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Galerie: Vergleichstest Nissan X-Trail vs. Peugeot 4007

Vergleichstest: Nissan X-Trail vs. Peugeot 4007

Globalisierte Welt

24.01.2008

Wenn sich jemand fragt, wie Globalisierung im Automobilbau aussieht, ist er hier genau an der richtigen Adresse. Der Nissan X-Trail 2.0 dCi – bekanntlich aus dem fernen Osten – wird von einem Renault-Motor angetrieben. Sein Kontrahent in diesem Test: Der Peugeot 4007 HDi. Er ist eigentlich gar kein Peugeot, sondern ein Mitsubishi – allerdings mit einem PSA-Diesel-Motor.

Als Mitsubishi Outlander wurde er geboren, aber auch als Peugeot 4007 und als Citroën C-Crosser darf er sich auf den Straßen der Welt verbreiten. Das einzig französische an ihm ist sein Herz, vorausgesetzt, man wählt den 2,2 Liter großen Diesel mit 156 PS und 380 Newtonmeter Drehmoment. Und Dieselmotoren können die Franzosen ja bekanntlich schon seit Jahrzehnten bauen. Nicht verwunderlich also, dass auch Nissan auf einen Antrieb aus der Grande Nation setzt. Den zwei Liter großen Common-Rail-Diesel mit 150 PS und 320 Newtonmeter gibt es in vielen Renault-Modellen.

Leise dieselt’s

Die beiden französischen Dieseltriebwerke werden ihrem guten Ruf gerecht. Die Motoren sind angenehme Zeitgenossen. Schon wenige Kilometer nach dem Kaltstart laufen sie ruhig, wenngleich sie ihr Arbeitsprinzip definitiv nie verleugnen. Der Renault-Motor im Nissan geht dabei etwas sanfter zu Werke.

181 km/h schafft der kantige X-Trail als Topspeed, flinke 200 Sachen sind es sogar beim glattgeleckten Peugeot, auch wenn er für die letzten km/h ewig langen Anlauf benötigt. Woher dieser Unterschied bei fast gleicher Leistung kommt? Nun ja, der Nissan betrat den Testparcours mit einer Sechsstufen-Automatik, der 4007 kann nur mit einem Handschalter mit ebenso vielen Gängen geordert werden. Der Standardsprint gelingt dem Automatik-Nissan in 12,5 Sekunden. Der Mitsubishi, sorry, der Peugeot braucht für die gleiche Übung lediglich 9,9 Sekunden.

Immer mit Allrad fahren

Galerie: Vergleichstest Nissan X-Trail vs. Peugeot 4007Beide Motoren packen nach einem kleinen Turboloch kräftig zu. Im Peugeot macht sich vor allem auf nasser Fahrbahn das hohe Drehmoment negativ bemerkbar. Der im „Normalfall“ frontgetriebene 4007 kämpft dann und wann mit Traktionsproblemen. Abhilfe schafft ein kleiner Drehknopf auf dem Mitteltunnel. „4WD“ steht drauf und beendet das Ungemach. Der 4007 fährt von da an mit allen Vieren, wenn Bedarf besteht.

Auch im Nissan lässt sich der Allrad auf Wunsch aktivieren, doch scharrt der X-Trail prinzipiell nicht mit den vorderen Hufen. Die sanfte Automatik frisst eben spürbar Längs-Dynamik, gibt dem Nissan aber gleichzeitig die passende Ruhe mit auf den Weg, die nur selten durch hektische Schaltmanöver getrübt wird. Meistens dann, wenn das Steuergerät meint, es passen zwei Gänge gleich gut zur gefahrenen Geschwindigkeit und sich für keinen entscheiden mag.

Versuch’s mal mit Gemütlichkeit

Galerie: Vergleichstest Nissan X-Trail vs. Peugeot 4007Das Fahrwerk des kantigen X-Trail ist weich, die Seitenneigung in Kurven verhältnismäßig groß. Dafür federt er fast alles glatt, was auf normalen Straßen im negativen Sinne möglich ist und bietet einen ausgesprochen gemütlichen Langstreckenkomfort. Im X-Trail passt auf der Autobahn Tacho 150 mit aktiviertem Tempomat am besten. Dann sind Windgeräusche fast nicht vorhanden, und das trotz der martialisch anmutenden Mega-Dachreling mit fein  integrierten Zusatz-Fernscheinwerfern. Zudem bleibt der Verbrauch mit neun Litern im Rahmen. Wer ständig am Limit fährt, jagt 14 Liter durch.

