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Galerie: Vergleichstest Peugeot 407 vs. Kia Magentis

Vergleichstest: Peugeot 407 vs. Kia Magentis

Krümelpicker

29.06.2009

Am deutschen Automarkt wird die Mittelklasse von Audi, BMW, Mercedes, Opel und VW dominiert. Anderen Herstellern bleiben nur Krümel vom großen Kuchen. Zwei dieser dennoch interessanten Krümelpicker haben wir mit 140 PS Diesel antreten lassen: Den bereits seit fünf Jahren kaum veränderten Peugeot 407 gegen den jüngst stark aufgefrischten Kia Magentis.

So unscheinbar wie unbemerkt hat sich der Magentis Anfang 2009 in gelifteter Form in den Markt geschlichen. Zwar sind auf dem ersten Blick die optischen Neuerungen klar erkennbar, doch blieb der Kia-Limousine ein diskretes Äußeres erhalten. Modern zwar und mit allen gestalterischen Attributen versehen die heutige Autos seiner Klasse auszeichnen, ist er dennoch bis tief ins Mark ein Charakter, der nicht auffallen will.

Im Vergleich dazu hat der Peugeot 407 ein fast schon schrilles Äußeres. Sein expressives Gesicht mit langgezogenen Scheinwerfern, Riesenkühler, gewagten Proportionen und coupéhafter Linie kaschieren sein an sich konservatives Stufenheck-Layout. Mag der Mittelklasse-Löwe damit noch vor Jahren für Aufsehen gesorgt haben, wirkt er mittlerweile fast schon gewöhnlich.

Keine Nobelhütten

Galerie: Vergleichstest Peugeot 407 vs. Kia MagentisAuch der Innenraum des 407 ist nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Peugeot stellte uns allerdings die etwas nüchterne Basisversion zur Verfügung. Hier wirkt die Bedieneinheit für die Klimaanlage etwas kleinkariert und die Materialien nicht sonderlich edel. Die Softoberflächen sehen aus wie Hartplastik und manches Spaltmaß ist weit jenseits der Audi-Toleranzen. Auch die in Altweiß unterlegten Rundinstrumente mit Chromringen sind nicht mehr der letzte Schrei. Ansonsten sitzt man auf weich gepolstertem Gestühl bequem, das Platzangebot vorne ist ordentlich, die Bedienbarkeit ohne Tadel und findet man also mehr als ausreichend Grund, sich hier wohl zu fühlen.

Galerie: Vergleichstest Peugeot 407 vs. Kia MagentisZwar ist der Magentis ebenfalls in der Basisausstattung angetreten, doch markiert diese gleich das Top-Niveau der Baureihe. Der umfangreich ausgestattete 2.0 CRDi lässt sich lediglich um ein knapp über tausend Euro teures Komfort-Paket mit Klimaautomatik und Ledersitzen aufwerten. Außerdem kann man noch für 1.500 Euro eine Viergang-Automatik in Kombination mit Tempomat ordern. Der Geschwindigkeitsregler ist für die von uns getestete Schaltversion hingegen nicht bestellbar. Ein echtes Manko, wie wir auf langer Testtour fanden.

Kia zeigt Größe

Galerie: Vergleichstest Peugeot 407 vs. Kia MagentisEbenfalls enttäuscht hat uns im Kia das gut 2.000 Euro teure Clarion Navisystem, welches das sonst serienmäßige CD-Radio ersetzt. Letzteres verfügt in der Mittelkonsole über nützliche Aux-, USB- und iPod-Anschlüsse, die in Kombination mit dem Clarion-Navi jedoch ihrer Funktion beraubt werden. Unser Tipp: Wer den Magentis mit Navi will, sollte sich ein mobiles Gerät zulegen.

