Dem Traumwagen ein Stück näher. Worauf Sie beim Youngtimer achten müssen.
Breit, flach und stark. Der von einem Mittelmotor angetriebene Audi R8 verfügt über die Gene eines echten Rennwagens. Doch darüber hinaus schlägt der neue Supersportler die Brücke zu einem langstreckentauglichen Reise-Coupé. Mit dieser Strategie will man sich auch von der Hauseigenen Konkurrenz Lamborghini abgrenzen.
Im Rennsport hat Audi schon lange Erfahrungen mit Mittelmotoren gesammelt. Auf der Straße hielten sich die Ingolstädter bislang allerdings zurück. Doch damit ist jetzt Schluss. Der Audi R8, bereits fünfmaliger La Mans-Sieger, steht als Serienversion in den Startlöchern.
Qualität statt Quantität
Welch hohe Ansprüche Audi an den R8 stellt, zeigt allein die Tatsache, dass im Werk Neckarsulm eine eigene Produktionshalle für den Boliden errichtet wurde. Maximal 15 Fahrzeuge pro Tag werden dort gefertigt - stets überwacht von Spezialistenteams, die jederzeit die hohen Qualitätskriterien überwachen.
Einer der legitimen Vorfahren des Audi R8 ist der Auto Union Typ C, ein Grand Prix-Wagen der Extraklasse. Mit ihm verbindet den R8 das Mittelmotor-Konzept. Vor allem die Fahrdynamik soll von dieser Anordnung profitieren. So wurde eine Gewichtsverteilung von 44 zu 56 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse möglich.
Sportliches Design
Das gesamte Design wurde von der Mittelmotor-Bauweise bestimmt. Die Fahrgastzelle rückt weit nach vorne, kurze Überhänge kennzeichnen die Vollaluminium-Karosserie. Die flache, aber durch ihre Breite wuchtige Front macht den R8 zusammen mit der geschwungenen Dachlinie eindeutig als Audi erkenntlich.
Highlight: Die über den großen Lufteinlässen positionierten Scheinwerfer sind erstmals komplett in LED-Technik erhältlich. Selbst die Blinker bestehen aus den so genannten „Licht emittierenden Dioden“.
Großflächige Rückleuchten, natürlich in LED-Technik, vier Auspuff-Endrohre und große Diffusoröffnungen machen den R8 von hinten unverwechselbar. Ein automatisch ausfahrender Heckspoiler stellt den nötigen Abtrieb sicher.
Dominiert wir das Heck allerdings von der transparenten Motorhaube, die den Blick auf den Antrieb freigibt. Auf Wunsch verbaut Audi sogar eine indirekte Motorraumbeleuchtung aus weißen LEDs, die auch bei Dunkelheit den Blick auf den Achtzylinder erlauben.
Kraft aus Acht
Bis zu 420 PS soll der 4,2 Liter große V8-FSI mit Direkteinspritzung leisten. Das maximale Drehmoment von 430 Newtonmetern liegt im weiten Bereich von 4.500 bis 6.000 Touren an. Noch beeindruckender: Zwischen 3.500 und 7.600 Umdrehungen sollen immerhin stolze 90 Prozent des Drehmoments abrufbar sein.
Sein Leistungsmaximum erreicht der R8 allerdings noch später. Erst bei 7.800 Touren stehen die vollen 420 PS zur Verfügung. Und das Hochdrehzahl-Konzept aus dem Rennsport scheint aufzugehen: Mit erstklassigen Fahrleistungen will der Audi die Gunst der Käufer gewinnen. 4,6 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 sind eine klare Ansage.
Rennsport für die Straße
Neben einem manuellen Sechsgang-Getriebe bietet Audi das sequentielle Schaltgetriebe Audi R tronic zur Wahl. Dabei werden die Gänge wahlweise per Joystick in der Mittelkonsole oder mittels Schaltpaddel hinter dem Lenkrad gewechselt. Der zusätzlich aktivierbare Sport-Modus sorgt für besonders kurze Schaltzeiten. Komfortabler dagegen geht’s im Automatik-Betrieb zu Gange.
Doch damit nicht genug der Rennsport-Technik. Auch die dort bewährte Trockensumpfschmierung, mit einem separaten Ölbehälter, haben die Ingolstädter in den R8 integriert. Folge: Der V8 konnte niedriger verbaut werden und senkt somit den Schwerpunkt des sowieso nur 1,25 Meter hohen Fahrzeugs weiter ab.
Magnetisch verstellbar
In Kombination mit dem Magnetic Ride Fahrwerk verspricht der R8 somit beste Fahreigenschaften. Der Clou dabei ist, dass statt herkömmlichen Dämpferöls eine magnetorheolgoische Flüssigkeit verwendet wird. Klingt kompliziert, ist es aber nicht.
Dieses Fluid lässt sich durch ein elektromagnetisches Feld in seiner Viskosität beeinflussen. Die Folge ist eine variable Dämpferkennlinie, die jederzeit der aktuellen Fahrsituation angepasst werden kann. Über einen Schalter im Cockpit kann der Fahrer zudem die grundsätzliche Auslegung, ob sportlich oder komfortabel, vorgeben.
Der standardmäßige Allradantrieb quattro schickt mittels Visco-Kupplung die Kraft auf 18-Zoll-Serienräder. Für den nötigen Grip sorgen vorne 235er, hinten sogar bis zu 285er Reifen. Entsprechend der Achslastverteilung ist auch der quattro-Antrieb eher Hecklastig ausgelegt.
Einfach nur schön
Bleibt noch das Interieur. Mit einem Wort lässt es sich beschreiben: Beeindruckend! Gut, kleine Schönheitsfehler gibt es, wie der verwendete Kunststoff am Mitteltunnel. Doch die Gestaltung sowie die mit Klavierlack überzogenen Einlagen machen das wieder wett.
Der Innenraum des R8 ist konsequent auf den Fahrer ausgerichtet. Nur auf seiner Seite zieht sich eine Klavierlack-Zierleiste von der Tür über das scheinbar frei stehende Dashboard und umrandet die schwebende Mittelkonsole.
Sportlich: Das Lenkrad ist, wie auch beim RS4 unten abgeflacht.
Praktische Sache
Dank des großen Radstands von 2,65 Metern ist der Fahrgastraum entsprechend üppig ausgefallen. Auch große Fahrer finden auf den straff gepolsterten Sportsitzen problemlos Platz. Auf Wunsch ist der R8 auch mit Schalensitzen lieferbar.
Doch nicht nur für die beiden Passagieren bietet der Audi ausreichend Platz. Der vorne angebrachte Kofferraum schluckt problemlos das Gepäck für ein verlängertes Wochenende zu zweit. Und hinter den Sitzen und damit vor dem Motor ist sogar noch Platz für zwei Golfbags.
Fazit
Audi will mit dem R8 zwei Bedürfnisse befriedigen: Zum einen soll der Supersportler durch Fahrleistungen und dynamisches Handling überzeugen. Auf der anderen Seite steht der Praxisnutzen. Mit ausreichend Stauraum und Sitzkomfort soll der R8 zum Alltagsfahrzeug werden.
Und dieses Konzept scheint aufzugehen. Allerdings steht dem ungetrübten Vergnügen noch der hohe Einstiegspreis im Weg. Immerhin rund 104.000 Euro sind mindestens fällig für den R8. Plus Parksensoren wohl gemerkt. Auf die sollte niemand verzichten, denn übersichtlich ist der R8 weder nach vorn noch nach hinten.
Dem Traumwagen ein Stück näher. Worauf Sie beim Youngtimer achten müssen.
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