, wo die Sport-Depandance AMG zuhause ist. Dort werden Mercedes-Modelle veredelt und mit einer gehörigen Portion Extra-PS gegen die „böse“ Konkurrenz gewappnet. Mit dem supersportlichen, 507 PS starken CLK 63 AMG Black Series wollen die Schwaben nun ganz hoch hinaus. Einer der bereits etablierten Kontrahenten des Sport-Daimlers ist der Lamborghini Gallardo. In unserem Test in der gestrippten  Superleggera-Variante.

Erst einmal reinklemmen

Galerie: Vergleichstest Lamborghini Superleggera vs. Mercedes CLK Black SeriesSchon beim Einsteigen zeigt sich echte Sportatmosphäre. Beide Fahrzeuge besitzen Rennschalensitze ohne Seitenairbag-Schnickschnack. Das dünne Gestühl lässt sich lediglich in der Länge verstellen. Eine falsche Sitzposition ist somit fast unmöglich. Eingepfercht kauert man hinter dem jeweils handlich kleinen und griffigen Airbaglenkrad, das sich beim Benz sogar vollelektrisch justieren lässt. Im Schwaben findet sich sowieso jeder auf Anhieb zurecht. Die Bedienung ist typisch.

Galerie: Vergleichstest Lamborghini Superleggera vs. Mercedes CLK Black SeriesIm Superleggera ist zwar auch alles typisch, aber eben typisch Lamborghini und das hat es teilweise in sich. Beispiel Schaltung: In beiden Fahrzeugen werden die Gänge  entweder im Vollautomatik-Modus oder via Schaltpaddles am Lenkrad gewechselt. Der Rückwärtsgang beim Italiener schnallt nach kurzer Gedenksekunde mit einem spürbaren Ruck ein. Vorher mussten beide Schaltpaddles gezogen werden, um in „neutral“ zu gelangen. Erst dann kann links am Armaturenbrett der „R“-Knopf gedrückt werden. Etwas umständlich. Beim Benz klappt das via minimalistischem Aluminium-Wählhebel an gewohnter Stelle. Die Schaltpaddles drehen hier bei jeder Lenkbewegungen mit, beim Lambo verweilen sie stets an der selben Stelle. Welche Lösung besser ist, bleibt Geschmacks- und Gewöhnungssache.

Dann mal los

Nun gut, Anschnallen ist angesagt. Im CLK reicht der stumme Diener Namens Gurtbringer den Sicherheitsgurt. Genau so, wie in jedem anderen CLK auch. Etwas gelenkiger sollte man dagegen beim Einstecken des Gurtes in das Schloss sein. Richtig sportlich wird das Anschnallen im Gallardo. Der Vierpunktgurt kostet Zeit. Selbst Profis benötigen rund zehn Sekunden, bis alles sitzt und festgezurrt ist. Dafür ist das Abschnallen mittels zentralem Druckknopf in Bruchteilen einer Sekunde erledigt.

Galerie: Vergleichstest Lamborghini Superleggera vs. Mercedes CLK Black SeriesDen gesamten Innenraum des CLK trimmten die Affalterbacher auf leicht. Elektrisch verstellbare oder beheizbare Sitze vorne? Fehlanzeige. Sitze hinten? Nicht vorhanden. Armauflage in den Türen oder auf der Mittelkonsole? Gibt es nicht. Dafür aber leichtes Karbon, wohin das Auge auch blickt.

Auf die Spitze in puncto Gewichtsreduzierung treiben es aber die Italiener. Der Superleggera spart allein durch das Renngestühl rund 30 Kilogramm gegenüber der Normalbestuhlung. Hinzu kommt der Verzicht auf das Radio (!) und viele Karbonteile. Zum Glück ist die Klimaanlage noch vorhanden, denn heiß wird’s im Lambo sogar an kühlen Herbsttagen.

Endlich mal Motoren an machen

Galerie: Vergleichstest Lamborghini Superleggera vs. Mercedes CLK Black SeriesUnd wie sie anmachen! Beide Boliden starten auf Knopfdruck ihre gigantischen Hubraummotoren. Beim Benz sitzt dieser traditionell vorne, beim Lambo logischerweise im Heck. Achtender gegen Zehnzylinder, 507 versus 530 PS, 1.750 gegen fast schon asketische 1.330 Kilogramm Gewicht.  Nach Adam Riese bewegen also 289 PS eine Tonne Daimler-Gewicht und 398 PS können sich im Lambo mit der selben Last vergnügen.

