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Galerie: Vergleichstest Mazda MX-5 vs. Renault Wind

Vergleichstest: Mazda MX-5 vs. Renault Wind

Textilfreie Oben-ohne-Flitzer

31.05.2011

Offener Fahrspaß für wenig Geld – seit über 20 Jahren ermöglicht Mazda mit dem MX-5 diesen Traum. Jetzt bietet auch Renault einen zweisitzigen, offenen Spaßmacher zum Schnäppchen-Tarif an. Zu einem sogar deutlich günstigeren Kurs als Mazda. Doch kann der französische Twingo-Umbau dem von Grund auf als Kurvengaudi-Roadster konzipierten MX-5 das Wasser reichen?

Optisch schon mal nicht, so viel ist sicher. Beim MX-5 stimmen die Proportionen, in der nunmehr dritten Generation sogar mehr denn je. Sein wohlgeformter Astralkörper verzichtet auf überflüssige Pfunde, ist aufs Wesentliche reduziert. Und trotz der dreiteiligen Klappdach-Konstruktion stört hier kein CC-typischer Pferdehintern das Auge des Betrachters.

Der Wind ist meilenweit von dieser Eleganz entfernt. Es handelt sich ja auch um einen Carbriolet-Umbau auf Twingo-Basis hin zu einem doch recht plumpen Zweisitzer mit einteiligem Klappdach. Wie bei vielen anderen CC-Konvertiten, muten auch die Proportionen des Wind fast kurios an. Doch hat Renault dem Wagen auch eine gewisse Schnittigkeit mit auf den Weg gegeben, kann der frische Franzose mit seiner bulligen Keilform zumindest momentan mehr Aufmerksamkeit auf der Straße generieren als der MX-5.

Cleveres Dach, großer Kofferraum

Galerie: Vergleichstest Mazda MX-5 vs. Renault WindVor dem Mut, den Renault mit dem Wind-Design beweist, kann man durchaus den Hut ziehen. Spötter werden sagen: Am besten über die Augen. Apropos Hut ziehen: Das um 180 Grad schwenkbare Kunststoff-Dach verschwindet nach dem manuellen Entriegeln binnen zwölf Sekunden elektrisch angetrieben zwischen der 90 Grad nach hinten öffnenden Heckklappe und dem Kofferraum. Öffnen lässt sich das Dach allerdings nur im Stand, dafür bleibt der Kofferraum unverändert groß: Stolze 270 Liter passen unter die mächtige und etwas schwer zu öffnende Heckklappe.

Auch der MX-5 ist für diesen Vergleich textilfrei angetreten und legt einen ähnlich geschmeidigen Dach-Striptease wie der Wind hin. In ebenfalls zwölf Sekunden ist die dreiteilige Kunststoff-Haube zwischen Fahrgastzelle und dem unverändert großen 150-Liter-Kofferraum verschwunden. Auch hier funktioniert das Öffnen und Schließen nur im Stand und ebenfalls halbautomatisch: Wie beim Wind muss man zusätzlich per Hand einen großen Hebel zwischen Windschutzscheibe und Dach zum ver- oder entriegeln umlegen.

Enger Mazda

Galerie: Vergleichstest Mazda MX-5 vs. Renault WindWährend also die Dachtechnik in beiden Fällen Parallelen in der Handhabung aufweist, sind beim Platzangebot die Unterschiede umso bemerkenswerter. Neben dem fast doppelt so großen Kofferraum ist auch die Fahrgastzelle des Wind großzügiger geschnitten. Er bietet einen bequemeren Einstieg, die Kopf-, Bein- und Schulterfreiheit sind zudem wesentlich besser. Wer in den MX-5 will, muss schon mit einer gewissen Grundgelenkigkeit ausgestattet sein. Wer länger als 1,90 Meter ist, wird sich bei geschlossenem Dach mit der knappen Kopffreiheit kaum mehr arrangieren können.

