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Galerie: Vergleichstest Mercedes-Benz GLK 220 CDI vs. Volvo XC60 2.4D

Vergleichstest: Mercedes-Benz GLK 220 CDI vs. Volvo XC60 2.4D

Hausschwein statt Wildsau

23.09.2010

Von wegen ab in den Wald und im Dreck suhlen. SUV werden heutzutage nicht mehr für Abenteuer im Schlamm gebaut, sondern sind zu zahmen Kindergarten-Transportern mutiert. Selbst der einen Rest von Offroad-Schein wahrende Allradantrieb wird häufig aufgegeben. Wir wollten wissen: Braucht‘s 4x4 oder reicht mehr Schein als Sein?

Um das heraus zu finden, baten wir zwei Kompakt-SUV zum Vergleich: Den Mercedes GLK mit Heckantrieb und den frontgetriebenen Volvo XC60. Optisch wirkt zumindest der kantige Benz noch wie ein Geländewagen, der weichgespülte Volvo zeigt deutlich, dass sein Revier durch die Stadtgrenze abgesteckt wird.

Die geradlinige Mercedes-Karosserie bringt Vorteile mit: So bietet der GLK die bessere Übersicht, nach vorne wie nach hinten. Beim Volvo stören die kleinen Heckfenster den Schulterblick und auch die steil abtauchende Motorhaube ist weniger gut einzusehen. Dabei ergibt die schnittigere Form noch nicht mal einen besseren cw-Wert; dieser liegt beim Mercedes mit 0,34 sogar einen Zähler niedriger.

Klobig oder elegant

Galerie: Vergleichstest Mercedes-Benz GLK 220 CDI vs. Volvo XC60 2.4DIm Innenraum das gleiche Spiel. Das von der C-Klasse adaptierte GLK-Cockpit ist solide verarbeitet und aufgeräumt, wirkt aber im Vergleich mit dem nordisch-elegantem Volvo-Interieur ein wenig klobig und hausbacken. Außerdem ist der Schwede luftiger geschnitten und bietet auf den Vordersitzen ein besseres Raumgefühl. Der Mercedes punktet dafür mit der leichteren Bedienbarkeit; im XC60 nerven vor allem die Tasten hinter dem Lenkrad für das Navi.  

Galerie: Vergleichstest Mercedes-Benz GLK 220 CDI vs. Volvo XC60 2.4DDavon, dass der Volvo mit 4,63 Metern zehn Zentimeter länger ist profitieren vor allem die Fondpassagiere. Der Benz nimmt dafür bei umgeklappter Rückbank fast 100 Liter mehr Gepäck auf; die Lehne des Beifahrersitzes lässt sich allerdings nur beim XC60 nach vorne klappen. Das ist dann praktisch, wenn man lange Gegenstände transportieren will. Außerdem bietet der Volvo mit 636 Kilogramm etwas mehr Zuladung als der GLK (595 Kilogramm).

Sparmaßnahme

Galerie: Vergleichstest Mercedes-Benz GLK 220 CDI vs. Volvo XC60 2.4DWährend Mercedes-Fahrer auf den ersten Blick fast 4.300 Euro sparen, wenn sie auf den Allradantrieb verzichten, müssen Volvo-Kunden kurioserweise für den reinen Fronttriebler 70 Euro mehr zahlen als für den Allrad-XC60. Das relativiert sich allerdings, wenn man die Ausstattung anschaut. Der GLK 220 CDI kommt als Hecktriebler nämlich ohne die sanft schaltende Sieben-Gang-Automatik. Addiert man diese zu dem Anschaffungspreis von 36.771 Euro, sinkt die Ersparnis auf 1.900 Euro.

Anders beim Volvo: Der XC60 D3 kommt immer mit einer etwas trägen Sechs-Gang-Automatik, während die am Zusatz AWD auszumachende Vierrad-Version serienmäßig ein manuelles Getriebe hat. Berücksichtigt man das in der Kalkulation, ist der 36.920 Euro kostende Frontriebler gut 2.000 Euro günstiger.

Nicht wirklich sparsamer

Galerie: Vergleichstest Mercedes-Benz GLK 220 CDI vs. Volvo XC60 2.4DNeben dem niedrigeren Einstiegspreis, bringt es natürlich weitere Vorteile mit sich, nur zwei statt vier Räder anzutreiben. Zum einen reduziert sich das Fahrzeuggewicht, zum anderen sinkt der Verbrauch. Haben 4x4-Fahrzeuge sich früher allerdings noch großzügig am Kraftstoff bedient, sind die Unterschiede heutzutage nicht mehr groß. Beim Volvo schluckt der 2WD auf dem Papier gerade mal 0,2 Liter weniger (6,8 Liter), beim Mercedes sind es 0,4 Liter (6,3 Liter).

Den Verbrauchsvorteil von rund einem halben Liter gegenüber dem XC60 fährt der mit knapp 1,8 Tonnen etwas leichtere Mercedes auch in der Praxis ein – allerdings nicht in der utopisch niedrigen Region des EU-Normverbrauchs. Auf rund anderthalbtausend Testkilometern hat der GLK 220 CDI 9,2 Liter im Durchschnitt konsumiert, der Volvo süffelte auf 100 Kilometer 9,6 Liter Diesel. Das ist beiderseits nicht wenig, überrascht aber nicht wirklich.