Auch wenn dieser Unterschied sehr deutlich ist, nach vorn gehen beide wie blöd. Mit dem winzigen Gang-Wählhebelchen auf dem Mitteltunnel wird im Benz die Fahrstufe „D“ der modifizierten Wandlerautomatik AMG Speedshift 7G-Tronic vorgewählt. Wer möchte, kann nun noch die Taste für den Sport- oder den manuellen Schaltmodus wählen. Wir befinden uns auf der Rennstrecke, also wird das „M“ gedrückt und gleich noch ASR und ESP deaktiviert. Jetzt heißt es selbst schalten und beim Rausbeschleunigen aus Kurven gefühlvoll Gas geben. Der Motor dreht nämlich sehr willig in den Drehzahlbegrenzer.

Galerie: Vergleichstest Lamborghini Superleggera vs. Mercedes CLK Black SeriesAlso Bremse mit dem linken Fuß halten, mit dem rechten aufs Gas und „Standdrehzahl“ erhöhen. Jetzt blitzschnell vom Bremspedal. Die Hinterreifen – immerhin im Format und 285/30 R 19 – qualmen und der Geschwindigkeitszeiger steht schon bei 30 km/h. Der CLK aber hat sich noch keinen Millimeter nach vorne bewegt. Traktion wo bist du? Ein paar rauchende Radumdrehungen später entwickeln die Pneus  kleberähnliche Eigenschaften und der CLK schießt endlich vorwärts. Der Bodybuilder-Benz bollert aus 6,2 Liter Hubraum und vier Endrohren seine Freude am Fahren heraus. Vom tiefen Basssound bis zu stakkatoähnlichem Tackern bei hohen Drehzahlen reicht die Bandbreite. Immerhin sind gut 7.000 Touren machbar.

Begleitet wird die Beschleunigungsorgie mit einer rot blinkenden Tachoeinheit, die den Gangwechsel anmahnt. Also rechtes Schaltpaddle ziehen und weiter geht’s. Zack, zack und die Fuhre fährt schon 160. Puhh, durchatmen und kurz Revue passieren lassen. Okay, die 4,3 Sekunden für den Standardsprint waren das noch nicht. Aber angefühlt hat es sich auf jeden Fall danach und der Tag ist ja noch jung.

Der Lambo kann es besser

Galerie: Vergleichstest Lamborghini Superleggera vs. Mercedes CLK Black SeriesGleiches Spiel, anderes Fahrzeug. Auch im Lambo wird direkt die Traktionskontrolle deaktiviert und mit ihr das Anti-Schleuder-Programm. Denn schließlich wollen wir ja schleudern. Der fast fünf Liter große Zehnzylinder röhrt und röchelt im Heck, die Auspuffanlage stößt mit jedem Tritt aufs Gaspedal ein heißeres Husten aus. Fest verzurrt sitzt man wie in Abrahams Schoß. Noch schnell die „S“-Taste auf dem Mitteltunnel drücken – die Performance des Gallardo wird weiter geschärft – linken Fuß auf die Bremse, rechten Fuß … aber das kennen wir ja bereits.

Los geht’s. 3,8 Sekunden sind es laut Werk und die schafft eigentlich jeder. Launch-Control sei dank. Schlupffreier Vortrieb ist aufgrund des Allradantriebs sowieso stets vorhanden. Untermalt werden die Sprintorgien von einem ohrenbetäubendem Lärm. Superaggressiv, extrem sexy. Legal? Keine Ahnung, ist jetzt auch vollkommen egal.

Galerie: Vergleichstest Lamborghini Superleggera vs. Mercedes CLK Black SeriesDem Lamborghini Gallardo Superleggera gehen Geräuschemissions-Vorschriften offensichtlich vollkommen am Abgasstrang vorbei. Der betörende Motorklang in Kombination mit dem Sound der offenen Abgasanlage ist phänomenal. Wer in die beiden armdicken Endrohre schaut, kann mit etwas Glück sogar bis in die Brennräume spähen, so leergeräumt scheint das System zu sein. Spaß beiseite. Der Lambo klingt einfach nur bestialisch gut.

Bitte mal fahren lassen

Galerie: Vergleichstest Lamborghini Superleggera vs. Mercedes CLK Black SeriesUm das ganze Potenzial solcher Fahrzeuge an- und auszutesten, geht kein Weg an der abgesperrten Rennstrecke vorbei. Auf öffentlichen Straßen kann man nicht ansatzweise in den Grenzbereich dieser Kisten fahren. Zumindest wenn man den Verkehrsregeln Beachtung schenkt. Wir haben daher für einen kompletten Tag die Rennstrecke Autodromo di Franciacorta (www.autodromodifranciacorta.it) in der Nähe von Brescia besetzt. Die Runde, gut 2,5 Kilometer lang, bietet von der langen Start-Zielgeraden über schnelle Kurvenpassagen bis hin zu langsamen Haarnadelkehren gute Voraussetzungen, um der Fahrphysik ein Schnippchen zu schlagen. Hier zeigt sich schon nach wenigen Metern, wer Herr des Rings ist.

