Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Drucken Weiterempfehlen   Twitter
Galerie: Vergleichstest Vergleich: Audi S3 Sportback vs. BMW 130i vs. Mazda 3 MPS

Vergleichstest: Vergleich: Audi S3 Sportback vs. BMW 130i vs. Mazda 3 MPS

Sechs hat nur der BMW-Fahrer

22.12.2009

Das Herz neuer Autos schrumpft unaufhörlich. Downsizing, Hybrid und Elektroantrieb machen den Hubraummotoren den Garaus. Ein Beispiel für den Trend sind Mazda 3 MPS und Audi S3 Sportback. Beide haben wir mit dem letzten seiner Art verglichen: dem BMW 130i mit großvolumigem Reihen-Sechs-Zylinder. Ist Downsizing tatsächlich der Weisheit letzter Schluss?

Der BMW 130i wird wohl der letzte Einser und damit das letzte viertürige Kompakt-Klasse-Fahrzeug mit einem Sechs-Zylinder-Aggregat sein. Als Gründe für das Aussterben großvolumiger Motoren wird von fast allen Herstellern immer wieder der nicht zeitgemäße Kraftstoffverbrauch angeführt.

Melodie-Macher

Galerie: Vergleichstest Vergleich: Audi S3 Sportback vs. BMW 130i vs. Mazda 3 MPS

Somit muss man heutzutage über eine gesunde Portion Selbstbewusstsein verfügen, wenn man einen Leistungsstarken Wagen fährt, wie den BMW 130i. Denn aus vollen drei Liter Hubraum schöpft der Bayer in seiner neuesten, Euro-5-konformen Ausführung 258 PS (seit September 2009) und damit sieben Zähler weniger als bislang. An den Begleiterscheinungen ändert das freilich nichts. Noch immer dreht der Reihen-Sechser begnadet hoch, durchschnauft bei dieser Kletterpartie die komplette Tonleiter und begeistert Insassen wie Außenstehende mit einem nie aufdringlichen, aber stets eindringlichen Klangerlebnis. 6,6 Sekunden vergehen nach unseren Messungen, um mit einem Idealverhältnis aus Grip und Schlupf aus dem Stand auf Tempo 100 zu reisen. Von Rasen kann in diesem Fall keine Rede sein, der Motor lädt zum Genießen ein.

Ganz anders der Mazda 3 MPS. Der Turbo-Vier-Zylinder holt aus gut 2,2 Litern Hubraum 260 Pferde und lässt diese ungestüm auf die Vorderachse los. Technik-Kniffe wie Differenzialsperre und eine Drehmomentreduzierung in den ersten Gängen können nicht vermeiden, dass die Sprintzeit mit knapp unter sieben Sekunden nur auf GTI-Niveau liegt – zu viel Kraft verpufft aufgrund mangelnder Traktion. Wenigstens schlängelt die Vorderachse bei dieser Übung nicht wie eine Natter über den Asphalt. Der MPS fährt sich verblüffend brav. Was man im jedoch vermisst – besonders hinsichtlich seines extrovertierten Auftretens – ist ein ohrenschmeichelnder Klang. Weder aus dem Motorraum noch aus den zwei armdicken Endrohren kommt erquickender Sound.

eVote

 

Ein etwas besseres Klangerlebnis vermittelt der kleinste und zugleich stärkste Motor des Trios. Der Audi S3 Sportback holt aus knapp zwei Litern Hubraum beeindruckende 265 PS. Mit einer Sprintzeit von gemessenen 6,2 Sekunden untermauert er seine Vormachtstellung. Großen Anteil an diesem Wert hat der Lamellen-Kupplungs-Allrad. Im Vergleich zum BMW-Motor wirkt der Audi-Direkteinspritzer dennoch synthetisch und lethargisch. Kleine Gaspedalstöße werden erst nach kurzer Verzögerung in Vorwärtsdrang umgesetzt. Dafür hat das mit rund 1,3 bar aufgeladene Aggregat einen TDI-artigen Schub aus niedrigsten Drehzahlen. Auspuff-Begleitmusik ist zwar voluminös vorhanden, sie wirkt im Vergleich zum 130i aber sehr artifiziell.