Bessere Traktion beim GLK

Galerie: Vergleichstest Mercedes-Benz GLK 220 CDI vs. Volvo XC60 2.4DUnd wie fährt sich nun ein SUV ohne Allradantrieb? Der GLK präsentiert sich kaum anders als mit 4Matic. Die 400 Newtonmeter des etwas rauen 170-PS-Vier-Zylinders werden problemlos über die Hinterachse auf die Straße gebracht und Antriebseinflüsse auf die Lenkung sind bauartbedingt ohnehin nicht möglich. Selbst auf rutschigem Untergrund zeigt der Benz keine Traktionsprobleme, der fehlende Allradantrieb macht sich allerdings durch einen erhöhten Einsatz der Anti-Schlupfregelung und häufige ESP-Regeleingriffe bemerkbar. Diese bleiben beim 4WD-GLK aus.

Beim Volvo hingegen sind die Unterschiede deutlich spürbarer. Während der allradgetriebene XC60 Kraft stets in Vorwärtsbewegung umsetzt, wandelt der 163 PS starke Fronttriebler – den die schläfrige Automatik spürbar in der Kraftentfaltung hemmt – mitunter einen Teil seiner ebenfalls 400 Newtonmeter Drehmoment mit durchdrehenden Vorderrädern in Wärme um. Vor allem beim Anfahren auf nasser Straße scharrt der Schwede gern und reißt dabei an der Lenkung.

Kein Problem dank ESP

Galerie: Vergleichstest Mercedes-Benz GLK 220 CDI vs. Volvo XC60 2.4DÄhnliche Tendenzen offenbart der Volvo auch beim Beschleunigen aus der Kurve: Während der Benz dabei lange neutral bleibt und erst spät anfängt, leicht und gut beherrschbar zu untersteuern, schiebt der XC60 beim Gasgeben früher über die Vorderräder. Doch auch hier sorgt das ESP dafür, dass der Schwede sicher auf der Bahn bleibt.   

Auf den Fahrkomfort hat es beiderseits keine Auswirkung, ob nun vier oder zwei Räder angetrieben werden. Beide Kandidaten sind zwar nicht so weich abgestimmt, wie es vor der Domestizierung der Geländewagen üblich war. Unebenheiten werden aber trotzdem beiderseits gut weggefedert und die nicht ganz direkte Lenkung des GLK passt wiederum gut zum SUV-Image. Auch der XC60 bietet guten Komfort, allerdings schlagen hier kurze Stöße deutlicher durch und der Schwede liegt nicht ganz so satt auf der Straße wie der GLK.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Mercedes GLK 220 CDI   Volvo XC60 D3
    Heckantrieb   Frontantrieb
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.528 / 1.894 / 1.689   4.627 / 1.891 / 1.713
Radstand (mm)   2.755   2.774
Wendekreis (m)   11,5   11,7
Leergewicht (kg)   1.790   1.869
Kofferraum (Liter)   450 - 1.550   495 - 1.455
Bereifung Testwagen   235/60 R 17   235/60 R 18
Motor        
Hubraum (ccm) / Bauart   2.143 / R4   1.984 / R4
Leistung (kW / PS)   125 / 170   120 / 163
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   400 / 1.400 - 2.800   400 / 1.400 - 2.850
Antriebsart   Heckantrieb   Frontantrieb
Getriebeart   7-Gang-Automatik   6-Gang-Automatik
Verbrauch        
Krafstoffart   Diesel   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   6,3   6,,8
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   164 / Euro 5   179 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   9,2   9,6
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   8,7   10,3
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   9,1   10,7
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   37,2   38,7
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   205   195
Preise        
ab (Euro)   39.151,00   36.920,00
Empfohlene Extras   Spiegel-Paket (511 Euro), Keyless-Go (892 Euro), Bi-Xenon-Licht (1.487 Euro), Navigationssystem (3.046 Euro), Sitzheizung (380 Euro)   Bi-Xenon-Licht (1.370 Euro), Parksensoren (770 Euro), Sitzheizung (310 Euro), elektrische Heckklappe (500 Euro), Panorama-Schiebedach (1.350 Euro), Regensensor (100 Euro)
 
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Fazit

Geht man davon aus, dass beide SUV vornehmlich zwischen Heim, Büro und Kindergarten bewegt werden, reicht die 2WD-Lösung hier wie da vollkommen aus. Etwaige Traktionsprobleme werden durch die Regelelektronik gut ausgemerzt, vor allem beim GLK gibt es keinen Grund zum meckern. Dem Volvo könnte man die leicht durchdrehenden Vorderräder vorwerfen, doch das ist in der Praxis höchstens nervig, aber kein ernstes Problem.

Sieht man vom niedrigeren Einstiegspreis ab, bieten die Zwei-Rad-Modelle allerdings keinen wirklichen Vorteil. Der Verbrauch liegt im Alltagsbetrieb wenn überhaupt marginal unter dem der Allradler und dürfte sich monetär kaum auswirken. Warum also auch den letzten Schein der Wildsau-Welt zunichte machen?

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