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Vielleicht hat es den VW-Konzern gewurmt, dass ein Kleinserienhersteller wie SSC (Shelby Supercars) den Veyron vom Topspeed-Thron stieß. Zumindest könnte dies ein Grund dafür sein, den Bugatti-Irrsinn auf eine höhere Eskalationsstufe und die Guiness-Buch-Rekordmarke auf 431 km/h zu treiben. Vielleicht war die Rekordfahrt aber auch Marketing-Kalkül, denn vom speziell angefertigten Rekordfahrzeug mit 1.200 PS wurde gleich noch eine ebenso starke Straßenversion mit sportlicher Akzentuierung abgeleitet.
431,07 km/h heißt die neue, im Juni 2010 aufgestellte Rekordmarke für straßenzugelassene Seriensportwagen, die mit einem speziell überarbeiteten Veyron gefahren wurde. Entscheidend für diese deutliche Topspeed-Steigerung von bislang 407 km/h war eine Erhöhung der Leistung um 199 auf 1.200 PS. Diese Mehrleistung wurde übrigens durch eine größere Dimensionierung der vier Turbolader und der Ladeluftkühler möglich. Außerdem wurde die Außenhaut aerodynamisch verfeinert.
Die von Bugatti nun zum Kauf angebotene 1.200-PS-Version mit Namenszusatz Super Sport verfügt neben diesen antriebsseitigen Modifikation und einer Verstärkung sämtlicher Komponenten des Antriebsstrangs noch über weitere Änderungen, die ein noch sportlicheres Fahren ermöglichen sollen. Der nachgewiesener Weise möglichen Geschwindigkeit von über 430 km/h wurde allerdings ein Riegel vorgeschoben: Bei 415 km/h fährt das Kundenfahrzeug in den elektronischen Begrenzer.
Für besseres Handling
Fahrwerksseitig wurden für den Super Sport umfassende Änderungen vorgenommen. Unter anderem hat Bugatti die Haupt-Federraten angehoben und die Stabilisatoren verstärkt. Zusammen mit neu entwickelten Dämpfern sollen Räder und Fahrzeug spürbar exakter kontrollierbar sein. Neben dem hohen querdynamischen Potential von bis zu 1,4g verspricht Bugatti dank eines optimierten Zusammenspiels der Reifen mit dem Allradsystem bessere Handlingeigenschaften. Gewaltige 1.500 Newtonmeter Drehmoment erlauben am Kurvenausgang zudem noch extremere Beschleunigungswerte. So gerüstet, dürfte sich der Super Sport auf Rennstrecken deutlich besser als sein 1.001-PS-Bruder schlagen.
Ein aerodynamischer Feinschliff an der Karosserie soll darüber hinaus für bessere Effizienz und Balance in allen Fahrsituationen sorgen. Modifizierte Lufteinlässe ermöglichen mehr Luftdurchsatz und eine bessere Kühlung. Ein neuer Faseraufbau des Vollkarbon-Monocoques garantiert schließlich eine gegenüber dem Basismodell nochmals höhere Verwindungssteifigkeit bei weniger Gewicht. Die Außenhaut besteht vollständig aus Kohlefaser – auf Wunsch ist der Bugatti Veyron 16.4 Super Sport in klar lackiertem Sichtkarbon erhältlich.
Das Modell Super Sport wird übrigens nur noch für eine Hand voll Neukunden angeboten. Fast 90 Prozent der insgesamt 300 vorgesehenen Veyron wurden nämlich bereits verkauft. Der Aufpreis ist übrigens enorm: Für die 200 Mehr-PS und die umfangreichen Karosserie- und Fahrwerksoptimierungen werden gleich mehrere 100.000 Euro zusätzlich verlangt. Der Super Sport kostet schlappe 1,65 Millionen Euro.
Wo soll man 400 km/h fahren?
Ob 1.001 PS oder noch die Leistung eines Golf GTI obendrauf – der Veyron provoziert selbst bei Vollgas-Jüngern gelegentliches Kopfschütteln. Die ewig gleiche Frage lautet: Wer soll das ausfahren? Und die Antwort muss schlichtweg lauten: Niemand. Praktisch finden sich eigentlich keine Strecken, die derart hohe Geschwindigkeiten erlauben. Deutsche Autobahn? Nie und nimmer. Rennstrecken? Höchstens noch Hochgeschwindigkeits-Ovale, die allerdings der Öffentlichkeit kaum zugänglich sind.
Selbst wenn man Zugang zu einer geeigneten Strecke bekommen sollte, wäre da immer noch die Schwachstelle Reifen. Der speziell beim „Serien“-Veyron montierte Michelin hat zwar eine Freigabe von Bugatti bis 415 km/h, doch was bei derart extremen Geschwindigkeiten den Reifen zugemutet wird, ist enorm. Sollte sich ein Bugatti-Fahrer tatsächlich einmal kurz den Luxus gönnen, über 400 km/h schnell zu fahren, empfiehlt sich danach ein Austausch der Reifen. Einen zweiten 400-km/h-Versuch sollte man aus Sicherheitsgründen mit den gleichen Reifen tunlichst unterlassen. Ein Satz kostet übrigens etwa 5.000 Euro und reicht bei normaler Fahrweise für 5.000 Kilometer. Allein der Reifenverschleiß kostet bei einem Veyron also pro gefahrenen Kilometer gut einen Euro.
Doch Anschaffung, Unterhaltkosten, Geschwindigkeitsrekorde – letztlich dürften diese Dinge für die elitäre Schar der Veyron-Besitzer wohl nur amüsante Zahlenspiele sein. (mh)
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