Galerie: Vergleichstest Vergleich: Audi S3 Sportback vs. BMW 130i vs. Mazda 3 MPS

Audi und Mazda schwimmen beide auf der gewaltigen Drehmomentwelle und müssen ab 120 km/h die sechste Fahrstufe nicht mehr verlassen. Der BMW hingegen bekommt mit höheren Drehzahlen immer mehr Biss und dreht locker und weich bis über 7.000 Touren. Beim Audi lohnt das Ausdrehen kaum, eine Leistungsexplosion ist ab 2.000 Kurbelwellen-Umdrehungen nicht mehr zu spüren und mehr als 5.000 U/min muss man dem Vier-Zylinder nie abfordern, um trotzdem verdammt schnell zu sein.

Dass knackig schaltbare Mazda-Getriebe begeistert. Die Audi-Box ist ebenfalls sauber geführt, nur bei Übereifrigen kratzt es hin und wieder beim Wechsel vom Zweiten in den Dritten. Der BMW besitzt nach wie vor ein knochig zu bedienendes Getriebe, nicht jedermanns Sache. Im Audi gibt es auf Wunsch das Doppelkupplungs-Getriebe S-Tronic, im BMW eine herkömmliche sechs Stufen Wandlerautomatik und im Mazda keine Alternative.

Sechs gegen das Saufen

Galerie: Vergleichstest Vergleich: Audi S3 Sportback vs. BMW 130i vs. Mazda 3 MPSKlar ist, dass es sich bei diesem Trio in keinster Weise um Ökos handelt. Zwar muten die Norm-Werte für Audi und BMW mit jeweils 8,5 Litern sparsam an, doch erstens handelt es sich dabei idealerweise um Super Plus Benzin und zweitens sieht die Realität ganz anders aus. Vor allem bei Außentemperaturen von unter Null Grad Celsius und montierten Winterreifen schlürfen die drei ordentlich aus den 53 (BMW), 55 (Mazda) und 60 (Audi) Liter fassenden Treibstoffreservoirs. Audi S3 Sportback und Mazda 3 MPS – dessen Datenblatt einen Normverbrauch von 9,6 Litern ausweist – lassen es sich auf 100 Kilometer mit 12,7 Liter richtig gut gehen. Frei nach dem Motto: Turbo läuft, Turbo säuft. Zwar ist auch der Saugmotor des BMW kein Geizhals, doch gönnte sich der Hubraummotor gut einen halben Liter weniger. Wer im tempobegrenzten Ausland unterwegs ist, kann wiederum mit unter zehn Litern auskommen – bei allen dreien.

Adaptives Fahrwerk gibt’s nur aus Ingolstadt

Zur auf nichtdeutschen Autobahnen eher gelassenen Gangart will jedoch nicht jedes Fahrwerk passen. So kann der S3-Fahrer dank Magnetic Ride (1.050 Euro) auf Knopfdruck zwischen einer normalen und einer knallharten Dämpfer-Abstimmung wäh

len. In der Normalstellung federt der Audi recht souverän, wippt jedoch beim schnellen Überfahren von Qerfugen mit der Front etwas nach – Porsche 911-Fahrer kennen das Phänomen. Die Sportstellung harmoniert nur mit dem Willen nach der Bestzeit, denn schon bei ordentlich geteerten Autobahnen fühlen die Insassen jedes Steinchen. Der S3 zirkelt unspektakulär um jedwede Art von Biegungen. Erst spät schiebt er sanft über die Vorderachse, dann über alle viere zum Kurvenaußenrand. Gaswegnehmen verlangsamt ihn gutmütig, denn er ist frei von Zickereien, unheimlich schnell und dank Allrad unheimlich sicher.

Galerie: Vergleichstest Vergleich: Audi S3 Sportback vs. BMW 130i vs. Mazda 3 MPSIm Vergleich zum Audi ist der Mazda 3 MPS ein Immerharter. Er lässt keine Zweifel an seiner Passion. Die Feder-Dämpfer-Abstimmung ist ehrlich und erlaubt hohe Kurventempi mit wenig Seitenneigung, die Lenkung dürfte ein bisschen gefühlvoller agieren. Eine eindeutige Untersteuertendenz wird durch ein im Grenzbereich mitlenkendes Heck neutralisiert und macht den Japaner unverhofft schnell. Den Frontantrieb verheimlicht Mazda freilich nie.

