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Galerie: Vorstellung Seat Toledo

Vorstellung: Seat Toledo

Nischenprodukt

13.03.2013

Toledo. Der Name kommt noch aus einer Zeit, wo Seat bei der Nomenklatur der Produktnamen vor allem auf die Wirkung spanischen Temperaments setzte. Doch seit der selbst gewählte Werbeslogan „Auto emocion“ in die Rumpelkammer der Sprücheklopfer gestellt wurde und der neue Seat Toledo statt aus dem spanischen Matorell, aus dem Skoda Stammwerk Mladá Boleslav in der Tschechoslowakei kommt, ist es mit den spanischen Wurzel nicht mehr weit her und der Seat nur noch ein weiteres Kind in der riesigen VW-Familie. Zu allem Überfluss hat der Toledo mit dem Skoda Rapid auch noch einen Zwillingsbruder, sodass sich dem automobilen Laien nicht unbedingt die Existenzberechtigung dieser Neuerscheinung erschließt.

Information der Redaktion: Dieser Bericht wurde "kalt" geschrieben. Das heißt unser Autor Sven Jürisch hat das Auto nicht gefahren. Er war noch nicht mal in Frankfurt, wo die Veranstaltung stattfand, denn der Flughafen war geschlossen. Seat hat an diesem Tag auch keine Testwagen an Journalisten herausgegeben, weil zu viel Schnee auf den Straßen lag.Wir bringen den Text dennoch, denn er ist informativ, der Autor ein Kenner. Zudem ist der Seat baugleich mit dem bereits vorgestellten und uns gut bekannten Skoda Rapid.
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Das Design dürfte jedenfalls nur in den seltensten Fällen ausschlaggebendes Element für die Kaufentscheidung sein. Waren schon die Toledo-Vorgänger nicht unbedingt Zeugnisse von gestalterischem Wagemut, so scheinen dem Designer im Falle des Toledo nun endgültig die Ideen ausgegangen zu sein. Spanisches Flair sucht man hier ebenso vergeblich, wie Oliven im Schweinebraten.

Sieht man dem Skoda Rapid seinen Heidecharme noch mit der Milde der Erstgeburt nach, macht sich beim Seat nur noch Ratlosigkeit breit. Wie, bitte, soll die, von hohen Verlusten gebeutelte, spanische Marke es je in die schwarzen Zahlen schaffen, wenn die wohlhabende Mutter Volkswagen nur abgelegte Sachen nach Matorell schickt. Seat Mii, Seat Alhambra und nicht zuletzt der Exeo sind unbestritten gute Autos, doch eben auch nichts, was einen dazu bewegt unbedingt einen Seat zu kaufen.

Geräumig und praktisch

Galerie: Vorstellung Seat ToledoDoch genug gemeckert, objektiv gesehen stimmt zunächst erst einmal alles im neuen Toledo. Der Viertürer bietet sowohl vorne als auch hinten einen bequemen Einstieg, eine hervorragende Rundumsicht, sowie einen üppigen und leicht zu beladenen Kofferraum, dessen Ladekante so angenehm niedrig ist, dass auch das Einladen von Wasserkästen ohne bleibende Schäden an der Bandscheibe möglich ist.

Dank der großen, bis ins Dach reichenden Kofferraumklappe passt sogar das Sofa aus dem Möbelhaus problemlos in den bis zu 1.490 Liter großen Kofferraum, wenn gleich aufgrund der schrägen Heckscheibe beim Schließen Vorsicht angeraten ist. Schön wäre es jedoch, wenn sich das Sofa auch immer mit Spannbändern sichern ließe , doch die eigentlich selbstverständlichen Verzurrösen sind Bestandteil der Aufpreisliste bei Seat, ebenso wie der Taschenhaken, der zwar Tüten im Kofferraum sicheren Halt bietet, für die Arretierung des Sofas jedoch zu schwach ausfällt.

Abstriche bei der Qualität

Galerie: Vorstellung Seat ToledoSeit Volkswagen das Zepter bei den Spaniern in der Hand hat, geben Seat-Fahrzeuge hinsichtlich der Karosseriequalität keinen Anlass zur Klage. So auch der Toledo. Die Karosserie wirkt gut verarbeitet, die Türen schließen satt und auch das Lackbild entspricht der erwarteten Wertigkeit. Im Gegensatz dazu fällt der etwas lieblose Innenraum etwas zurück. Zwar strahlen das übersichtliche Kombiinstrument mit hochwertiger Grafik von Drehzahlmesser und Bordcomputer, sowie das typische Konzern-Multifunktionslenkrad ein gewisses Maß an Premium Atmosphäre aus, wer aber genauer hinsieht, wird enttäuscht.

Unterschiedliche Detailpassungen und Oberflächennarbungen sind ebenso dem Kostendruck geschuldet, wie die offenbar aus dem Toledo-Urmodell entliehene Heizungsbedienung mit ihren grob motorischen Drehreglern. Da stimmt es nur bedingt versöhnlich, dass zumindest die Luftaustrittsdüsen mit kleinen Chromrähmchen bedacht wurden und alle anwesenden Schalter mit dem bekannt hochwertigen „Klick-Gefühl“ eines VW einrasten.

