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Vorstellung: Neue Motoren für den BMW 5er

Vorstellung: Neue Motoren für den BMW 5er

Die Bayern legen nach

24.09.2014

Ein wenig erinnert der BMW-Konzern an den Münchner Nachbarn FC Bayern. Erfolgsverwöhnt, fast unbesiegbar, sehr selbstbewusst. Das Beispiel 5er-Reihe zeigt es. Der Klassiker fährt in der Champions League ganz oben mit und zeigt seinen üblichen Rivalen Mercedes E-Klasse oder Audi A 6 in der oberen Mittelklasse die Rücklichter. Beim  aktuellen Modell, das Mitte letzten Jahres aufgefrischt und seitdem schon wieder 251.000 Mal verkauft wurde, stimmen Optik und Technik. Da verwundert es, dass unter der Haube immer noch Luft für Neues ist.

Frei nach dem Motto, „wenn´s am schönsten ist, soll man nachlegen" bringt BMW jetzt ein neues Einstiegsmodell, das vor allem den ohnehin schon dominanten Verkauf an Firmenkunden steigern soll, aber die Privatmenschen nicht aus den Augen verliert. Im  sogenannten Flottengeschäft zählt jeder Cent, jeder Tropfen des wertvollen Sprits. Und wenn es um die Tankrechnung geht, sehen sich die Münchner mit ihrem neuen Diesel-Triebwerk im 520d an der Spitze der Knauserer:  Gerade mal 4,3 Liter genehmigt sich die immerhin 190 PS starke, ab 42.600 Euro erhältliche Limousine nach der derzeit gültigen EU-Norm. „Ein neuer Bestwert im Premium-Segment der oberen Mittelklasse", verkündet Peter Wolf, der die großen Baureihen bei den Münchnern verantwortet. Den CO2-Ausstoß von 109 Gramm pro Kilometer unterbietet damit natürlich derzeit ebenfalls kein Konkurrent in dieser Klasse.

Ein ganz normaler Kunde interessiert sich für das Innenleben eines Motors gemeinhin nur am Rande, also lohnt vor der ersten Ausfahrt ein Ausflug in die Welt der Technik. „Keine Weiterentwicklung, sondern ein völlig neu entwickeltes Triebwerk“, sagt Peter Wolf. Zwei Liter Hubraum, vier Zylinder und zwei Turbolader bilden die heutzutage gewohnte Basis. Aber dann ist von Aluminium-Kurbelgehäusen mit verminderten Reibwerten die Rede, vom auf 2.000 bar erhöhten Maximaldruck der Einspritzung oder von einer spontaneren Reaktion des Start-Stopp-Systems. Ein ganz besonderer Clou kommt zur Wirkung, wenn neben der 2.250 Euro teuren Achtgang-Automatik auch noch das aufwendige Navigationssystem (3.000 Euro) eingebaut ist. Dann „liest" die Elektronik das Streckenprofil der gewählten Route und erkennt so, ob es gleich bergab geht oder bald eine Steigung droht. Der Bordrechner gibt die Infos an die Automatik weiter, die dann rechtzeitig unter ihren acht Gängen den gerade passendsten heraussucht. Sie schaltet zum Beispiel genau zum richtigen Zeitpunkt hoch, wenn es gilt, eine Steigung zu erklimmen. So kann der Motor länger in spritsparenden niedrigen Drehzahlen verbleiben als man es ihm nach Gehör oder Erfahrung zutrauen würde.

Segeln mit dem 5er

„Selbst wenn der Fahrer rechtzeitig erkennt, dass es gleich über eine Anhöhe geht, kann er von Hand nie so schnell und präzise reagieren wie die mit dem Navi vernetzte Automatik“, erklärt Christian Hiemesch, Projektleiter für die Dieselmotoren im 5er. Das gilt auch bei der Annäherung an einen Kreisverkehr oder auf Landstraßen an die nächste Biegung. Zudem arbeitet das System noch mit dem Tempomaten zusammen, mit dem eine vorher gewählte Geschwindigkeit gehalten wird. Da auch der neue Basis-BMW die beim Bremsen entstehende Energie „auffängt“ und in die Batterie weiterleitet, ergibt sich als Summe der Ingenieurskunst eben dieser Traumwert für ein so großes Auto. Der Spar-Fünfer beherrscht auch das „Segeln“, bei dem der Motor in den Freilauf versetzt und vom Getriebe abgekoppelt wird.

Bei aller prallen Technik und wohl Tausenden an Ingenieursstunden schafft es der 520d trotz erfolgter Herzverpflanzung nicht, die praxisfremde EU-Norm auch nur annähernd zu erreichen. Das gilt selbst dann, wenn der Eco-Plus-Modus gewählt wurde, der immer wieder dazu ermahnt, den Gasfuß zu erleichtern. Nach der zwar gelassenen, aber nicht übertrieben verbummelten Testfahrt auf Landstraße und Autobahn meldete der Bordcomputer einen Wert von 7,8 Litern auf 100 Kilometer. Zugegeben: Bei extremer Sparfahrt im Windschatten von dicken Trucks und Tempo 80 auf der Autobahn wäre vielleicht noch ein weiterer Liter Ersparnis möglich gewesen. Aber wer fährt schon so, dass ihm eine Erwähnung im Verkehrsfunk als rollendes Hindernis droht.

Ein Muster an Laufruhe

BMW muss sich nicht grämen: Niemand schafft die Norm im richtigen Leben. Das bergige, kurvige Voralpenland und der Prüfstand im Testlabor haben wenig miteinander gemein. Aber: Der Alltagsverbrauch des 520d ist niedriger als unter gleichen Bedingungen bei der Konkurrenz, das Ziel einen effizienten und dennoch dynamischen Motor zu konstruieren, wurde mit Bravour erreicht. Obendrein ist das Triebwerk ein Muster an Laufruhe, meldet sich nur im Sport-Mode mit wohligem Brummen, weil die Automatik dann die Gänge ohne Rücksicht auf die Zapfsäule ausreizt.

Vor allem aber sitzt man in einem echten Fünfer mit all dem Komfort, der Technik, dem feinen Ambiente und dem Gefühl an sicherer Überlegenheit, einem 4,90 Meter langen Fünfsitzer, der im täglichen Betrieb nicht mehr verbraucht als vor nicht allzu langer Zeit ein Kleinwagen. Und der sicher auch seinen stolzen Preis wert ist: Der 520d kostet glatte 42.600 Euro, der um 40 PS schwächere 518d liegt mit 40.100 Euro knapp über der magischen Grenze. Rechnet man Automatik, Navigation und nur wenige der vielen Extras, Verschönerungsverlockungen oder Assistenzsysteme aus der Aufpreisliste dazu, kommen leicht noch einmal 15.000 Euro zusammen.

Wer den neuen Spar-Motor mit weniger finanziellem Aufwand erleben will, muss daher noch etwas Geduld haben, bis er auch in den Dreier und Einser eingebaut wird. (sp-x)

 
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