Besonders positiv in Szene setzt sich dafür der Magentis mit seinem Platzangebot. Sogar die Fondgäste können in der 4,80 Meter langen Limousine die enorme Kniefreiheit genießen. Darüber hinaus ist hier alles sauber und ordentlich verarbeitet. Doch ein heimeliges Wohlfühlambiente kann der moderne wie funktionale Arbeitsplatz nicht bieten. Die Ledersitzen sind nur mäßig konturiert und der Hartplastiklandschaft fehlt wohnliche Wärme und Ausstrahlung. Dafür hat der Magentis neben vielen Ablagen noch einen 500 Liter fassenden Kofferraum.

Cleverer Knopf

Der 407 bietet 100 Liter weniger und zudem nur ein Notrad. Praktisch dafür: Die Heckklappe lässt sich über einen in der Null des 407-Schriftzugs versteckten Druckknopf öffnen, während man beim Kia umständlicher Weise den Schlüssel oder die Fernbedienung dafür hernehmen muss. Ein weiterer Vorteil des Peugeot ist seine geteilt umklappbare Rückbank, die den Transport auch größerer Gegenstände ermöglicht.

Doch ist die Bestimmung beider Probanden nicht der Güter- als vielmehr der kommode Insassentransport. Abgesehen vom deutlich schlechteren Platzangebot im Fond hat hierbei der Peugeot in allen Belangen die Nase vorn. Ob Fahrwerk, Antrieb oder Geräusche – der Franzose schwebt dem Kia auf höherem Komfortniveau souverän davon.

407 mit besserem Motor

Galerie: Vergleichstest Peugeot 407 vs. Kia MagentisVor allem der 140 PS starke Zweiliter-Vierzylinder des 407 kann fast alles besser als der Diesel im Kia. Ob im Stand oder bei höheren Drehzahlen: Stets gibt sich das französische Turboaggregat erstaunlich leise und kultiviert. Dem Magentis fehlt es an Dämmmaterial an der Spritzwand, um die ansonsten hochmoderne Kraftmaschine akustisch in Schach zu halten. Ebenfalls etwas ausgeprägt ist beim 2.0 CRDi das Turboloch unterhalb von 2.000 Touren. Außerdem bricht sein Kraftfluss nach jedem Schaltvorgang ein, was wohl einer schlecht regelnden Einspritzpumpe und der Software-Abstimmung zuzuschreiben ist.

Trotz einer nominell um zehn PS niedrigeren Leistung hängt der 407 den Kia auch bei den Fahrleistungen ab. Den 100-km/h-Sprint absolviert der Löwe laut Hersteller in knapp unter, der Magentis in knapp über zehn Sekunden. Bei unseren Messungen fiel diese Spreizung deutlicher aus: Der 407 mit 11,3 Sekunden dem Kia (12,6 Sekunden) deutlich davon. Und auch bei der Endgeschwindigkeit ist der Peugeot mit 208 km/h um bis zu sieben Zähler flotter unterwegs.

Gute Reiselimousinen

Galerie: Vergleichstest Peugeot 407 vs. Kia MagentisTrotz besserer Fahrleistungen gibt sich der Peugeot zudem genügsamer: Bei flottem Reisetempo (160 km/h) haben wir mit dem 407 gut sieben Liter verbraucht, während sich der Kia gut einen Liter mehr genehmigte. Bei 130 km/h sinkt dieser Wert bei beiden um jeweils rund einen Liter. Dank dieser moderaten Trinksitten kommt der Peugeot mit seinem 66-Liter-Tank bis zu 1.000 Kilometer weit, der Kia liegt fast 200 Kilometer früher auf dem Trockenen.

