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Galerie: Vergleichstest Lancia Y 0.9 TwinAir vs. Nissan Micra 1.2 DIG-S

Vergleichstest: Lancia Y 0.9 TwinAir vs. Nissan Micra 1.2 DIG-S

Mehr ist weniger

30.09.2011

Seinen Zwei-Zylinder-Motor hat Fiat schon vor geraumer Zeit erfolgreich im 500 eingeführt, jetzt treibt er auch den neuen Lancia Ypsilon an. Einen Zylinder mehr hat der Nissan Micra, und statt Turbo setzen die Japaner auf Kompressor-Aufladung. Wir wollten wissen: Sind weniger Zylinder wirklich sparsamer? Und was haben die beiden City-Flitzer sonst noch zu bieten?

Der Vergleich hinkt auf den ersten Blick, möchte man meinen, denn sieht man beide Kandidaten nebeneinander auf dem Parkplatz stehen, räumt man dem Nissan kaum eine Chance ein. Neben dem durchgestylten, fast schon extravaganten Lancia Ypsilon, mit betont großem Kühlergrill, frechen Scheinwerfern und keckem Schwung in der C-Säule sieht der Nissan ziemlich altbacken aus.

Schick trifft Schlicht

Galerie: Vergleichstest Lancia Y 0.9 TwinAir vs. Nissan Micra 1.2 DIG-SUnd das, wo der Japaner kaum älter ist als der Italiener. Doch seine etwas pummelig, fast plumpe Erscheinung mit schlichten, runden Scheinwerfern und unspektakulärer Fenstergrafik kann dem modischen Auftritt des Ypsilon nichts entgegensetzen, der übrigens auch im Innenraum punktet; wenngleich beide sich hinlänglich Materialqualität und –verarbeitung von der Konkurrenz eine Scheibe abschneiden können.

Zwar ist es Geschmacksache, ob man die mittig angebrachte Instrumenteneinheit mag oder nicht, rein gestalterisch verweist der mit Hochglanzdekor aufgerüschte Lancia den konventionell eingerichteten Nissan auf den zweiten Platz – auch wenn während der Fahrt die rechte Hand immer den Blick auf den Tacho verdeckt.

Einziger Trumpf

Galerie: Vergleichstest Lancia Y 0.9 TwinAir vs. Nissan Micra 1.2 DIG-SSchlechte Karten für den Micra, könnte man meinen, wenn das Pendel schon zu Beginn so eindeutig ausschlägt. Doch wie sich später herausstellen sollte, hat der Lancia mit seiner Schönheit auch schon seinen größten, vielleicht seinen einzigen Trumpf ausgespielt, doch ist er damit noch lang nicht aus dem Schneider.

Denn schon beim ersten Probesitzen wendet sich das Blatt zugunsten des Nissans. Der misst zwar mit 3,78 Metern sechs Zentimeter weniger als der Fiat, übertrifft ihn aber wiederum um genau diese Länge beim Radstand, was den Passagieren etwas mehr Bewegungsfreiheit gibt. Und während man auf dem bequemen Micra-Gestühl recht schnell die passende Sitzposition gefunden hat, muss man den zu hohen Lancia Sessel mit der zu kurzen Beinauflage mehrfach nachjustieren und sitzt immer noch nicht perfekt.

Design oder Übersicht

Galerie: Vergleichstest Lancia Y 0.9 TwinAir vs. Nissan Micra 1.2 DIG-SIm Fond wird es bei beiden eng, im Y jedoch einen Tick enger, und das mit nur zwei Sitzen. Schon deshalb sollte man auf die optional dreisitzige Rückbank verzichten – zu dritt im Fond macht reisen keinen Spaß. Auch beim Kofferraumvolumen siegt der Nissan. Zwar sind beide Heckklappen ähnlich groß und die zu überwindende Ladekante hat hier wie da die gleiche, übrigens nicht gerade geringe Höhe, doch schluckt der Micra 265 Liter und damit 20 Liter mehr als der Lancia.

Los geht unsere Testrunde in der Innenstadt, wo der Nissan gleich einen weiteren Punkt auf seinem Konto verbuchen kann. Denn seine Außenhaut mag zwar schlichter ausfallen, doch bietet sie dem Fahrer eine deutlich bessere Rundumsicht, was beim Rangieren, Parken und generell im wuseligen Stadtverkehr von Vorteil ist.

Wendig

In Sachen Handlichkeit nehmen sich beide nicht viel, auch wenn Fiat mit der City-Funktion das Volant per Knopfdruck noch leichtgängier macht, ist der Y nicht wendiger als der Micra. Vielmehr profitieren beide von nur 9,3 Meter Wendekreis. Auf typischen Stadtstraßen, mit Kopfsteinpflaster, Schlaglöchern und Gullideckeln empfiehlt sich wiederum erneut der Nissan Micra, der solche Unebenheiten etwas besser verkraftet als der Lancia, der hölzern darüber hoppelt.

Unterschiede gibt es, wie eingangs schon erwähnt, auch beim Antrieb. Im Lancia Y arbeitet ein Zwei-Zylinder-Turbo, der immerhin 85 PS mobilisiert und mit 145 Newtonmeter Drehmoment bei 1.900 Umdrehungen einen flotten Antritt vermuten lässt. Den hätte der kleine Italiener auch, wenn man dem Fahrer das Anfahren mit einer gefühllosen Kupplung ohne definierten Schleifpunkt nicht extra noch erschweren würde.