Ähnlich unkomfortabel kommt der BMW 130i daher. Grund: Er reiste mit optionalem M-Paket und knackigerem M-Sportfahrwerk an. Eine Lösung, die nur Hartgesottenen zu empfehlen ist. Alle anderen fahren mit dem straffen Standard-Setup besser. So oder so lenkt der Einser sehr neutral und direkt ein und schiebt erst spät über die zu schmalen 205er Vorderräder (Standardgröße). Ein kurzer Tritt aufs Gaspedal gibt den Befehl zum Ausfallschritt, dem jedoch der DTC-Schleuderschutz ein jähes Ende bereitet. Ein langer Druck auf die OFF-Taste über dem Warnblinklichtschalter sorgt für das komplette Deaktivieren des Systems und ermöglicht sodann herrliche Driftwinkel. Hier lenkt der rechte Fuß dank der feinfühlig dosierbaren Leistungsabgabe um die Kurven. Vorsicht: Wie unsere Bremstests zeigen, sind auch bei diesen Sportlern trotz üppiger Bremsanlagen keine Wunder möglich: Die montierten Winterreifen verlängern den Bremsweg auf Asphalt um bis zu 20 Prozent!

Sportsitze sind ein Muss

Galerie: Vergleichstest Vergleich: Audi S3 Sportback vs. BMW 130i vs. Mazda 3 MPSDamit bei sportlicher Gangart die Körper der Insassen gut fixiert sind, empfehlen sich Sportsitze. Beim Audi und Mazda gehören ein gut ausgeformtes Gestühl zur Grundausstattung, beim BMW kosten Sportsitze rund 600 Euro. Dafür bieten diese als einzige die Möglichkeit, die Lehnenwangen an die Leibesfülle anzupassen. Und auch sonst verlangt BMW für ein sportlich arrangiertes Interieur Sonderzahlungen. Einen M-Schalthebel und ein dickes M-Lenkrad gibt es ebenfalls nicht kostenlos. Immerhin hat der Kunde beim BMW die Wahl. Im Mazda erwartete einen nämlich stets ein dünnes, konturloses Normalo-Leder-Lenkrad. Im Audi ebenfalls, es sei denn, man kauft für 105 Euro das unten abgeflachte Sportlenkrad.

Die Verarbeitung hinterlässt bei allen einen astreinen (Audi und BMW) bis ordentlichen (Mazda) Eindruck. Im Mazda sitzt serienmäßig in den Außenspiegeln der Tote-Winkel-Warner. Auf das nur 720 Euro günstige Mini-Navi sollte verzichtet werden. Erstens ist die Anzeige mickrig, zweitens sind viele von portablen Navis bekannte Funktionen nicht vorhanden und drittens ist das Display tagsüber mit eingeschaltetem Abblendlicht ohne Nachjustieren kaum ablesbar.

Ebenso wenig optimal ist die Raumökonomie des immerhin gut 4,50 Meter langen Japaners. Vor allem auf der Rückbank stoßen bereits Knie und Kopf mittelgroßer Insassen an. Den größten Innenraum und die beste Übersicht bietet der rund 4,30 Meter lange S3. Der BMW spielt platzmäßig in der VW Polo-Liga.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Audi S3 Sportback   BMW 130i
Ausstattungsvariante        
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.302/1.766/1.402   4.239/1.748/1.421
Radstand (mm)   2.578   2.660
Wendekreis (m)   10,7   10,7
Leergewicht (kg)   ab 1.570   ab 1.460
Kofferraum (Liter)   mindestens 302   mindestens 330
Bereifung Testwagen   225/40 R18 Dunlop Winter Sport 3D   205/50 R17 Bridgestone Blizzak
Motor        
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   1.984 / 4, Reihe   2.996 / 6, Reihe
Leistung (PS)   195 (265)   190 (258)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   350 zwischen 2.500 - 5.000   310 zwischen 2.600 - 3.000
Antriebsart   Allrad   Heck
Getriebeart   6-Gang-Handschalter   6-Gang-Handschalter
Verbrauch        
Krafstoffart   Super Plus   Super Plus
Kombiniert laut Werk (l/100km)   8,5   8,5
CO2-Emissionen (g/km) laut Werk   199 / Euro 5   199 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   12,7   12,1
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   5,8   6,1
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   6,2   6,6
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   44,3 (Winterreifen!)   43 (Winterreifen!)
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   250   250
Preise        
ab (Euro)   38.550   35.350
 