Angemessene Dynamik

Galerie: Vorstellung Seat ToledoOb diese Einbußen am Ende die Kaufentscheidung beeinflussen, mag dahingestellt bleiben. Viele der Kunden werden den Toledo vor allem wegen seines Antriebs nach Volkswagen-Art auf die Shopping Liste setzen. Wie beim Skoda Rapid offeriert die Seat-Preisliste zum Marktstart fünf aus dem Konzern bestens bekannte Vierzylindermotoren, wovon nur der 1.6 TDI (105 PS) mit Dieselkraftstoff betrieben wird. Der Common-Rail-Vierzylinder stellt dann auch die beste Wahl für den Alltag dar.

Dank 250 Newtonmeter Drehmoment zieht der Motor bereits knapp über der Leerlaufdrehzahl kräftig durch und beschleunigt den Toledo binnen 10,6 Sekunden auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 190 km/h und wird nach bemerkenswert kurzem Anlauf erreicht. Sparen kann der Toledo-TDI natürlich auch. In der Standardversion liegt der Verbrauch bei 4,4 Litern Diesel, bei der optimierten Ecomotive-Version ist es noch mal ein halber Liter weniger. Doch selbst, wenn die Praxiswerte geringfügig höher ausfallen sollten, ergibt dies dank eines 55 Liter Tanks eine Reichweite von über 1.000 Kilometern; der Toledo empfiehlt sich also als echtes Urlaubsauto.

Kleinvolumige Benziner

Galerie: Vorstellung Seat ToledoWer dagegen keinen Diesel will, der kann aus vier Benzinmotoren unterschiedlicher Stärke auswählen. Der Favorit ist dabei der 122 PS starke 1,4-Liter-TSI-Motor, der mit dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe eine dem Marketing geschuldete Zwangsehe eingeht, die sich aber als gelungene Verbindung entpuppt. Der Automat wechselt die Gänge ohne Verzögerung, hält stets die richtige Übersetzung parat und kann bei Bedarf mit den beiden Schaltpaddels am Lenkrad auch manuell bedient werden.

In Anbetracht der realisierbaren Fahrleistungen (0-100 km/h in 9,5 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 206 km/h) geht auch der Verbrauch mit 5,8 Litern in Ordnung. Die schwächeren 1,2-Liter-Modelle mit 85 und 105 PS liegen in Sachen Verbrauch auf Augenhöhe mit dem Topmodell, was die Wahl des Motors ausschließlich zu einer Frage des Anschaffungspreises macht.

Vollwertige Limousine zu einem attraktiven Preis

Galerie: Vorstellung Seat ToledoBasis, Reference und Style lauten die drei Ausstattungslinien des Seat Toledo. Die Basis darf dabei durchaus wörtlich genommen werden. Traurige Stofffarben, Blech- statt Aluräder und manuelle hintere Fensterheber sowie die völlige Abwesenheit einer Klimaanlage können bestenfalls das Controlling von Dax-Konzernen begeistern, nicht aber die fröhliche Jungfamilie Die Reference-Variante bietet ausser einem höhenverstellbaren Fahrersitz und einer Funkfernbedienung für die Zentralverriegelung kaum mehr, kann aber zumindest mit einzelnen Optionspaketen individualisiert werden.

Optimal ist daher das Topmodell Style, das neben breiteren Reifen samt Alufelgen auch über ein statisches Kurvenlicht und vier elektrische Fensterheber verfügt. Wer allerdings Assistenzsysteme oder andere technische Highlights in der Preisliste des Seat sucht, sieht sich enttäuscht. Selbst das Bildschirmnavigationsgerät verfügt im Toledo noch über einen altmodischen SD-Kartenslot, um die Daten einzulesen. Doch letztlich reicht das Gebotene aus, um im Notfall sicher von A nach B zu kommen.

Fazit

Galerie: Vorstellung Seat ToledoMit Preisen ab 13.990 Euro für das lückenhaft ausgerüstete 75-PS-Basismodell werden sich die wenigsten Käufer abfinden, sodass das Groß der Fahrzeuge in der Reference-Ausstattung mit dem 105 PS Benziner und einigen separat zu bestellenden Extras vom Band rollen dürfte. Der Preis geht dafür mit rund 20.000 Euro in Ordnung, wobei es vermutlich von der Händlerpräsenz und den aktuellen Rabatten abhängen wird, ob der Kunde sich nun für den Seat oder den Skoda entscheidet, denn der kostet exakt das Gleiche.

Der Seat Toledo ist das richtige Auto für den Autofahrer der eine geräumige Limousine zu einem attraktiven Preis sucht. Hochwertige VW-Antriebstechnik, gepaart mit einer soliden Qualität und niedrigen laufenden Kosten, machen aus dem Auto ein interessantes Angebot für junge Familien. Highlights oder Markenidentität sucht man an dem Spanier allerdings vergeblich. Und solange Seat auf diesem Gebiet nicht nachlegt, wird der Toledo hierzulande das Schicksal seiner Vorgänger teilen und ein Nischenprodukt bleiben.

 
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