Hier ist der Renault toleranter, was man leider auch über die Verarbeitungsqualität sagen muss. Nicht nur der Arbeitsplatz im Mazda sitzt wie angegossen, auch die Kunststoffteile sind optimal aneinander gefügt, die Hartplastik-Landschaft des Japaners wirkt durchaus edel. Dazu passt auch der eng geführte Gang-Wahlhebel.

Stammt vom Twingo ab

Galerie: Vergleichstest Mazda MX-5 vs. Renault WindBeim Renault muss man verzeihliche Toleranzen akzeptieren, aber seine Basis ist ja auch ein Twingo und kann der Wind nicht ganz verleugnen, dass sein Technikspender eigentlich aus dem untersten Preissegment stammt. Immerhin wurde das aufgeräumte Interieur des Wind mit sportlichen Details und Lederakzenten aufgewertet, gibt es einige Komfort-Nettigkeiten und bieten die bequemeren Sportsitze zudem noch guten Seitenhalt.

Obwohl das hochgeschlossene Blechkleid des Wind die Insassen ziemlich einmauert, kommt bei geöffnetem Dach durchaus Cabriolet-Feeling auf. Sind die Seitenfenster runter, wirbelt der Fahrtwind die Frisur kräftig durch. Hier ist der Name also auch Programm, wobei die Verwirbelungen bei höherer Geschwindigkeit fast schon lästig werden können. Der MX-5 mit seiner kurzen, steilen Frontscheibe und der nach allen Seiten recht offenen Fahrgastzelle sorgt für eine angenehmere Luftzug-Dosierung, es kommt puristisches Roadster-Feeling auf, ohne dabei einen übertrieben aufdringlichen Sturm zu entfachen. Bei geschlossenem Dach hingegen findet man im Wind etwas mehr Ruhe vor den Elementen.  

Kurvenstar MX-5

Galerie: Vergleichstest Mazda MX-5 vs. Renault WindIm Fahrbetrieb fällt die etwas labberige Art des Wind im Vergleich zum MX-5 noch unangenehm auf. Der Offen-Twingo hat eine zwar angenehm leichtgängige Lenkung, die bei hoher Geschwindigkeit jedoch etwas an Genauigkeit vermissen lässt; störend sind außerdem beim Beschleunigen die Antriebseinflüsse auf die Lenkung. Auf der Autobahn wird der Wagen bei hohem Tempo zudem etwas leicht und kippelig, die nur mäßig verwindungssteife Karosserie sorgt zusätzlich für Unruhe. Auch der Gangwahlhebel könnte exakter geführt werden.

Galerie: Vergleichstest Mazda MX-5 vs. Renault WindEigentlich könnte man sich mit dem Fahrverhalten des Wind gut arrangieren, doch wenn man im direkten Vergleich in den messerscharfen MX-5 wechselt, empfindet man die Unterschiede als durchaus krass. Die Nippon-Schnitte bietet eine von Verwindungen freie Karosserie mit paritätischer Gewichtsverteilung auf den Achsen, der Heckantrieb beeindruckt mit seiner lustbetonten Drift-Option und einer von Antriebseinflüssen freien, präzisen Lenkung – in puncto Straßenlage und Kurven-Performance nimmt der MX-5 dem Renault den Wind aus den Segeln. Allein beim Komfort kann der Franzose trotz seiner immerhin 17 Zoll großen Räder punkten, rollt er doch etwas gelassener über Unebenheiten, während sich unser mit herrlich filigranen 17-Zoll-Alus ausgestatteter MX-5 hinsichtlich der Fahrbahnbeschaffenheit etwas mitteilungsfreudiger gab.