Nicht beim Peugubishi

Galerie: Vergleichstest Nissan X-Trail vs. Peugeot 4007Dabei sind doch eigentlich die Franzosen für gemütliche Autos bekannt. Nicht so im Peugubishi. Der Adoptiv-Japaner präsentiert sich sportlich hart schon nach den ersten Metern Fahrt. Dafür neigt er sich in schnell durchpfeilten Kurven nur marginal gen Grünstreifen und die erzielbaren Geschwindigkeiten sind deutlich höher als beim Nissan. Aber wofür? Der 4007 hechtet irgendwie einem sportlichen Ideal hinterher, das ein solches Auto de facto nicht bieten muss. Hinzu kommt, dass das Leergewicht von gut 1,8 Tonnen und der recht hohe Schwerpunkt einfach denkbar schlechte Voraussetzungen für sportliches Fahrverhalten sind. Selbst die montierten 18-Zoll-Räder ändern daran nichts, sie sehen zwar klasse aus, kosten aber zusätzlich Komfort.

Im pseudo-sportlichen Peugeot wird selbst geschaltet und zwar ausschließlich. Das Sechsgang-Getriebe ist jedoch etwas knochig und in kaltem Zustand fast schon störrisch. Dafür lassen sich bei normaler Fahrweise rund 8,6 Liter Verbrauch realisieren.

Ab ins Gelände?

Nicht ganz so gerne bewegen sich die beiden Automobile abseits befestigter Straßen. Feldwege und Schotterpisten meistern sie gut, bei nassen Wiesen oder gar Matsch ist das Ende der Fahnenstange jedoch schnell erreicht. Schon die großen und breiten Straßenreifen machen hier einen Strich durch die Rechnung. Hinzu kommt die doch etwas geringe Bodenfreiheit und damit das schnelle Aufsetzen.

Bremsen zu klein

Galerie: Vergleichstest Nissan X-Trail vs. Peugeot 4007Beide Fahrzeuge verfügen über etwas zu klein dimensionierte Bremsen. Im 4007 kommen vorne 294 Millimeter große, innenbelüftete Scheiben zum Einsatz, hinten verrichten 302 Millimeter große Scheiben ihren Dienst. Im Nissan erledigen das ebenfalls „luftdurchlässige“ 298-Millimeter-Scheiben vorne, respektive 292 Millimeter an der Hinterachse. Speziell im Nissan dürften die Stopper etwas energischer zupacken und standfester sein.

Macho

Das Design des gestreckt wirkenden 4007 – er ist übrigens nur fünf Millimeter länger als der Nissan – ist sehr modern und aggressiv. Der 4007 spielt daher schon optisch die Rolle des Machos im SUV-Segment: der weit aufgerissenen Frontmaske sei dank. Das polarisiert. Dass der Peugeot am Heck nicht mit den leuchtstarken LEDs vom Mitsubishi Outlander kokettieren kann, ist schade. Peugeot setzt hier auf herkömmliche Glühlampen.

Der X-Trail sieht genau so aus, wie man es von einem Offroader gewohnt ist. Hoch, kantig und irgendwie robust. Die Übersicht ist gut und die optional erhältliche Dachreling unterstreicht diesen Charakter.

Verkehrte Welt innen

Galerie: Vergleichstest Nissan X-Trail vs. Peugeot 4007Die Franzosen sind nicht nur für bequeme Fahrwerke und gute Dieselmotoren bekannt. Auch im Innenraum geht es oft elegant und gediegen zu. Der 4007 verströmt aber keinerlei französischen Charme. Wie auch? Außer dem Emblem auf dem Lenkrad sieht nichts nach Peugeot aus. Alles wurde 1:1 vom Mitsubishi übernommen. Dafür ist das Armaturenbrett des 4007 sehr aufgeräumt und klar gegliedert. Die Bedienung gelingt intuitiv.