Erstaunlich flink für einen Daimler

Der AMG fährt superschnelle Runden, die Lenkung ist so präzise, dass man meint, man säße in einem DTM-Fahrzeug. Die Exaktheit, mit der er die Strecke vermisst, ist herrlich. Er lenkt millimetergenau ein und durchpfeilt die Kurven wie an der Schnur gezogen. 75 Millimeter wurde der CLK im Vergleich zur Basis verbreitert. Das Gewindefahrwerk wurde aus dem Rennsport adaptiert und kann in alle Himmelsrichtungen verstellt und angepasst werden. Druck- und Zugstufe, Sturz und Spur sowie die Standhöhe sind variabel. Wohl dem, der weiß, an was er da dreht. Wir haben die richtige Einstellung gefunden.

Galerie: Vergleichstest Lamborghini Superleggera vs. Mercedes CLK Black SeriesPassend zum Fahrzeug fördert das gewählte Setup agiles, hecklastiges Fahren bei gleichzeitig vorhandenem Restkomfort. Mit ausgeschaltetem ESP – danke, es lässt sich tatsächlich komplett abschalten – können sehr flinke Runden nahe der Haftgrenze gefahren werden und mit einem Quäntchen mehr Leistungseinsatz lassen sich herrliche Drifts vollziehen.

Die mächtigen, 360 Millimeter messenden Bremsen an der Vorderachse erledigen die Energievernichtung zuverlässig und ohne Aufsehen. Der Druckpunkt des Bremspedals ist für einen Sportwagen zwar etwas weich, die Bremsleistung aber selbst nach heißem Gefecht über jeden Zweifel erhaben. Ein stimmiges Paket.

Umsteigen in die Bella Macchina

Galerie: Vergleichstest Lamborghini Superleggera vs. Mercedes CLK Black SeriesWie der Black Series, so tritt auch der Superleggera die Reise auf dem Oval in Norditalien an. Im Vergleich zum Normal-Gallardo hat der Superleggera (bedeutet übrigens superleicht) rund 100 Kilogramm abgespeckt. Der Asket aus Aluminium- und Karbon bringt satte 450 Kilogramm weniger auf die Waage als der CLK. Das ist zu spüren.

Nach ein paar Runden „Einschießen“ läuft der Lambo wie von alleine. Auch hier glänzt das ESP mit Abwesentheit und somit lässt sich das Heck des Allradlers – nur auf ausdrücklichen Wunsch – zum klassischen Schwenk überreden. Klar, der Lambo ist deutlich schneller unterwegs, alleine der Bremspunkt kann, je nach Kurve, um einige Meter weiter in Richtung Kiesbett verlagert werden. Die 365-Millimeter-Stopper packen brachial zu. Der Druckpunkt ist fest wie beim Tritt auf eine Holztreppe und man spürt, wie das Gehirn bei maximaler Verzögerung gegen den Schädel schwappt. Wahnsinn! Bei der Lenkung kann der Gallardo aber nicht ganz mithalten. Im direkten Vergleich gebührt ihr nur die Silbermedaille.

Fazit

Welchen nehmen? Wer sich diese Frage stellen kann, hat es geschafft. Der Kaufpreis muss unrelevant sein. Wer nachdenkt, ob er sich eines dieser automobilen Träume leisten kann, sollte lieber gar nicht erst aufwachen. Beide Autos faszinieren, jedoch auf unterschiedliche Art und Weise.

Galerie: Vergleichstest Lamborghini Superleggera vs. Mercedes CLK Black SeriesAuf der einen Seite steht der Schwabenpfeil, der auffälliger ist, als er auf den ersten Blick scheint. Die Menschen schauen dem breiten Black Series nicht nur hinterher, sie glotzen und horchen bei jedem Gasstoß dem herrlichen Achtzylinderklang. Die AMG-Ingenieuere haben ihre Aufgabe – einen echten Sportler zu bauen – mit schwäbischer Gründlichkeit erledigt. Der CLK 63 AMG Black Series verdient den Namen Sportwagen, trotz seines Sumo-Gewichts.  

Auf der anderen Seite ist der Lamborghini Gallardo Superleggera. Er verkörpert die hektische Fahrmaschine, die stets bewegt werden will. Jede rote Ampel springt irgendwann auf Grün, jede Kurve hat einen Scheitelpunkt, ab dem wieder beschleunigt werden muss und jedes Tempolimit hört irgendwann auf – zumindest in Deutschland (noch). Dafür ist der Gallardo gemacht und sonst für nichts. Basta!

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