Ähnliches Leistungsniveau

Galerie: Vergleichstest Mazda MX-5 vs. Renault WindLeistungsmäßig begegnen sich die beiden Probanden auf Augenhöhe. Der MX-5 ist in der 126 PS starken Basismotorisierung angetreten, die den 1.150 Kilogramm leichten Japaner in knapp unter zehn Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 wuchtet und kurz vor 200 km/h der Vortrieb endet. Mit dem etwas rau laufenden 1,8-Liter-Saugmotor in Kombination mit der knackigen Fünf-Gang-Schaltung ist man eigentlich schon ausreichend gut motorisiert, wobei der Drehmoment-Punch ruhig etwas heftiger ausfallen könnte und wir einen sechsten Gang vermisst haben.

Galerie: Vergleichstest Mazda MX-5 vs. Renault WindDer 1.6er-Vier-Zylinder des Wind mobilisiert exakt sieben Pferdchen mehr, was den Twingo-Abkömmling trotz 100 Kilogramm Mehrgewicht etwas spritziger macht: Der Sprint ist um 0,7 Sekunden früher abgehakt, bei der Endgeschwindigkeit schafft er drei km/h mehr. Untermotorisiert ist man mit keinem, übertrieben durstig ist ebenfalls keiner der beiden. Der Renault soll laut Hersteller 6,9 Liter verbrauchen, gemessen haben wir mit 8,1 Liter einen moderaten Aufschlag, während beim Mazda aus den eigentlich 7,1 Litern praktisch 8,8 Liter wurden. Gut möglich, dass der kleine Spaßmacher aus Japan unseren Gasfuß etwas stärker gereizt hat.

Deutliche Preisunterschiede

Galerie: Vergleichstest Mazda MX-5 vs. Renault WindWer beim Kauf seines Cabriolets knallhart kalkulieren muss, der wird sich am ehesten mit dem Wind anfreunden. In der 100-PS-Version bekommt man den Frischluft-Franzosen schon ab 16.900 Euro, der von uns getestete, flottere 1.6 16V 130 ist ab 18.400 Euro zu haben. ESP, vier Airbags, ABS, die teilelektrische Dachbetätigung, 17-Zoll-Räder, CD-Radio, Leder für Schaltknauf und Lenkrad, elektrische Fensterheber, Sportsitze, Nebelscheinwerfer, Tempomat, Bordcomputer sowie elektrisch verstellbar und beheizbare Außenspiegel sind immer dabei. Die Top-Ausstattung Night&Day mit Klimaautomatik, Licht- und Regensensor, Lederpolsterung, Sitzheizung und Bluetooth-Freisprecheinrichtung kostet schließlich 20.500 Euro.

Den MazdaMX-5 bekommt man erst ab 22.290 Euro, dann allerdings in der puristischeren Stoffdach-Variante. Will man das von uns getestete Roadster-Coupé, muss man bereits 4.200 Euro mehr als für die Top-Version des Wind berappen. Ordert man dann noch das 1.200 Euro teure Plus-Paket (Ledersitze/Bose-Sound), hat man etwa das Ausstattungsniveau des Wind Night&Day erreicht. Ergo: Ausstattungsbereinigt bietet der Renault Wind einen Preisvorteil von reichlich 5.000 Euro.

Fazit

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Geht es allein um feinstes Fahrspaß-Roadster-Feeling, ist der Mazda MX-5 eindeutig erste Wahl. Er ist der lustbetontere Frischluft-Zweisitzer, der vor allem im kurvigen Geläuf viel Freude zu einem eigentlich niedrigen Kurs bietet. Dem Altmeister kann der neue Wind hier nicht das Wasser reichen.

Dafür punktet der Wind mit einem deutlich günstigeren Preis. Darüber hinaus bietet er mehr Komfort, mehr Platz und ist alltagstauglicher. Und obwohl so viel günstiger, bekommt man im Fall der Top-Motorsierung noch einen quirligen Benziner, der bei besseren Fahrleistungen für weniger Verbrauch sorgt. Mag der Franzose auch eine optisch kuriose Erscheinung sein, es gibt eine Reihe gewichtiger Vernunftargumente, die für ihn sprechen.

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