Galerie: Vergleichstest Nissan X-Trail vs. Peugeot 4007Allerdings ist es nicht frei von Kritik: Die stark spiegelnde Oberfläche des Touch-Screen und das kaum wahrnehmbare Blinkergeräusch stören. Auch verbesserungsfähig: Die etwas knarzigen Drehregler für die Klimaautomatik, die zudem während des gesamten Tests die eingestellte Temperatur nicht konstant halten konnte.

Viel Platz

An Platz mangelt es im 4007 nicht. Der ist wirklich üppig bemessen. Egal ob vorne, hinten oder ganz hinten – dort befinden sich auf Wunsch zwei Notsitze für Kinder oder ein großer, gut nutzbarer Kofferraum mit zweigeteilter Heckklappe. Die vorderen Sitze sind bequem und bieten ausreichend Seitenhalt. Suboptimal: Das Lenkrad lässt sich nicht in der Weite verstellen. Galerie: Vergleichstest Nissan X-Trail vs. Peugeot 4007

Im Fond des X-Trails gibt es weniger Kniefreiheit als im 4007, obwohl der Radstand mit 2,63 Metern nur vier Zentimeter kürzer ausfällt. Beim Kofferraumvolumen liegen beide etwa gleich auf. In den 4007 passen maximal 1.686 Liter, im X-Trail werden bis zu 1.773 Liter verstaut. Der Nissan bietet am Fahrerplatz eine höhere Anpassungsfähigkeit. Bessere Verstellmöglichkeiten von Sitz und Lenkrad unterstreichen den größeren Komfortanspruch. Die (französisch) weichen Sitze gefallen vielleicht nicht jedem, passen aber zum Japaner. Dafür kann man ihm die verspielte Bedienung einiger Funktionen ankreiden. Zu viele Knöpfe und Schalter erschweren die schnelle Eingewöhnung. Galerie: Vergleichstest Nissan X-Trail vs. Peugeot 4007

Ausstattung

Den Nissan X-Trail gibt es mit dem empfehlenswerten Dieselmotor erst ab der SE-Ausstattung für mindestens 30.840 Euro. Die Sechsstufen-Automatik kostet 1.700 Euro. Wer sich dann noch die Dachreling (500 Euro), Bi-Xenonlicht (500 Euro), das Style-Paket mit Panorama-Schiebedach und dunklen Heckscheiben (900 Euro) gönnt, endet bei rund 35.000 Euro. Gleiches Spiel beim Peugeot 4007. Als Tendance beginnt die Preisskala bei 32.350 Euro, in der getesteten Platinum-Version mit sieben Sitzplätzen und Vollausstattung kommen schon 37.950 Euro zusammen.

Fazit

Ich persönlich mag sie ja nicht! Nicht Sie, nein, SUVs meine ich. Sie sind groß, grob, schwer, langsam, fahrdynamische Dickschiffe, Vieltrinker und meist recht hochpreisig – im Vergleich zu einem allradgetriebenen Kombi. Aber meine Meinung zählt hier nicht und die geneigte Kundschaft hält mit einer handvoll Vorteilen dagegen: SUVs sind praktisch, bieten viel Platz, eine gute Übersicht und suggerieren so mehr Sicherheit. Und man könnte ja – wenn man denn wollte – auch ins „Gelände“.

X-Trail und 4007 sind in jedem Fall zwei moderne SUVs. Böse Schnitzer leistet sich keiner der beiden. Der X-Trail ist das deutlich komfortablere Fahrzeug mit dem angenehmeren Dieselmotor. Die Bremsen dürften kräftiger sein. Der 4007 ist für Dynamikfans erste Wahl. Sowohl Motor als auch Fahrwerk sind sportlich angehaucht. Optisch gehen sie sowieso komplett verschiedene Wege. Fürs wahre Gelände taugen beide nicht. Das macht bekanntlich gar nichts, aber aus der „Vorteilsliste“ ein paar Zeilen höher muss somit ein Punkt wieder gestrichen werden.

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