Vergrößern
Verkleinern
 

Knackpunkt Preis

Mit 38.550 Euro ist der Grundpreis des S3 Sportback am höchsten. Gefolgt vom noch spartanisch ausstaffierteren 130i für indestens 35.350 Euro. Bei beiden muss nahezu jede Selbstverständlichkeit bezahlt werden. So kosten im BMW sogar Fußmatten (100 Euro), breitere 17-Zoll-Räder an der Hinterachse (150 Euro), Klimaautomatik (560 Euro) sowie Tempomat (280 Euro) extra. Im Audi sind immerhin Klimaautomatik und Allradantrieb Serie. Dennoch endet der Gesamtpreis bei beiden kaum unter 40.000 Euro. Über solch eine Geldverschwendung können sich MPS-Käufer nur wundern: Den Japan-Athlet gibt es für vergleichsweise günstige 27.400 Euro. Mit dem 2.400 Euro teuren Plus-Paket inklusive Bose-Sound-System, schlüssellosem Zugang- und Motorstart-System sowie Bi-Xenon-Kurvenlicht ist er – bis auf das Navi – komplett ausgestattet.

 
Fazit
 

Michael Blumenstein

Als bester Allrounder, der – wenn es sein muss – auch sehr spritsparend bewegt werden kann, kristallisiert sich der Audi S3 Sportback heraus. Sein Motor hängt für einen Turbo sehr direkt am Gas, sein Allradantrieb ist unter Sicherheitsaspekten nicht zu schlagen, das aufpreispflichtige Magnetic-Ride-Fahrwerk kann mehr als nur hart und sein Interieur ist am geräumigsten.

Der BMW 130i begeistert mit und durch seinen Motor. Der Reihen-Sechser gehört einer aussterbenden Art an und ist das mit Abstand charismatischste Aggregate. Motorklang und Laufruhe begeistern. Bemerkenswert: Der Drei-Liter ist der sparsamste im Vergleich – wie war das noch mit unzeitgemäß? Platz- und preismäßig liegt der BMW ganz hinten, stören tut das offensichtlich nur wenige, der Einser verkauft sich nach wie vor gut – meist allerdings als Diesel.

Der Größte ist gleichzeitig der Günstigste. Allerdings enttäuscht der Mazda 3 MPS mit seiner Raumökonomie. Begeistern kann er dafür mit einem runden Komplettangebot, insbesondere wenn man auf den Preis achten will oder muss. Klar, der Frontantrieb ist ein Makel im Sportwagen-Segment. Langsamer als die deutschen Kompakt-Sportler ist der MPS meist dennoch nicht. Preislich liegt er unter Golf GTI-Niveau und ist gleichzeitig gut 10.000 Euro günstiger als Audi S3 Sportback und BMW 130i. Ein Argument, das einige auch über das fehlende Image hinwegtrösten kann.
 

Galerie: Vergleichstest Vergleich: Audi S3 Sportback vs. BMW 130i vs. Mazda 3 MPS

 
3
186

Pariser Autosalon 2014

Wir werfen einen Blick auf die Neuheiten vom Auto Salon in Paris.

Suche nach Angeboten

Marke
Model
Fahrzeugrückruf
Hier verpassen Sie keinen Rückruf vom Hersteller mehr. Wir informieren Sie sofort per E-Mail.
Zum Rückrufservice

Frage der Woche

E-Smart im Dauertest

Wie lebt es sich mit einem Elektroauto?

AutoWelten

ServiceWelten

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.