Wenig Durchzug

Galerie: Vergleichstest Lancia Y 0.9 TwinAir vs. Nissan Micra 1.2 DIG-SWie bei nur 0,9 Liter Hubraum nicht anders zu erwarten, gilt es auch hier Durchzug durch Schaltarbeit zu ersetzen doch will ob des hakeligen, unpräzisen Fünf-Gang-Getriebes auch hier keine rechte Freude aufkommen. Und dabei macht das gleiche Aggregat im hemdsärmligen Fiat 500 eine recht ordentliche Figur, doch will der TwinAir-Motor zum Kleinwagen-Luxus-Anspruch des Lancia Y nicht so recht passen und ist hier seine knatternde Geräuschkulisse eher störend denn charmant.

Über einen Zylinder und damit gut 300 Kubikzentimeter mehr Hubraum verfügt der Nissan Micra 1.2 DIG-S, was ihm auch zu mehr Leistung, 98 PS, aber nicht zu höherem Drehmoment verhilft. Seine 142 Newtonmeter stehen außerdem erst bei 4.400 Umdrehungen parat, denn der Kompressor arbeitet bei niedrigen Geschwindigkeiten noch gar nicht – um Sprit zu sparen.

Vielmehr sorgt die mechanische Aufladung jenseits des Ortsschilds für besseren Durchzug und mehr Elastizität und erleichtert so zum Beispiel Überholvorgänge. Nichtsdestotrotz tritt der Micra gefühlt flotter an, was sicher auch der harmonischeren Getriebeabstimmung zu verdanken ist. Die 12,2 Sekunden, die der 1,1 Tonnen schwere Lancia braucht, um auf Tempo 100 zu kommen, unterbietet der geringfügig leichteren Nissan um mehr als  eine halbe Sekunde.

Theorie...

Galerie: Vergleichstest Lancia Y 0.9 TwinAir vs. Nissan Micra 1.2 DIG-SUnd: Obwohl er einen Zylinder mehr mit Treibstoff füllen muss, bedient sich der Micra keinesfalls stärker am Benzinvorrat. Im Gegenteil, die Offiziellen bestätigen ihm im EU-Zyklus sogar einen Minderverbrauch von 0,1 Litern, nämlich 4,1 Liter. Allerdings nur in der Basis Visia, die höheren Ausstattungen konsumieren, gewichtsbedingt, 4,3 Liter. Der Lancia gönnt sich auf dem Papier immer 4,2 Liter.

Nach unserer Stadtrunde, wo übrigens die Stopp-Start-Automatik im Nissan reibungsloser arbeitete als im Lancia, ging es auf die Autobahn, wo beide ihre Höchstgeschwindigkeit von rund 180 km/h demonstrieren durften; was auch hier wie da, mit allerdings reichlich Anlauf, gelang.

...und Praxis

Galerie: Vergleichstest Lancia Y 0.9 TwinAir vs. Nissan Micra 1.2 DIG-SHier und auf der anschließenden Landstraßen-Etappe konnte der Kompressor im Micra sein Potential ausspielen und überzeugte der Nissan – wie bereits erwähnt – mit verhältnismäßig ordentlicher Elastizität, während man den Lancia-Motor doch ordentlich hochdrehen muss. Bis Tempo 130 kann man sich beiderseits noch angenehm unterhalten, danach wird es laut.

Zurück am Ausgangspunkt gilt es, die spannendste Frage zu beantworten: Welcher der beiden Kleinwagen hat die Testrunde mit geringerem Spritverbrauch absolviert? Das Ergebnis ist so eindeutig wie überraschend und obwohl beide auf dem Papier den gleichen Verbrauch ausweisen, gibt es einen klaren Sieger: Und der heißt Nissan Micra. Trotz eines Zylinders und einigen PS mehr haben den Nissan für 100 Kilometer 5,3 Liter genügt. Der Lancia hingegen schluckte 1,2 Liter mehr.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Eindeutiger kann ein Test kaum ausfallen: Abgesehen von der Designwertung gehen die Punkte an den Nissan Micra. Er bietet mehr Übersicht, die besseren Sitze, das harmonischere Fahrwerk, ein besseres Getriebe, den flotteren und kultivierteren Motor und ist nicht nur sparsamer, sondern in der Anschaffung (bei ähnlicher Ausstattung) mit 13.440 Euro auch noch – wenn auch nur ein paar hundert Euro – günstiger als der Lancia Y. Kurz: Mehr Fahrkomfort für weniger Geld und mehr Leistung, bei weniger Verbrauch.
 

Das heißt allerdings nicht, dass der Micra perfekt ist. Vor allem in Sachen Qualität und Materialauswahl muss sich auch Nissan Kritik gefallen lassen und sind mittlerweile andere Kleinwagen, wie etwa der Kia Rio, auf deutlich besserem Niveau. Und mal ehrlich: Frauenautos – und das sind, mit Verlaub, die beiden allemal, werden doch häufig nach dem Aussehen gekauft. Und da kann der schlichte Nissan mit dem aufgebrezelten Lancia wahrlich nicht mithalten.

 

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