Fürs flotte Dahingleiten auf der Autobahn sind beide Probanden ansonsten gut gerüstet. Neben gehobener Motorleistung und kräftigem Durchzug kommen in beiden Fällen auch eine satte Straßenlage und angenehmer Langstreckenkomfort hinzu. Zwar liegt der straffere Magentis recht ordentlich auf der Straße, doch seine Lenkung verhärtet bei hohem Tempo nicht ausreichend und fühlt sich dann um die Mittellage zu leichtgängig an. Auch der Federungskomfort des Kia ist zwar ordentlich, wirkt im Vergleich zum 407 jedoch etwas hölzern.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Kia Magentis 2.0 CRDi   Peugeot 407 HDi 140
Ausstattungsvariante   EX   Tendance
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.800/ 1.805 / 1.480   4.691/ 1.811 / 1.486
Radstand (mm)   2.720   2.725
Wendekreis (m)   11,8   12,4
Leergewicht (kg)   1.580   1.580
Kofferraum (Liter)   500   407
Bereifung Testwagen   205/60 R16 92 H   205/60 R16 92 H
Motor        
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   1.991 / 4, Reihe   1.997 / 4, Reihe
Leistung (PS)   150   140
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   305 / 1.800 - 2.500   320 / 2.000
Antriebsart   Frontantrieb   Frontantrieb
Getriebeart   manuelles 6-Gang-Getriebe   manuelles 6-Gang-Getriebe
Verbrauch        
Krafstoffart   Diesel   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   6   5,7
CO2-Emissionen (g/km)   158   150
AS24-Verbrauch (l/100km)   8,3   7
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   10,3   9,8
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   12,6   11,3
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   40,3   39,4
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   201   208
Preise        
ab (Euro)   24.250   25.950
Empfohlene Extras   keine   Einparkhilfe vorn/hinten (500 Euro)
 
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Günstige Alternativen

Galerie: Vergleichstest Peugeot 407 vs. Kia MagentisDer Peugeot bietet mit seinem sänftenartigen Unterbau ein vorbildliches Komfortniveau, von dem sich seine meist sportlicher ausgelegten Mitbewerber deutscher Provenienz eine Scheibe abschneiden sollten. Und obwohl ein rückenschonender Gleiter, bleibt der Wagen bei Topspeed spurstabil und ist auch kein Spielverderber beim schnellen Kurvenstrich. Zwar wankt der 407 in flott genommenen Kurven und neigt früh zum Untersteuern, doch Normalfahrer werden im Alltagtag die Grenzen seines Dynamikpotenzials nicht ausloten. So muss ein Fahrwerk sein, das zudem mit modernster Regelassistenz und kräftiger Bremsen stets hohe Sicherheitsreserven bietet. Hinsichtlich der Sicherheitsausstattung gibt sich auch der Magentis keine Blöße, lediglich beim Bremsen braucht er einen Wimpernschlag länger.

Galerie: Vergleichstest Peugeot 407 vs. Kia MagentisDer Magentis ist also sehr umfangreich ausgestattet. Umso verblüffender ist sein konkurrenzlos günstiger Preis: Mit knapp 24.000 Euro liegt er deutlich unter dem Niveau deutscher Mitbewerber. Würde man einen VW Passat 2.0 TDI auf das Ausstattungsniveau des Kia rüsten, müsste man knapp über 30.000 Euro zahlen. Auf diesem hohen Preisniveau gibt es den 407 HDi 140 übrigens in der attraktiven Top-Ausstattung Platinum. Insofern ist der Peugeot auch preislich eine Alternative zu den deutschen Marktbeherrschern, doch im Vergleich zum Magentis ist selbst der 407 ein teures Auto.

 
Fazit

Mario Hommen

Es müssen nicht immer die Platzhirsche sein, um gediegenes Mittelklasse-Niveau zu geniessen. Peugeot wie Kia haben bemerkenswerte Alternativen im Programm, die vor allem auch angesichts ihrer Preisgestaltung interessant sind. Würde die Kaufentscheidung allein vom Verhältnis von Preis zu Platzangebot abhängen: Der Magentis wäre über jeden Zweifel erhaben.

Doch ansonsten kann der bereits betagte 407 in diesem Duell in so ziemlich jeder anderen Disziplin mehr überzeugen. Er bietet die insgesamt deutlich ausgewogeneren Fahreigenschaften mit einem kultivierteren und sparsameren Motor, der zudem die besseren Fahrleistungen bietet. Und auch das komfortbetonte und ausgewogenen Fahrwerk des Peugeot lässt dem Kia keine Chance.
 
 

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